TKMS Aktie: 12 Milliarden für Kanada-Auftrag

TKMS-Chef Burkhard weist Übernahmebedenken nach Milliardenaufträgen aus Kanada und Indien zurück und verweist auf die Werft Wismar.

Die Kernpunkte:
  • Burkhard kontert Kapazitätszweifel
  • Kanada-Auftrag über zwölf U-Boote
  • Indien-Deal in der Endphase
  • Aktie fällt nach Kurssprung zurück

TKMS-Chef Oliver Burkhard hat sich gegen Zweifel gewehrt, der Marineschiffbauer könnte sich mit den jüngsten Großaufträgen übernehmen. „Es ärgert mich, dass Zweifel an uns geschürt werden“, sagte er zu Vorbehalten nach dem Kanada-Deal. Auf die Frage, ob der Konzern das schaffe, antwortete Burkhard knapp: „Natürlich schaffen wir das.“ Zusätzlich äußerte er sich zur Endphase der Verhandlungen mit Indien und zu einem bekanntgewordenen Hackerangriff auf das Unternehmen.

Kanada-Auftrag treibt Kurs zunächst nach oben, dann folgt der Rückschlag

Auslöser der Debatte ist die Entscheidung Kanadas, TKMS Anfang Juli 2026 als bevorzugten Bieter für das kanadische U-Boot-Programm CPSP auszuwählen. Der Auftrag umfasst bis zu zwölf U-Boote und ein Volumen von rund 12 Milliarden Euro. Damit setzte sich TKMS gegen die südkoreanischen Wettbewerber um Hanwha durch, deren kanadische Partner Seaspan und Irving Shipbuilding nun vor einer ungewissen Zukunft stehen. Die deutsche Offerte punktete laut den Berichten vor allem mit Design, Kosteneffizienz und lokaler Fertigung.

Die Nachricht ließ den Aktienkurs zunächst bis auf 93 Euro steigen, bevor er wieder unter die 80-Euro-Marke fiel. Neben Zweifeln an der Kapazität des Unternehmens belastete auch der Ausstieg des Bundes aus dem Fregattenprogramm F126 das Anlegervertrauen. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 80,70 Euro, ein Plus von 0,75 Prozent auf Tagessicht. Auf Monatssicht steht dennoch ein Anstieg von 5,63 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Papier mit 21,90 Prozent im Plus. Zum 52-Wochen-Hoch von 106,58 Euro, erreicht im Oktober 2025, fehlen der Aktie aktuell noch 24,28 Prozent.

Werft Wismar und Navantia-Kooperation als Antwort auf Kapazitätsfragen

Burkhard verweist auf die Werft in Wismar mit ihren 550.000 Quadratmetern an Dockflächen als zentrale Ressource, um die zusätzlichen Aufträge zu stemmen. Ergänzend prüft TKMS eine Kooperation mit dem spanischen Rüstungskonzern Navantia. Der Auftragsbestand summiert sich mittlerweile auf rund 20 Milliarden Euro – etwa das Zehnfache des Jahresumsatzes von 2,2 Milliarden Euro. Kommen die Kanada- und mögliche Fregattenaufträge hinzu, könnte sich dieser Bestand nach Einschätzung des Unternehmens sogar verdoppeln.

Als nächsten möglichen Meilenstein nennt Burkhard einen Auftrag aus Indien. Er rechnet bis Ende 2026 mit einem Abschluss über sechs U-Boote im Volumen von 8 Milliarden Euro. Die Verhandlungen mit Indien laufen bereits seit 24 Jahren und stecken laut Burkhard in ihrer Endphase, samt Verträgen von rund 10.000 Seiten Umfang. Ursprünglich erwartete Fortschritte verzögerten sich durch die Energiekrise infolge des Irankriegs. Indien selbst verfolgt das Ziel, bis 2047 in der Rüstungsproduktion autark zu werden.

Rüstungssektor bleibt in Bewegung

Der Kurssprung und -rückschlag bei TKMS reiht sich in ein unruhiges Umfeld für deutsche Rüstungswerte ein. Während bei Rheinmetall die Streichung des F126-Programms mit bis zu 300 Millionen Euro Umsatzausfall zu Kurszielsenkungen führte, verlief der Börsengang des Rüstungszulieferers SMAG mit einem Schlusskurs von rund 42 Prozent unter dem Ausgabepreis deutlich holpriger. TKMS selbst wird in diesem Vergleich als stabiler eingestuft. Parallel treibt Verteidigungsminister Pistorius mit einem geplanten Panzerkauf von bis zu 25 Milliarden Euro für Rheinmetall und KNDS die Aufrüstung der Bundeswehr weiter voran – ein Signal für die anhaltend hohe politische Priorität militärischer Beschaffung in Deutschland.

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