Thyssenkrupp Aktie: TKMS auf Project 75-I-Shortlist
Thyssenkrupp hofft auf indischen U-Boot-Auftrag und trennt sich von HKM-Anteilen. Der Konzernumbau schreitet voran.

- Indien genehmigt U-Boot-Programm für TKMS
- Verkauf der HKM-Beteiligung an Salzgitter
- Aktie mit Wochenminus trotz Tagesplus
- Hauptversammlung im August geplant
Thyssenkrupp steckt mitten im Umbau. Während die Marinesparte auf einen milliardenschweren Rüstungsauftrag hofft, verkauft der Konzern gleichzeitig seine Stahl-Beteiligung. Zwei Nachrichten, ein Ziel: der Konzern will schlanker und fokussierter werden.
Die Aktie schloss am Freitag mit einem Plus von 1,72 Prozent bei 11,50 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein Minus von 3,85 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn liegt das Papier trotzdem deutlich im Plus: 18,90 Prozent.
Indien öffnet die Tür für TKMS
Die indische Regierung hat ein Rüstungsprogramm im Wert von 8 bis 9 Milliarden US-Dollar genehmigt. Im Rahmen von „Project 75-I“ sollen sechs konventionelle U-Boote entstehen. Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) steht auf der Shortlist der möglichen Technologiepartner.
Konkurrenz gibt es genug. Neben TKMS bewerben sich auch die französische Naval Group, die spanische Navantia und der südkoreanische Konzern Daewoo um den Zuschlag. Die erste Auslieferung ist frühestens für 2030 geplant — das Projekt zählt zu den größten seiner Art weltweit.
Für TKMS wäre ein Zuschlag mehr als nur ein Auftrag. Die Marinesparte steht seit Monaten im Zentrum von Überlegungen zu einer möglichen Verselbstständigung oder einem Teilverkauf. Ein Großauftrag aus Indien würde die Verhandlungsposition deutlich stärken.
Stahlgeschäft schrumpft weiter
Parallel zum Rüstungsgeschäft schneidet Thyssenkrupp seine Stahlaktivitäten weiter zurecht. Der Wettbewerber Salzgitter übernimmt die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann (HKM) komplett. Bislang hielt Thyssenkrupp die Hälfte des Gemeinschaftsunternehmens.
Der Deal kostet Arbeitsplätze. Am Standort Duisburg fallen rund 2.000 Stellen weg. Salzgitter-Personalvorständin Birgit Dietze nannte den Schritt einen schweren, aber notwendigen Eingriff, um den Standort zukunftsfähig zu machen. Salzgitter will HKM Richtung „grünem“ Stahl umbauen.
Für Thyssenkrupp bedeutet der Ausstieg vor allem eins: weniger Komplexität im verlustreichen Stahlsegment. Die bestehenden Lieferverträge mit HKM laufen offiziell bis 2028 weiter.
Charttechnik zeigt Spielraum nach oben
Trotz des Kursplus am Freitag bleibt die Aktie unter ihrem Jahreshoch. Mit 11,50 Euro liegt sie 13,17 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025. Zum 52-Wochen-Tief von 7,10 Euro aus dem März 2026 beträgt der Abstand dagegen fast 62 Prozent.
Der mittelfristige Trend zeigt trotzdem nach oben. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 9,96 Euro liegt bei 15,47 Prozent. Der RSI von 54,7 signalisiert einen neutralen Bereich — die Aktie ist weder überkauft noch überverkauft.
Die Volatilität bleibt allerdings hoch: 51,95 Prozent auf Jahressicht. Das zeigt, wie unsicher Marktteilnehmer den laufenden Konzernumbau noch einschätzen.
Am 7. August 2026 findet die Hauptversammlung der Thyssenkrupp AG statt. Dort dürfte der Vorstand weitere Details zur Zukunft von TKMS und zur Neuausrichtung der Stahlsparte liefern. Bis dahin bleibt die Frage im Raum, ob der indische Großauftrag tatsächlich nach Essen geht.
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