Thyssenkrupp Aktie: Wasserstoff verzögert 3-Milliarden-Projekt
Thyssenkrupp verhandelt über neue Konditionen für das Duisburger Green-Steel-Projekt, während die Aktie dank angehobener Prognose und Rekordaufträgen bei Marine Systems steigt.

- Finanzierungsgespräche für Green Steel
- EBIT-Prognose nach oben korrigiert
- Rekordauftragsbestand bei Marine Systems
- Stahlsparten-Abspaltung rückt näher
Während die Aktie von Thyssenkrupp neue Höchststände markiert, hakt es ausgerechnet bei dem Projekt, das den Konzernumbau symbolisieren sollte. Wie am Freitag bekannt wurde, verhandelt das Unternehmen über angepasste Finanzierungsbedingungen für die milliardenschwere „Green Steel“-Anlage in Duisburg. Grund ist eine verzögerte Verfügbarkeit von Wasserstoff, der für den klimaneutralen Stahl unverzichtbar ist.
Das 3 Milliarden Euro teure Vorhaben gilt als Kernstück der Transformation von Thyssenkrupp Steel. Verzögert sich die Wasserstoffversorgung, verschieben sich damit auch die Kalkulationen, mit denen die ursprüngliche Finanzierung stand. Für Anleger ist das ein Dämpfer in einer Phase, in der der Konzern sonst überwiegend positive Nachrichten liefert.
Zahlen stützen den Kurs, Nettoverlust bleibt
Die eigentliche Kursrallye der vergangenen Tage hatte einen anderen Ursprung: Am Donnerstag hob Thyssenkrupp nach Vorlage der Quartalszahlen die Untergrenze der EBIT-Prognose für das laufende Geschäftsjahr auf 600 bis 900 Millionen Euro an, zuvor hatte die Spanne bereits bei 500 Millionen Euro begonnen.
Im dritten Quartal per Ende Juni stieg der Umsatz um 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro, das Nettoergebnis drehte auf plus 34 Millionen Euro nach einem Verlust von 190 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Im Earnings Call am Samstag zuvor konkretisierte das Management dann aber den Ausblick fürs Gesamtjahr: Unterm Strich soll ein Nettoverlust zwischen 700 und 400 Millionen Euro stehen. Operativ läuft es also besser, das Gesamtbild bleibt jedoch von Sondereffekten und dem laufenden Umbau geprägt.
Tragende Sparte bleibt Marine Systems: TKMS wies einen Rekord-Auftragsbestand von über 20 Milliarden Euro aus. Zugleich deutete das Management eine mögliche Verselbstständigung der Stahlsparte an, angelehnt an das Modell der bereits beschlossenen Abspaltung „tk accelis“, die vor gut einer Woche von einer außerordentlichen Hauptversammlung genehmigt wurde und den Kurs seither um 10 Prozent zulegen ließ.
Portfoliobereinigung schreitet voran
Parallel zieht sich Thyssenkrupp aus mehreren Randbeteiligungen zurück. Die italienische Arvedi Group übernahm die verbliebenen 15 Prozent an Acciai Speciali Terni, was Thyssenkrupp einen Mittelzufluss im hohen zweistelligen Millionenbereich einbrachte. Bereits im Juli hatte Salzgitter die HKM-Anteile übernommen. Beide Transaktionen passen ins Bild eines Konzerns, der sich auf seine Kernbereiche konzentriert und Kapital freisetzt.
JPMorgan reagierte auf die Quartalszahlen am Freitag mit einer Neutral-Einstufung und einem Kursziel von 12,80 Euro – unterhalb des aktuellen Kursniveaus.
Ausblick: Capital Markets Day im September
Die Aktie schloss am Freitag bei 13,79 Euro, ein Plus von 2,9 Prozent, und liegt damit nur noch 1,5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der RSI von 71,5 signalisiert eine überkaufte Lage nach der steilen Rally der vergangenen Wochen.
Ob sich die operative Erholung fortsetzt, dürfte sich auch am geplanten Capital Markets Day der Stahlsparte Ende September zeigen, auf dem die Strategie für eine mögliche Eigenständigkeit vorgestellt werden soll. Bis dahin bleibt die Frage offen, wie stark die Finanzierungsprobleme beim Duisburger Wasserstoffprojekt den Zeitplan der grünen Transformation belasten.
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