Thyssenkrupp: Nach Umbau bald Ende für die Werften?

Ende letzter Woche sorgte Thyssenkrupp für Schlagzeilen mit der Ankündigung, seine Sparte Großanlagenbau (Industrial Solutions) neu zuordnen. Denn in diesem Geschäftsbereich fallen auch bislang die Aktivitäten im Marineschiffbau inklusive U-Boote. Das Werftgeschäft wird zukünftig direkt dem Konzernvorstand unterstellt, während der Großanlagenbau dann als Stand-Alone-Sparte restrukturiert werden soll.

Mit diesen Plänen reizt Interims-Chef Guido Kerkhoff sein eigentlich recht eingeschränktes Mandat bis zum Anschlag aus. Doch dürften diese Ideen vorerst auch ein positives Votum bei den aktivistischen Investoren Cevian und Elliott finden, die nach wie vor auf weitere Beteiligungsverkäufe, wenn nicht sogar eine Zerschlagung drängen.

Wie Thyssenkrupp den Anlagenbau neu aufstellen will

Der Großanlagenbau ist das große Sorgenkind bei Thyssenkrupp. In den letzten neun Monaten sackte die Sparte auf einen operativen Verlust (EBIT) von 224 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte die Sparte zwar mit 70 Millionen Euro noch ein positives Ergebnis beisteuern können, war allerdings im Gesamtkonzern erneut die ertragsschwächste Sparte. Nun wird die Spartenführung ausgetauscht. Außerdem werden weitere Stellenstreichungen nicht ausgeschlossen. Bislang ist geplant, innerhalb von drei Jahren bis zu 2.000 Stellen abzubauen von insgesamt 21.000. Damit könnte nun noch längst nicht Schluss sein.

Allerdings ist bislang noch unklar, wohin die Reise mit der Sparte gehen soll. Denn ein echtes Konzept für die Restrukturierung wurde bislang nicht vorgelegt. Einzig die Forderung von Kerkhoff, dass sich die Sparte auch mit kleineren Projekten beschäftigen und mehr Service und Instandhaltung anbieten soll, ist bislang bekannt.

Gibt es eine Zukunft für den Marine-Schiffbau?

Die größten Spekulationen gibt es allerdings um die weitere Zukunft des Marine-Schiffbaus. Dieser war schon in den vergangenen Monaten immer wieder Gegenstand von Verkaufsforderungen der Investoren. Denn der deutsche Marine-Schiffbau befindet sich derzeit in einer extrem schwierigen Wettbewerbssituation. Besonders ein neuer Zusammenschluss der französischen und italienischen Konkurrenten macht den deutschen Werften das Leben schwer.

Hinzu kommt, dass die Thyssenkrupp -Sparte Marine Systems längst nicht mehr über ein solch gutes Standing im Beschaffungsamt der Bundesmarine verfügt wie zu früheren Zeiten. Dies konnte man schon daran sehen, dass im Sommer das Konsortium von Thyssenkrupp Marine Systems und der Bremer Lürssen-Werft aus dem Vergabeprozess für das neue Mehrzweckkampfschiff MKS 180 der Marine ausgeschlossen wurde.

Wie steht es um das neue Schiffsprojekt der Bundesmarine?

Marine Systems hat zwar nun eine neue Chance bekommen. Denn neben der dänischen Damen Shipyards Group bewirbt sich auch noch die deutsche German Naval Yards Holdings, die nun Thyssenkrupp Marine Systems als Subunternehmer mit ins Boot holen würde, wenn sie den Zuschlag erhält. Doch die Schwierigkeiten der Sparte, bei großen Aufträgen zum Zuge zu kommen, sind offensichtlich.

Thyssenkrupp selbst dementiert momentan jegliche Verkaufsabsicht. Ein solcher Plan wäre sicherlich auch relativ schwer umzusetzen, da insbesondere der U-Boot-Bereich von der Bundesregierung als strategisch eingestuft wird. D.h., dass hier ein Verkauf nur im Inland wohl die Zustimmung finden würde. Doch da sind derzeit keine Interessenten in Sicht.

Aktie bleibt im Tief

Der Aktie von Thyssenkrupp konnten die neuen Pläne bislang nicht helfen. Sie bleibt auf dem tiefsten Stand seit Juli 2016. Was auch nachvollziehbar erscheint. Denn solange es keine Lösung sowohl für den Vorstandsvorsitz als auch für den Aufsichtsratsvorsitz gibt, scheinen alle strategischen Entscheidungen nur vorläufig zu sein und auf Schadensbegrenzung ausgerichtet. Das hält natürlich vor allem auch längerfristig orientierte Investoren vorläufig auf Distanz.

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