Thyssenkrupp Aktie: September-Kapitalmarkttag für Steel Europe
Thyssenkrupp-Aktie legt nach Abspaltung von tk accelis deutlich zu. Analysten sehen Potenzial, Kapitalmarkttag im September entscheidet über Stahlzukunft.

- Aktie steigt um sechs Prozent
- Kapitalmarkttag für Steel Europe im September
- DZ Bank stuft auf Kaufen hoch
- Umsatz im dritten Quartal gestiegen
Thyssenkrupp arbeitet an der nächsten Etappe seines Konzernumbaus. Nach der Abspaltung der Werkstoffhandelssparte tk accelis, die vor rund zwei Wochen von einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen wurde und der Aktie seither ein Plus von 7,0 Prozent beschert hat, rückt nun die Stahlsparte Steel Europe in den Fokus. Im September will der Konzern auf einem eigens angesetzten Kapitalmarkttag die künftige Strategie für die Eigenständigkeit der Sparte vorstellen.
Die Aktie schloss am Freitag bei 13,44 Euro, ein Tagesplus von 6,0 Prozent, und zählte damit zu den stärksten Werten im MDAX. Auf Monatssicht steht ein Zuwachs von 10 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich das Papier um 44 Prozent verteuert. Zum 52-Wochen-Hoch von 14,05 Euro, erreicht am Montag vergangener Woche, fehlen nur noch 4,4 Prozent.
Zahlen liefern Rückenwind für den Umbau
Grundlage für die jüngste Kursbewegung sind neben Konjunktursignalen aus China auch die jüngsten Geschäftszahlen. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/2026 meldete Thyssenkrupp ein bereinigtes EBIT von 591 Millionen Euro, ein Plus von 226 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.
Das Nettoergebnis blieb wegen Restrukturierungsrückstellungen bei minus 311 Millionen Euro, die Nettocashposition bezifferte der Konzern auf 2,6 Milliarden Euro.
Im dritten Quartal, das am 30. Juni 2026 endete, erzielte Thyssenkrupp einen Umsatz von 8,79 Milliarden Euro nach 8,15 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Parallel dazu passte der Konzern seine Guidance an: Für Steel Europe hob er die Prognose für das bereinigte EBIT auf 350 bis 400 Millionen Euro an, zuvor waren 275 bis 375 Millionen Euro veranschlagt.
Bei Marine Systems erhöhte das Management das Umsatzziel auf plus 10 bis 12 Prozent, während die Erwartungen für Automotive Technology auf 150 bis 200 Millionen Euro EBIT gesenkt wurden.
Analysten sehen versteckte Werte im Konzerngeflecht
Die verbesserte Ertragslage und der Fortschritt beim Konzernumbau haben mehrere Analystenhäuser zu Neubewertungen bewogen. Die DZ Bank stufte die Aktie am Freitag von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch und hob den fairen Wert von 11,00 auf 16,00 Euro an.
Analyst Dirk Schlamp begründete dies mit dem voranschreitenden Konzernumbau, der durch die Abspaltung von tk accelis sowie die Bewertung der Beteiligungen an TKMS und TK Elevator versteckte Werte realisiere.
Citigroup bekräftigte am selben Tag ihre Kaufempfehlung und hob das Kursziel deutlich auf 20,00 Euro an. Analyst Ephrem Ravi verwies dabei auf die gute Kapitalisierung des Konzerns und erhebliches Bewertungspotenzial im Sektorvergleich.
Blick auf den September
Damit rückt der angekündigte Kapitalmarkttag für Steel Europe im September zum entscheidenden Prüfstein für die Bewertung der Aktie auf. Sollte der Konzern dort einen konkreten Fahrplan zur Verselbstständigung der Stahlsparte vorlegen, dürfte dies die Diskussion um weitere versteckte Werte im Konzerngeflecht neu befeuern.
Die Kursreaktion der vergangenen Tage zeigt, dass der Markt diese Entwicklung bereits vorwegnimmt: Mit einem Abstand von 31 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt von 10,29 Euro hat sich die Aktie spürbar von ihrem längerfristigen Trend gelöst.
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