Thyssenkrupp: Aktie mit Kursrallye nach Rücktritts-Angebot

Was für eine Überraschung! Nur wenige Tage, nachdem Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger die Auslagerung des Stahlgeschäftes und Einbringung in ein neues Gemeinschaftsunternehmen mit den Europa-Aktivitäten der indischen Tata Steel offiziell vollziehen konnte, hat der Vorstandschef dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt angeboten.

Und es bestehen eigentlich keine Zweifel, dass der Aufsichtsrat dieses Angebot annehmen wird. Denn insbesondere die Kapitalseite hatte in den vergangenen Monaten deutlich Druck gemacht und auch signalisiert, dass man Hiesinger nicht unbedingt für den nötigen Mann der Stunde hält.

Hiesinger als Turnaround-Mann

Keine Frage: Hiesinger hat sich beim Industriekonzern Thyssenkrupp große Verdienste erarbeitet. Nachdem der Konzern aufgrund der milliardenschweren Verluste im US-Stahlgeschäft knapp am Abgrund stand, schaffte Hiesinger ab 2010 den Turnaround und führte Thyssenkrupp wieder in die Gewinnzone. Ihm zuzurechnen ist dabei sicherlich auch der bisherige Konzernumbau, der eine klare industrielle Ausrichtung erreicht hat. Dennoch:

Ein bisschen fühlt man sich an die Metallgesellschaft in den neunziger Jahren und den harten Sanierungskurs des damaligen Vorstandschefs Kajo Neukirchen erinnert. Nachdem dieser den Konzern neu aufgestellt hatte, war später kein Platz mehr für ihn. Denn nun war nicht mehr der Sanierer gefragt, sondern der visionäre Firmenlenker. Dass Neukirchen auch den Machtkampf gegen den eigenen Großaktionär verlor, steht auf einem anderen Blatt.

Wird Thyssenkrupp zerschlagen?

Jedenfalls scheint für einige Investoren Heinrich Hiesinger nun nach der Abspaltung des Stahlgeschäftes nicht mehr der richtige Mann zu sein, um den Konzern weiter zu entwickeln. Wobei hier erschwerend hinzukommt, dass es eigentlich eher darum geht, ob Thyssenkrupp zerschlagen wird. Hiesinger stellte sich bislang vehement dagegen, musste zuletzt aber doch signalisieren, dass einige Geschäftsbereiche wie beispielsweise der Schiffsbau und der Werkstoffhandel durchaus zur Disposition stehen könnten.

Aktie haussiert

Insofern ist ein Rücktrittsangebot, das auf der heutigen Aufsichtsratssitzung sicherlich angenommen wird, nur folgerichtig. Und er schafft natürlich auch die entsprechende Perspektive, die sich insbesondere die beiden aktivistischen Investoren Cevian und Elliot gewünscht haben. Nämlich, dass über weitere Abspaltungen geredet wird.

Das ist es letztlich auch, was zum Wochenschluss die Thyssenkrupp-Aktie nach oben treibt. Denn schon vor einigen Tagen hatten sich Analysten dahingehend geäußert, dass sie dem Konzern bei einer Bewertung der Einzelteile ein höheres Kursziel zutrauen würden. Mit dem Weggang von Hiesinger dürften hier die entsprechenden Weichen gestellt werden.

%d Bloggern gefällt das: