Tilray Aktie: Getränke wachsen 61 Prozent
Tilray verzeichnet dank starkem Getränke- und Vertriebsgeschäft einen deutlichen Kursanstieg, während das Cannabis-Segment weiterhin schwächelt und der Cashflow negativ bleibt.

- Kurserholung nach Mehrjahrestief
- Getränkesparte wächst um 61 Prozent
- Cannabis liefert höhere Bruttogewinne
- Negativer freier Cashflow von 98,6 Mio. Dollar
Tilray Brands hat einen Boden gefunden. Die Aktie des Cannabis- und Konsumgüterkonzerns springt seit Donnerstag deutlich nach oben, nachdem sie zuvor auf ein Mehrjahrestief gefallen war. Der Auslöser: Getränke und Vertrieb wachsen so schnell, dass sie das schwächelnde Cannabisgeschäft überstrahlen.
Aktie erholt sich von Jahrestief
Am 3. August pendelte die Tilray-Aktie zwischen 4,59 und 4,94 Dollar, zuletzt bei rund 4,83 Dollar. Tags zuvor hatte das Papier zum Handelsstart 6,4 Prozent zugelegt, nach einem Plus von 5,3 Prozent am Tag davor. Erst kurz zuvor war die Marke von 5,96 Dollar unterschritten worden – ein Niveau, das zuletzt im März gehalten hatte.
Auch das Handelsvolumen zog an. Am 3. August wechselten 2,87 Millionen Aktien den Besitzer, bei einem Tagesdurchschnitt von 5,6 Millionen. Parallel registrierten Optionshändler eine auffällige bärische Position: Ein Put-Paket mit Fälligkeit Januar 2027 und Basispreis von 1 Dollar wechselte in 80 Einzeltrades den Besitzer, insgesamt 767 Kontrakte. Der Verkäufer der Optionen kassierte dafür 36.800 Dollar.
Getränke wachsen schneller als Cannabis
Der Kursanstieg hat einen konkreten Grund: die Zusammensetzung der Rekordzahlen für das Geschäftsjahr 2026. Getränke und Vertrieb steuerten 50,9 Millionen Dollar zum Umsatzplus von 57,2 Millionen Dollar im Quartal bei. Die Getränkesparte wuchs um 61 Prozent, der Vertrieb um 15 Prozent. Cannabis kam nur auf 5 Prozent.
Auf Jahressicht erwirtschaftete das Nicht-Cannabis-Geschäft 71 Prozent des Gesamtumsatzes. Beim Rohertrag dreht sich das Bild allerdings um: Cannabis lieferte 41 Prozent des Bruttogewinns, obwohl es nur 29 Prozent des Umsatzes ausmachte. Das alte Kerngeschäft bleibt also profitabler – nur kleiner.
Tilray-Chef Irwin Simon setzt voll auf die neue Breite des Konzerns. „Das nächste Kapitel für Tilray wird nicht von einem Produkt, einem Markt oder einem regulatorischen Ereignis bestimmt“, sagte er zur Vorlage der Zahlen. Für das Geschäftsjahr 2027 stellt das Management ein bereinigtes EBITDA zwischen 68 und 75 Millionen Dollar in Aussicht. Der Umsatz soll die Milliardengrenze überschreiten, eine genaue Prognose nannte der Konzern dafür nicht.
Analysten bleiben gespalten
Trotz der Kursrally reagiert die Wall Street verhalten. FactSet zählt drei Kaufempfehlungen und sechs Halten-Einstufungen, keine einzige Verkaufsempfehlung. Der mediane Kursziel-Wert liegt bei 5 Dollar, etwa 12 Prozent über dem aktuellen Kurs. Der Durchschnittswert von 7,47 Dollar wirkt durch ein Ausreißer-Kursziel von 19 Dollar verzerrt, das niedrigste Ziel liegt bei 4,25 Dollar.
Die Einschätzungen einzelner Häuser gehen weit auseinander:
- Derek Lessard (TD Cowen): Kaufen, Kursziel 5 Dollar
- Frederico Gomes (ATB): Halten, Kursziel 8 Dollar
- Aaron Grey (Alliance Global): Halten, Kursziel 5 Dollar
Die Gewinnschätzungen für das laufende Geschäftsjahr haben sich zudem verschlechtert. Analysten erwarten für 2027 nun einen Verlust von 0,47 Dollar pro Aktie, einen Monat zuvor lag die Schätzung noch bei minus 0,39 Dollar.
Cash-Verbrauch bleibt das Problem
Unter der positiven Umsatzstory brennt weiter Bargeld. Der operative Cashflow nach GAAP verzeichnete einen Verlust von 69,1 Millionen Dollar. Der freie Cashflow lag bei minus 98,6 Millionen Dollar, die bereinigte Version bei minus 86,0 Millionen Dollar. Der Konzern verbraucht also deutlich mehr Bargeld, als die bereinigten Gewinnkennzahlen vermuten lassen – wenn auch mit klarer Verbesserung gegenüber den Vorquartalen.
Die Bilanz wirkt dagegen stabiler. Ende Mai verfügte Tilray über rund 235 Millionen Dollar an Barmitteln, gebundenen Mitteln und Wertpapieren. Die Nettoverschuldung nach eigener Definition liegt bei nur 0,7 Millionen Dollar, wobei die Bruttoverschuldung tatsächlich etwa 227 Millionen Dollar beträgt. Hinzu kommen Leasingverbindlichkeiten von 171,5 Millionen Dollar sowie Lagerbestände und Forderungen von zusammen rund 490 Millionen Dollar – Kapital, das im operativen Geschäft gebunden bleibt.
Der Kursanstieg zeigt: Anleger honorieren den Umbau weg vom reinen Cannabisgeschäft hin zu Getränken und Vertrieb. Ob sich diese Dynamik fortsetzt, hängt davon ab, ob Tilray das EBITDA-Ziel für 2027 erreicht und die Lücke zwischen bereinigtem Gewinn und tatsächlichem Cashflow schließt.
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