ThyssenKrupp Nucera Aktie: Wachstum trotz roter Zahlen
ThyssenKrupp Nucera verzeichnet ein starkes Auftragsplus, muss jedoch Umsatzrückgang und tiefere Verluste hinnehmen. Der Konzern beendet die SOEC-Serienfertigung und senkt die Jahresziele.

- Auftragseingang steigt um 96 Prozent
- Umsatz bricht auf 354 Millionen ein
- SOEC-Serienfertigung wird eingestellt
- Jahresprognose deutlich gesenkt
ThyssenKrupp Nucera meldet für das dritte Geschäftsquartal 2025/2026 ein widersprüchliches Bild: Der Auftragseingang schießt nach oben, während der Umsatz einbricht und die Verluste tiefer ausfallen als bislang erwartet. Das Unternehmen zieht daraus eine radikale Konsequenz — es beendet den Aufbau einer eigenen Serienfertigung für SOEC-Elektrolyseure.
Auftragseingang verdoppelt sich fast
In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres kletterte der Auftragseingang um 96 Prozent auf 471 Millionen Euro. Allein im dritten Quartal legte er um 29 Prozent auf 81 Millionen Euro zu. Treiber war unter anderem ein Großauftrag von Moeve für einen 300-Megawatt-Elektrolyseur in Südeuropa samt digitalem Langzeit-Servicepaket.
Auch das Chlor-Alkali-Geschäft läuft rund. Der Auftragseingang in diesem Segment wuchs in den ersten neun Monaten um 32 Prozent auf 288 Millionen Euro, das Segment-EBIT erreichte 38 Millionen Euro. Diese Sparte bleibt damit der stabile Anker im Konzern, während das Wasserstoffgeschäft schwächelt.
Der Konzernumsatz brach in den ersten neun Monaten deutlich ein — von 663 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 354 Millionen Euro. Das operative Ergebnis rutschte auf minus 69 Millionen Euro, belastet durch einmalige Projektkosten und die Auflösung eines US-Vertrags. Grund für den Rückgang ist vor allem die geringere Umsatzrealisierung im Grün-Wasserstoff-Geschäft.
SOEC-Aus kostet 30 Millionen Euro
Die wohl einschneidendste Entscheidung betrifft die Zukunftstechnologie SOEC. ThyssenKrupp Nucera stoppt den Aufbau einer eigenen Serienfertigung für diese Festoxid-Elektrolyseure, weil die wirtschaftlichen Perspektiven nach eigener Einschätzung nicht attraktiv genug sind. Der Schritt reißt ein Loch von rund 30 Millionen Euro ins operative Ergebnis. Künftig will sich das Unternehmen auf Chlor-Alkali, alkalische Wasserelektrolyse und Hochdruck-Elektrolyse konzentrieren.
Die Konsequenzen zeigen sich in der gesenkten Jahresprognose. Der erwartete Auftragseingang für 2025/2026 sinkt auf eine Spanne von 550 bis 670 Millionen Euro, zuvor waren bis zu 850 Millionen Euro möglich. Der Umsatz wird nun bei 450 bis 500 Millionen Euro erwartet, das Konzern-EBIT bei minus 105 bis minus 75 Millionen Euro — deutlich schwächer als die vorherige Zielspanne von minus 80 bis minus 30 Millionen Euro.
Immerhin bleibt die Bilanz robust: Die Nettofinanzposition liegt weiterhin bei 627 Millionen Euro. Das gibt dem Unternehmen Spielraum, den Strategieschwenk weg von der SOEC-Serienfertigung ohne akuten Finanzierungsdruck umzusetzen — auch wenn das Kerngeschäft mit grünem Wasserstoff vorerst kleiner ausfällt als ursprünglich geplant.
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