Thyssenkrupp Aktie: TKMS-Auftrag über 20 Milliarden Euro
Thyssenkrupp sichert sich historischen Marineauftrag aus Kanada und treibt die Aufspaltung des Konzerns voran. Der Aktienkurs reagiert dennoch mit Verlusten.

- Größter Marineauftrag der Firmengeschichte
- Kanada bestellt bis zu 12 U-Boote
- Spin-off von tk accelis geplant
- Aktie fällt trotz Rekord-Deal
Ein U-Boot-Deal mit potenziell 60 Milliarden Euro Volumen und trotzdem ein fallender Kurs. Bei Thyssenkrupp klaffen operative Erfolge und Börsenreaktion gerade deutlich auseinander. Der Konzern treibt parallel dazu seine Zerschlagung in eigenständige Einheiten voran.
Kanada bringt den größten Marineauftrag der Firmengeschichte
Die Marinesparte Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) hat am vergangenen Wochenende einen historischen Erfolg gemeldet. Kanada wählt TKMS für sein nationales U-Boot-Programm aus. Der Auftrag umfasst bis zu 12 U-Boote der Klasse 212CD.
Für Thyssenkrupp bedeutet das ein reines Bauvolumen von rund 20 Milliarden Euro. Über die gesamte Laufzeit kann das Gesamtprojekt sogar bis zu 60 Milliarden Euro erreichen. Die Vertragsunterzeichnung erwartet der Konzern bis Ende 2027, die erste Auslieferung plant er für 2034.
Zusätzlich sicherte sich TKMS einen deutschen Fregattenauftrag über 6,3 Milliarden Euro. Die Marinesparte entwickelt sich damit zum wichtigsten Wachstumstreiber im Konzern.
Der nächste Spin-off: tk accelis soll eigenständig werden
Neben den Rüstungserfolgen forciert die Konzernleitung die Aufspaltung weiterer Geschäftsbereiche. Aktuellen Berichten zufolge plant Thyssenkrupp einen Spin-off der Tochter tk accelis. Der Schritt passt zur Gesamtstrategie: Der Konzern will sich in kleinere, schlagkräftige Einheiten aufteilen.
Parallel dazu läuft der Umbau der Stahlsparte weiter. Trotz der guten Nachrichten aus dem Marinegeschäft bleibt der Marktdruck auf das Gesamtunternehmen hoch. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 7,02 Milliarden Euro.
Kurs fällt trotz Rekordauftrag
Am vergangenen Freitag schloss die Aktie bei 11,50 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen bedeutet das einen Rückgang von 6,73 Prozent — trotz des Kanada-Deals.
Der langfristige Trend zeigt allerdings ein anderes Bild. Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 18,90 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht mit 4,36 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief bei 7,10 Euro beträgt der Abstand inzwischen fast 62 Prozent.
Zum Rekordhoch von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen der Aktie noch gut 13 Prozent. Der RSI von 54,7 signalisiert einen neutralen Bereich, keine Überkauft- oder Überverkauft-Situation. Mit einem Abstand von 15,47 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt bleibt der mittelfristige Aufwärtstrend aber intakt.
Schwerindustrie unter Druck, Thyssenkrupp sucht die Sonderrolle
Die positiven Nachrichten bei Thyssenkrupp stehen im Kontrast zu einem schwierigen Umfeld für die deutsche Schwerindustrie. Evonik kündigt Stellenstreichungen an, der Verband der Chemischen Industrie warnt vor einer Deindustrialisierung. Thyssenkrupp versucht sich dagegen über margenstarke Großprojekte und die Verselbstständigung von Sparten abzusetzen.
Zwei Risiken bleiben für Anleger im Blick: steigende Rohstoffpreise, besonders bei Wolfram, sowie Debatten um eine mögliche staatliche Kontrolle bei strategischen Rüstungsprojekten. Beide Faktoren könnten die Profitabilität der neuen Großaufträge schmälern.
Die eigentliche Bewährungsprobe liegt noch vor dem Konzern. Erst mit der Vertragsunterzeichnung bis Ende 2027 wird der Kanada-Deal verbindlich — bis dahin bleibt er eine Absichtserklärung mit Milliardenpotenzial.
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