Thyssenkrupp Aktie: Verkaufsgespräche mit Jindal ausgesetzt

Thyssenkrupp kämpft mit Verlusten und Stellenabbau, setzt aber auf Eigenständigkeit der Stahlsparte und neue KI-Allianzen.

Die Kernpunkte:
  • Stahlverkauf an Jindal ausgesetzt
  • Eigenständige Sanierung der Stahlsparte
  • Marinesparte als erfolgreiches Vorbild
  • KI-Allianz mit GlobalLogic geschlossen

Thyssenkrupp ist kein Unternehmen, das man in einer Schlagzeile erfasst. Es ist ein Werkstattbericht — laut, unordentlich, und noch lange nicht fertig.

Der Kurs steht bei 10,21 Euro. Über die letzten 30 Tage hat die Aktie gut elf Prozent verloren, liegt aber seit Jahresanfang noch knapp sechs Prozent im Plus. Das klingt widersprüchlich. Es ist es auch. Und genau das beschreibt Thyssenkrupp im Jahr 2026 ziemlich präzise.

Die Stahlwende, die keine war

Im Mai gab der Konzern bekannt, die Verkaufsgespräche mit dem indischen Wettbewerber Jindal über die Stahlsparte auszusetzen. Stattdessen soll Thyssenkrupp Steel Europe eigenständig saniert werden. Begründung: steigende Stahlpreise, EU-Schutzmaßnahmen gegen Billigimporte.

Das ist eine echte Kehrtwende. Noch vor Monaten schien ein Verkauf die wahrscheinlichste Lösung für einen Bereich, der das Unternehmen seit Jahren belastet. Jetzt setzt das Management auf interne Stärkung — mit dem Versprechen, die Verselbstständigung langfristig trotzdem anzustreben.

Ob das Opportunismus ist oder kluge Flexibilität, lässt sich schwer sagen. Beides ist möglich.

ACES 2030: Blaupause und Baustelle

Das Strategieprogramm „ACES 2030“ hat ein klares Ziel: Thyssenkrupp soll zur schlanken Finanzholding werden, mit eigenständigen Geschäften darunter. Ein Beweis, dass das funktionieren kann, existiert bereits. Die Marinesparte Thyssenkrupp Marine Systems ging im Oktober 2025 an die Börse — und entwickelte sich seither erfreulich. Die Abspaltung gilt intern als Blaupause.

Parallel dazu schließt der Konzern eine Allianz mit GlobalLogic, einem Unternehmen der Hitachi-Gruppe. Physische KI soll die industrielle Transformation beschleunigen. Das klingt nach Zukunft. Es ist auch nötig — denn der Weg dorthin kostet.

Was die Transformation wirklich kostet

Für das laufende Geschäftsjahr 2025/2026 erwartet Thyssenkrupp einen negativen freien Cashflow vor M&A. Die Stahlsparte allein verschlingt einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag — für den Abbau von rund 11.000 Stellen. Das Nettoergebnis soll zwischen minus 800 Millionen und minus 400 Millionen Euro liegen.

Das sind keine abstrakten Zahlen. Sie erklären, warum der Kurs trotz operativer Fortschritte unter Druck bleibt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 13,24 Euro im Oktober 2025 ist die Aktie rund 23 Prozent entfernt. Allerdings hat sie seit dem Tief Ende März bei 7,10 Euro fast 44 Prozent zugelegt.

Diese Spanne zeigt, wie unterschiedlich Anleger die Lage einschätzen. Wer auf eine schnelle Wende setzt, hat in den vergangenen Monaten gut verdient. Wer auf eine lineare Erholung hoffte, wurde enttäuscht.

Kein linearer Prozess

Genau das ist das Wesen dieser Transformation. Sie verläuft nicht geradlinig. Verkaufspläne werden ausgesetzt. Börsengänge gelingen. KI-Allianzen werden geschlossen. Und gleichzeitig laufen Stellenabbau und Milliardenverluste.

Kann ein Konzern, der so viele Baustellen gleichzeitig bewirtschaftet, wirklich die Kontrolle behalten? Diese Frage stellen sich Anleger zu Recht — und die Antwort hängt weniger von der Strategie ab als von der Fähigkeit, sie konsequent umzusetzen. Bisher hat Thyssenkrupp gezeigt, dass es flexibel reagieren kann. Ob das reicht, werden die nächsten Quartalszahlen zeigen — und vor allem, wie sich die Stahlsparte unter eigener Regie schlägt.

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