TKMS Aktie: 4,23 Prozent Sprung auf 83,70 Euro
TKMS steht vor mehreren Großaufträgen: Kanada winkt ein U-Boot-Projekt, der Bundestag entscheidet über Fregatten. Die Aktie legte zu.

- Kanadischer U-Boot-Auftrag in Aussicht
- Bundestag berät über Fregattenbau
- TKMS investiert in Wismar-Ausbau
- Aktie steigt um über vier Prozent
Ein Ministerbesuch in Wismar, ein milliardenschwerer Fregattenauftrag kurz vor der Bewilligung und eine anstehende Entscheidung in Kanada: TKMS bekommt gleich mehrere politische Weichenstellungen auf einmal. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Kurssprung von 4,23 Prozent auf 83,70 Euro.
Klingbeil wirbt für Kanada-Kooperation
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil besuchte den TKMS-Standort Wismar. Dort warb er für einen möglichen U-Boot-Großauftrag aus Kanada. „Die ganze Bundesregierung wirbt dafür, dass es jetzt hier dann auch zu einer Kooperation mit Kanada kommt“, sagte der SPD-Politiker.
TKMS-Chef Oliver Burkhard zeigte sich zuversichtlich. „Wir glauben, dass wir da gute Chancen haben, den Zuschlag zu bekommen“, so Burkhard. Er nannte den möglichen Auftrag den größten seiner Art, der jemals bei einem NATO-Partner im Bereich konventioneller U-Boote vergeben wurde. Als Vorteil des deutschen Angebots führte er die Interoperabilität zwischen NATO-Partnern an.
Konkret geht es um den U-Boot-Typ 212CD. TKMS baut bereits jeweils sechs dieser Boote für Deutschland und Norwegen. Kommt der Kanada-Auftrag zustande, würden die neuen U-Boote sowohl in Kiel als auch in Wismar gefertigt.
Wismar wächst
Am Standort Wismar, seit Mitte 2022 Teil von TKMS, laufen bereits konkrete Ausbaupläne. Eine neue Fertigungslinie für U-Boot-Rümpfe kostet über 100 Millionen Euro und befindet sich derzeit in der Testphase. In drei Monaten soll die Anlage final geprüft sein, im September startet dann die Serienfertigung.
Parallel beginnt in Wismar der Bau des neuen deutschen Forschungseisbrechers „Polarstern“. Die Beschäftigtenzahl am Standort soll laut Klingbeil bis 2029 auf 1.700 steigen.
Fregattenprojekt vor Bundestagsvotum
Neben Kanada bewegt auch ein nationales Rüstungsprojekt die Aktie. Laut einem Bloomberg-Bericht stehen die zuständigen Bundestagsausschüsse kurz vor einer Entscheidung über einen Auftrag von 12 Milliarden Euro für bis zu acht Fregatten zur U-Boot-Jagd. Verteidigungs- und Haushaltsausschuss sollen dem Vertrag laut Abgeordneten in der kommenden Woche in nicht-öffentlichen Sitzungen zustimmen.
Ganz ohne Kritik läuft das Vorhaben allerdings nicht. Fachpolitiker bezweifeln, ob die geplanten MEKO-A-200-DEU-Schiffe für die spezialisierte U-Boot-Jagd in der strategisch wichtigen GIUK-Lücke wirklich geeignet sind.
Kanada als nächster Prüfstein
Der eigentliche Härtetest steht TKMS aber noch bevor. Kanada will in Kürze über sein U-Boot-Beschaffungsprogramm entscheiden. TKMS tritt dabei gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean an. Die Entscheidung fällt kurz vor dem NATO-Gipfel in Ankara.
Charttechnisch zeigt sich die Aktie robust. Der Kurs liegt mit 83,70 Euro über dem 50-Tage-Durchschnitt von 78,12 Euro und binnen sieben Tagen um 13,26 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn steht ein Gewinn von 20,87 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 102,90 Euro aus dem Januar fehlen aber noch 18,66 Prozent.
Ein RSI von 58,2 zeigt weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation an. Die annualisierte Volatilität von rund 74 Prozent auf 30-Tage-Basis verrät aber, wie stark die Aktie auf Nachrichten reagiert.
Die kommende Handelswoche bringt gleich drei Termine zusammen: die Kanada-Entscheidung, den NATO-Gipfel in Ankara und die Ausschussvoten zum Fregattenprojekt im Bundestag. Wie der Kurs auf diese Häufung reagiert, hängt davon ab, wie viele der drei Weichenstellungen tatsächlich zugunsten von TKMS ausfallen.
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