Thyssenkrupp: Könnte der Tata-Steel-Deal noch scheitern?

Für den Industriekonzern Thyssenkrupp wäre es der Super-GAU wohl schlechthin: Ein Scheitern des Stahl-Joint-Ventures mit den Europa-Aktivitäten der indischen Tata Steel. Monatelang wurde verhandelt und gerechnet, nun schienen alle Hemmnisse ausgeräumt.

Doch jetzt kommt von Investorenseite Druck. Und das in Gestalt des Hedgefonds-Managers Paul Singer mit seinem Fonds Elliott. Dieser hatte vor kurzem schon für Trubel gesorgt, als er seinen Einstieg bei Thyssenkrupp ankündigte. Dies als Unterstützung des schwedischen Großaktionärs Cevian, der bislang 15 % an Thyssenkrupp hält.

Aktivisten machen Druck

Noch ist überhaupt nicht klar, ob Singer überhaupt schon Anteile gekauft hat, da flattert dem Vorstand schon ein Brief ins Haus. In diesem wird gefordert, die Vereinbarungen über das Joint Venture nochmals neu zu verhandeln. Wobei Elliott durchaus gute Argumente anzuführen weiß.

Denn der Hedgefonds verweist nicht zu Unrecht darauf, dass sich in den vergangenen zwölf Monaten die Ergebnislagen der Stahlsparten von Thyssenkrupp und von Tata Steel Europe signifikant verändert hätten. So musste Tate Steel Europe bis März einen Rückgang beim EBITDA um rund 28 % auf 500 Millionen Euro ausweisen. Im gleichen Zeitraum konnte Thyssenkrupps Stahlsparte ihr operatives Ergebnis um 38 % steigern.

Wo es für Thyssenkrupp etwas zum Nachbessern gäbe?

Cevian und Elliot fordern entsprechend, dass bei dem geplanten Zusammenschluss entsprechend nachgebessert werden müsste. Entweder soll Tata Steel eine Ausgleichszahlung abliefern oder weniger Schulden in das neue Gemeinschaftsunternehmen einbringen. Im Gegenzug könnte allerdings auch der deutsche Konzern mehr Schulden abladen oder einen höheren Anteil am Joint Venture erhalten. Dieser könnte nach Berechnungen der beiden aktivistischen Investoren statt 50 % stolze 82 % betragen.

Interessantes Detail: Thyssenkrupp -Chef Hiesinger kann angesichts der Faktenlage das Ansinnen der beiden Investoren nicht einfach abbügeln. Vielmehr weiß auch das Management, dass es hier Veränderungen in der Bewertungslage gegeben hat. Uneinig scheint man sich hierbei nur in den Größenordnungen zu sein.

Aber natürlich ist den Thyssenkrupp-Leuten klar: Sollten sie bei Tata vorstellig werden und nachverhandeln wollen, besteht ein hohes Risiko, dass die Inder am Ende abwinken. Und dann hätte Thyssenkrupp wieder ein großes Problem. Denn einen Plan B gibt es derzeit augenscheinlich nicht.

Aktie von Thyssenkrupp mit interessanter Reaktion

Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang die Reaktion des Marktes. Denn trotz der möglichen Risiken eines Scheiterns konnte die Aktie von Thyssenkrupp zum Wochenbeginn leicht zulegen und damit letztlich auch den Erholungstrend der letzten 14 Tage weiter vorantreiben.

Dahinter steht natürlich sicherlich die Spekulation, dass womöglich Tata Steel angesichts der generell schwierigen Branchensituation vielleicht doch noch für das eine oder andere Zugeständnis zu gewinnen ist. Was aber schon jetzt feststellbar ist: Cevian und Elliott setzen ihr Versprechen, Druck zu machen, ohne viel Umschweife um.

%d Bloggern gefällt das: