TKMS Aktie: 37 Milliarden Kanada-Auftrag bis Juni

Trotz historisch günstiger Auftragslage fällt der TKMS-Kurs. Entscheidungen über Milliardenprojekte in Kanada und Deutschland werden noch im Juni erwartet.

Die Kernpunkte:
  • Kanadisches U-Boot-Projekt im Juni
  • Bundestag stimmt über F127-Fregatten ab
  • Indien-Verhandlungen über U-Boote laufen
  • Jahresprognose angehoben, Auftragsbestand hoch

Zwei der bedeutendsten Aufträge der Unternehmensgeschichte stehen unmittelbar bevor – und die Aktie fällt. Am Freitag schloss TKMS bei 75,60 Euro, ein Minus von 1,82 Prozent an einem Tag. Über die Woche summiert sich der Verlust auf 11,48 Prozent.

Die Anleger reagieren nervös, obwohl sich die Auftragslage historisch günstig entwickelt. Gleich zwei Milliardenvergaben könnten noch im Juni entschieden werden.

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Kanada: Entscheidung bis Ende Juni

Der milliardenschwerste Brocken ist das kanadische U-Boot-Projekt. Zwölf konventionelle U-Boote sucht Ottawa – Auftragsvolumen: bis zu 37 Milliarden Euro. TKMS bewirbt sich mit der 212CD-Klasse, die speziell für arktische Einsätze ausgelegt ist.

Einziger verbliebener Konkurrent ist Hanwha Ocean aus Südkorea. Der Rivale macht in Kanada massiv Werbung, trat auf der Rüstungsmesse Cansec sogar als „Diamond Sponsor“ auf. Bundesverteidigungsminister Pistorius warb persönlich für das deutsche Angebot. Premierminister Carney kündigte eine Entscheidung noch im Juni an.

F127-Fregatte: Der Haushaltsausschuss entscheidet

Parallel dazu steht in Deutschland die zweite Großentscheidung an. Am 24. Juni stimmt der Haushaltsausschuss des Bundestags über das F127-Luftverteidigungsfregattenprogramm ab. Das beantragte Finanzvolumen: 26,2 Milliarden Euro.

TKMS gilt als einziger verbliebener Bieter. Der MEKO A-400-Entwurf ist der einzige nationale Schiffsentwurf, der ein Aegis-Flugabwehrsystem aufnehmen kann. Gebaut werden soll in einer Arbeitsgemeinschaft mit NVL. Die erste Fregatte könnte Mitte der 2030er Jahre in Dienst gehen.

Indien als dritte Front

Hinzu kommt ein weiteres internationales Verfahren. Das indische P75(I)-Programm umfasst sechs U-Boote im Wert von rund acht Milliarden Euro. TKMS verhandelt seit September 2025 offiziell mit dem indischen Staatskonzern Mazagon Dock Shipbuilders. Der letzte Konkurrent Navantia aus Spanien schied aus, weil er wesentliche Technologien nicht nachweisen konnte.

Operative Basis stimmt

Im ersten Quartal erzielte TKMS 545 Millionen Euro Umsatz bei einer bereinigten EBIT-Marge von 4,8 Prozent. Das Management hob die Jahresprognose an: Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent, die Marge soll über sechs Prozent steigen. Der Auftragsbestand liegt bei rund 20,6 Milliarden Euro.

Über 200 Millionen Euro fließen in den Standort Wismar, der zur Hybrid-Werft ausgebaut wird. Bis Ende 2029 sollen dort bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen.

Charttechnisch notiert die Aktie rund sieben Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 81,36 Euro. Der RSI von 41,7 signalisiert neutrales bis leicht schwaches Terrain – die Aktie ist nicht überverkauft.

Bis zur Kanada-Entscheidung und der Bundestagsabstimmung am 24. Juni bleibt der Kurs stark nachrichtengetrieben. Die nächste Bilanzvorlage folgt im August. Die entscheidenden Weichen werden jedoch in den kommenden Wochen gestellt.

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