TKMS Aktie: 6,63 Milliarden für vier Fregatten

TKMS erhält 6,63 Milliarden Euro für den Bau von vier U-Jagd-Fregatten. Der Bundestag soll noch vor der Sommerpause zustimmen.

Die Kernpunkte:
  • Vier Fregatten für 6,63 Milliarden Euro
  • TKMS wird Generalunternehmer des Projekts
  • Kanada-Entscheidung über U-Boot-Auftrag steht bevor
  • Aktienkurs bleibt trotz Großauftrag verhalten

Vier neue Fregatten für 6,63 Milliarden Euro, ein Preis pro Schiff, der 70 Prozent über den ursprünglichen Schätzungen liegt. Das Bundesverteidigungsministerium will den Großauftrag noch vor der Sommerpause durch den Bundestag bringen. TKMS rückt damit als Generalunternehmer ins Zentrum eines der größten deutschen Rüstungsprojekte der letzten Jahre.

Vier Schiffe, ein Preis-Sprung

Das Ministerium bereitet aktuell die 25-Millionen-Euro-Vorlage für den Haushaltsausschuss vor. Damit soll der Bau von vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU starten, künftig als Klasse F128 bekannt. Pro Schiff kalkuliert das Ministerium mit rund 1,57 Milliarden Euro.

Eine Option auf vier weitere Einheiten im Wert von 5,3 Milliarden Euro liegt bereits auf dem Tisch. Über sie will die Politik bis Jahresende entscheiden. Die erste Fregatte soll im Dezember 2029 ausgeliefert werden, danach folgt alle neun Monate ein weiteres Schiff.

TKMS übernimmt die Generalunternehmerrolle, gebaut wird bei Stahlbau Nord. Der Fokus der Schiffe liegt auf U-Boot-Jagd: Atlas Elektronik liefert die Schleppsonare, Saab steuert Führungssystem und Radar bei.

Der Weg zum Auftrag führte über einen Abbruch

Der F128-Auftrag kommt nicht aus dem Nichts. Er folgt auf das Aus für das vorherige Fregattenprojekt F126. Der niederländische Schiffbauer Damen, der beim gescheiterten Bau von sechs Schiffen leer ausging, fordert dafür inzwischen Kompensationen.

Damen bezifferte die Kosten des ursprünglichen Projekts auf rund 18 Milliarden Euro. Die Bundesregierung setzt nun offenbar auf die günstigere, technologisch spezialisierte Lösung von TKMS. Für den Konzern bedeutet das mehr als nur einen Auftrag: Er festigt seine Rolle als nationaler Ankerbieter im Überwasserschiffbau, nachdem TKMS bei früheren Großprojekten öfter das Nachsehen hatte.

Kanada bringt die nächste Milliarden-Entscheidung

Während der F128-Auftrag national Fahrt aufnimmt, blickt der Markt auch nach Nordamerika. Kanada will am 7. Juli 2026 über sein U-Boot-Programm CPSP entscheiden – einen Tag vor dem NATO-Gipfel in Ankara. Das Volumen: bis zu 40 Milliarden Euro für zwölf U-Boote.

TKMS gilt neben dem südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean als einer von zwei verbliebenen Favoriten. Premierminister Carney soll den bevorzugten Partner benennen. Eine Aufteilung des Auftrags zwischen beiden Bietern gilt als unwahrscheinlich, die Kosten sprechen dagegen.

Gewinnt TKMS in Kanada, wäre das der größte Exportauftrag der Firmengeschichte. Die Kapazitäten der Werften wären damit für Jahrzehnte ausgelastet.

Kurs bewegt sich trotz guter Nachrichten kaum

Die TKMS-Aktie schloss am Mittwoch bei 76,70 Euro. Auf Wochensicht bewegte sich der Kurs mit minus 0,13 Prozent kaum. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 10,76 Prozent zu Buche, wenngleich der Titel gut 25 Prozent unter seinem Jahreshoch von 102,90 Euro aus dem Januar liegt.

Belastet wird die Stimmung für Rüstungswerte derzeit von der Absage des KNDS-Börsengangs. Der Konkurrent verschob sein IPO wegen „schwieriger Marktbedingungen“ – die Bewertung von rund 12 Milliarden Euro blieb deutlich unter den Erwartungen der Banken. Trotzdem stützt das geopolitische Umfeld die langfristige Perspektive: Der deutsche Verteidigungsetat steigt in diesem Jahr auf 108 Milliarden Euro, bis 2029 soll er 3,5 Prozent des BIP erreichen.

Zwei Termine entscheiden über den nächsten Schub

Die kommenden Tage könnten für TKMS gleich doppelt richtungsweisend werden. Der NATO-Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli dürfte mehr Klarheit über die künftigen Verteidigungsausgaben der Bündnispartner bringen. US-Nato-Botschafter Matthew Whitaker hat bereits einen deutlichen Kapazitätsausbau der Verbündeten in Aussicht gestellt.

Für TKMS zählt kurzfristig vor allem ein Termin: die Bestätigung des F128-Auftrags durch den Bundestag vor der Sommerpause. Sie gilt als der entscheidende Kurstreiber auf nationaler Ebene.

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