TKMS Aktie: 12 U-Boote für Kanada

TKMS präsentiert am 12. August Q3-Zahlen. Analysten streiten über Kursziele zwischen 76 und 135 Euro, während Rekordauftrag aus Kanada Rückenwind gibt.

Die Kernpunkte:
  • Quartalszahlen am 12. August
  • Kurszielspanne von 59 Euro
  • Rekordauftrag aus Kanada
  • Aktie im Aufwärtstrend

Der Kieler Marinekonzern TKMS steht vor einem wichtigen Termin: Am 12. August legt das Unternehmen seine Zahlen zum dritten Geschäftsquartal vor. Die Erwartungen der Analysten könnten dabei kaum weiter auseinanderliegen. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Kursziel der drei aktuell positionierten Häuser liegen 59 Euro – eine Spanne, die für einen Wert dieser Größenordnung außergewöhnlich groß ausfällt.

Drei Häuser, drei Perspektiven

Deutsche Bank Research beließ am 24. Juli die Einstufung für TKMS bei „Buy“ und nannte ein Kursziel von 110 Euro. Noch optimistischer positionierte sich mwb research Ende Juli: Das Institut bestätigte seine Kaufempfehlung mit einer Zielmarke von 135,00 Euro und hält den jüngsten Kursrückgang der Aktie für nicht gerechtfertigt. Im Zentrum der Argumentation steht die außergewöhnliche Planungssicherheit aus einem prall gefüllten Auftragsbuch. Nach Schätzung von mwb research soll der Umsatz von 2,17 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr auf 3,04 Milliarden Euro im Jahr 2028 steigen, das operative Ergebnis sich von 112,5 auf 224,4 Millionen Euro mehr als verdoppeln und die EBIT-Marge von 5,2 auf 7,4 Prozent zulegen.

Deutlich zurückhaltender äußerte sich Bernstein Research bereits am 22. Juli. Analyst Adrien Rabier beließ seine Einstufung bei „Market-Perform“ und setzte das Kursziel auf 76 Euro – den mit Abstand niedrigsten Wert im Vergleich. Rabier hält das 2026er-Umsatzziel des Konzerns angesichts der Entwicklung im ersten Halbjahr für übermäßig konservativ und rechnet bei der EBIT-Marge eher mit 7 Prozent statt der vom Unternehmen angepeilten mehr als 6 Prozent für das laufende Jahr. Trotz der insgesamt vorsichtigeren Tonlage sieht auch Bernstein damit tendenziell Aufwärtspotenzial gegenüber den eigenen Erwartungen des Konzerns.

Kanada-Auftrag als Rückenwind

Die divergierenden Kursziele fallen in eine Phase, in der TKMS operativ Rückenwind erhält. Anfang Juli reiste Konzernchef Oliver Burkhard nach Ottawa, um dort den größten Rüstungsauftrag in der Geschichte Kanadas entgegenzunehmen – zugleich der größte Auftrag in der Firmengeschichte von TKMS. Zwölf U-Boote sollen die Kieler gemeinsam mit ihrem norwegischen Partner Kongsberg Defence & Aerospace bauen. Premier Mark Carney erteilte der deutschen Werft den Zuschlag im Wert von mehr als 60 Milliarden kanadischen Dollar, umgerechnet rund 37 Milliarden Euro. TKMS setzte sich damit im monatelangen Wettbieten gegen den einzig verbliebenen Konkurrenten Hanwha Ocean aus Südkorea durch.

Auch geopolitisch zeigte sich TKMS zuletzt in einer vergleichsweise komfortablen Position. Im Zuge der chinesischen Gegensanktionen auf das 21. EU-Sanktionspaket gegen Russland stellte sich Ende Juli heraus, dass weder TKMS noch der Rüstungswert RENK auf den betroffenen Exportkontrolllisten Pekings auftauchen. Wettbewerber Rheinmetall dagegen wurde von China auf eine solche Liste gesetzt. An der Börse sorgte das für eine gespaltene Reaktion im Rüstungssektor: Rheinmetall gewann am 28. Juli 2,78 Prozent, RENK legte um 2,83 Prozent zu und Hensoldt kletterte um 1,71 Prozent. TKMS dagegen gab an jenem Tag um 1,08 Prozent auf 82,10 Euro nach – ein Kontrast, der die Aktie zumindest kurzfristig von der Sektor-Erholung abkoppelte.

Kurs zeigt sich robust vor dem Berichtstermin

Von diesem Rückschlag hat sich die Aktie inzwischen deutlich erholt. Aktuell notiert TKMS bei 90,10 Euro, nach einem Plus von 10,28 Prozent binnen einer Woche. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 36,10 Prozent zu Buche. Die Aktie hatte am 3. August die 20-Tage-Linie nach oben gekreuzt und befindet sich seit dem 31. Juli in einem automatisiert erfassten langfristigen Aufwärtstrend – ein technisches Signal, das die fundamentale Unsicherheit vor den Zahlen jedoch nicht auflöst.

Für Anleger bleibt die Gemengelage damit unübersichtlich: Ein prall gefülltes Auftragsbuch und geopolitische Vorteile gegenüber Wettbewerbern treffen auf eine historisch breite Kurszielspanne der Analysten. Der Berichtstermin am 12. August dürfte zeigen, welche der drei Einschätzungen der operativen Realität am nächsten kommt.

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