Thyssenkrupp Aktie: Stahl-Plan B!

Der bereinigte Kursrückgang blieb deutlich; eine mögliche Stahl-Abspaltung ist vorbereitet, während tk accelis operative Ergebnisse vorlegt.

Die Kernpunkte:
  • Bereinigter Kursverlust von gut acht Prozent
  • Aktionäre erhielten tk-accelis-Aktien im Verhältnis 20:1
  • Partnergespräche zur Stahlsparte blieben erfolglos
  • tk accelis meldete 9,1 Milliarden Euro Umsatz

Die Tagesbewegung von -17% bei Thyssenkrupp gestern erklärt sich vor allem durch den rechnerischen Abschlag infolge der Abspaltung von tk accelis. Sie ist deshalb kein unverfälschtes Urteil über das verbleibende Unternehmen.

Für mich liegt die wichtigere Botschaft aber in den ebenfalls gestern bekannt gewordenen Plänen für die Stahlsparte: Der nächste mögliche Börsenschritt wäre zunächst eine Alternative zu erfolglosen Partnergesprächen – noch kein Beleg für eine wirtschaftliche Lösung.

Der Kursabschlag erklärt nicht alles

Laut dpa-AFX betrug der Rückgang gegenüber dem um die Abspaltung bereinigten Vortagesschluss gut 8 %. Aktionäre erhielten für je 20 Thyssenkrupp-Aktien eine Aktie von tk accelis. Ein Teil des optischen Verlusts der Muttergesellschaft steht damit einem zusätzlich zugeteilten Wertpapier gegenüber.

Diese Unterscheidung ist für die Bewertung entscheidend. Wer ausschließlich auf den unbereinigten Abschlag schaut, verwechselt eine veränderte Vermögensaufteilung mit einem entsprechenden Wertverlust. Umgekehrt wäre es ebenso bequem, die gesamte negative Kursreaktion als technischen Effekt abzutun. Auch nach der Bereinigung blieb ein deutlicher Rückgang.

Thyssenkrupp behält 51 % an tk accelis. Die Werkstoffsparte meldete für das Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 11,4 Mrd. €. Der Börsenschritt bedeutet daher keine vollständige wirtschaftliche Trennung. Für die Beurteilung von Thyssenkrupp bleibt die Entwicklung der Beteiligung relevant.

Aus meiner Sicht ist genau das der richtige Maßstab: Eine eigene Börsennotierung verändert die Struktur, ersetzt aber keine operative Leistung. Mehrere separat handelbare Aktien sind für Aktionäre nicht automatisch wertvoller als die vorherige Konstruktion. Entscheidend bleibt, welche Ergebnisse die jeweiligen Unternehmen erwirtschaften und welche Ziele sie tatsächlich erreichen.

Beim Stahl ist der Börsenweg eine Alternative

Reuters zufolge bereitet Thyssenkrupp die Stahlsparte als nächsten möglichen Kandidaten für eine Abspaltung über den Kapitalmarkt vor. Vorstandschef Miguel López sagte gestern, Versuche mit Partnern seien erfolglos gewesen. Ein Verkauf komme daher zunächst nicht infrage.

Das spricht für Handlungsbereitschaft, aber nicht für einen bereits gesicherten Erfolg. Ein möglicher Börsenweg ist etwas anderes als eine vereinbarte Transaktion. Vor allem verändert die Wahl des Weges noch nicht die wirtschaftliche Qualität des Geschäfts. Ich halte es deshalb für verfrüht, allein aus der Vorbereitung einer weiteren Abspaltung eine positive Neubewertung abzuleiten.

Die erfolglosen Partnergespräche gehören ausdrücklich in diese Abwägung. Sie erklären, weshalb der Kapitalmarkt als Alternative in den Vordergrund rückt. Daraus folgt weder, dass dieser Weg scheitern muss, noch dass er zwangsläufig bessere Bedingungen schafft. Für Anleger ist die Vorbereitung zunächst eine strategische Option – kein schon realisierter Wertzuwachs.

Ergebnisse müssen den Umbau rechtfertigen

Bei tk accelis lässt sich die operative Entwicklung bereits an Geschäftszahlen messen. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 meldete das Unternehmen 9,1 Mrd. € Umsatz und 256 Mio. € bereinigtes EBITDA.

Damit bekommt die Debatte einen belastbareren Bezugspunkt als die reine Kursmechanik. Die Beteiligung muss sich an ihrer Ertragskraft messen lassen. Ihre mittelfristigen Ziele sind dabei ein Anspruch an die künftige Leistung und dürfen nicht mit bereits erzielten Ergebnissen verwechselt werden.

Tk accelis strebt mittelfristig eine bereinigte EBITDA-Marge von 4–5 % sowie ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als 4 % an. Für mich liefern diese Ziele den sinnvolleren Prüfstein für den Nutzen der Neuordnung.

Unterm Strich verdient Thyssenkrupp weder ein pauschales Krisenurteil wegen des optischen Kurssturzes noch Vorschusslorbeeren für weitere Börsenpläne. Der Umbau schafft neue Möglichkeiten. Über seinen wirtschaftlichen Erfolg entscheiden jedoch die Ergebnisse der Beteiligungen und die Bedingungen einer möglichen Stahllösung – nicht die Zahl eigenständig notierter Gesellschaften.

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