TKMS Aktie: 787-Millionen-Auftrag für Saab
TKMS-Chef Burkhard weist Bedenken zur Auftragsabwicklung zurück. Der Werftkonzern baut Kapazitäten aus, doch der Cashflow bleibt langfristig belastet.

- Auftragsbestand von rund 20 Milliarden Euro
- Kapazitätsausbau in Kiel und Wismar
- Saab erhält 787-Millionen-Euro-Auftrag
- Aktie 24 Prozent unter Jahreshoch
Ein Auftragsbestand von rund 20 Milliarden Euro, der sich bald verdoppeln könnte. Klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Doch Anleger fragen sich: Kann TKMS das überhaupt stemmen?
CEO Oliver Burkhard hat auf genau diese Frage reagiert. Im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wies er Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Werftkonzerns zurück. Seine Botschaft: Die Kapazitäten stimmen.
Burkhard verteidigt die Auftragsflut
Zwei Großprojekte treiben den Auftragsbestand aktuell nach oben. Zum einen der Status als bevorzugter Lieferant für das kanadische U-Boot-Programm CPSP. Zum anderen der neue Fregatten-Auftrag der Deutschen Marine.
„Natürlich schaffen wir das, sonst würden wir solche Aufträge doch gar nicht annehmen“, sagte Burkhard der FAZ. Er verwies auf den Ausbau der Standorte Kiel und Wismar. Allein für den kanadischen Auftrag entstehen dort bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze.
Ein Problem bleibt aber die Zeitachse. Die erste Auslieferung nach Kanada ist frühestens für 2033 geplant. Bis dahin fließt kein nennenswerter Cashflow aus diesem Projekt – der Kapitalmarkt muss lange auf Ergebnisse warten.
Saab liefert Waffensysteme für die neuen Fregatten
Am Freitag kam ein konkreter Fortschritt hinzu. Der schwedische Rüstungskonzern Saab erhielt von TKMS einen Auftrag über rund 787 Millionen Euro. Saab liefert als Unterauftragnehmer die Führungs- und Waffeneinsatzsysteme sowie Sensoren für vier neue Fregatten der Klasse 128.
Der Auftrag folgt auf die Entscheidung des Haushaltsausschusses vom 8. Juli. Der Bundestag hatte damals vier Fregatten bei TKMS bestellt, Gesamtvolumen: rund 6,3 Milliarden Euro. Das Projekt ersetzt das ursprüngliche F126-Vorhaben.
Der Saab-Vertrag enthält zudem Optionen für weitere Schiffe. Zieht die Bundesregierung die Option auf vier zusätzliche Einheiten, wächst das Volumen weiter. Die Auslieferung der Fregatten ist zwischen 2029 und 2032 geplant.
Kurs korrigiert nach starkem Anstieg
Die Aktie zeigt aktuell eine typische Sell-on-Good-News-Reaktion. Nach der Kanada-Nachricht war der Kurs Anfang Juli in Richtung 100 Euro geklettert. Mittlerweile hat sich der Titel deutlich davon entfernt und notiert 24 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 106,58 Euro.
Am Freitag schloss die Aktie bei 81,00 Euro, ein Plus von 0,75 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Gewinn von 22,36 Prozent zu Buche. Marktbeobachter machen dafür auch die Sorge um verlässliche politische Zusagen verantwortlich, nachdem das F126-Programm kurzfristig umgebaut wurde.
Indien-Entscheidung und Quartalszahlen im Blick
Fundamental bleibt die Pipeline gut gefüllt. Neben den laufenden Verhandlungen mit Kanada, die sich über die nächsten 18 Monate hinziehen dürften, steht eine weitere wichtige Entscheidung aus. Bei Indiens „Project 75-I“ gilt TKMS als einer der Favoriten für den Bau von sechs U-Booten. Die Vergabe erwartet das Unternehmen bis Ende 2026.
Am 13. August 2026 legt TKMS seinen Bericht zum dritten Quartal vor. Anleger erwarten dort konkretere Aussagen zur EBIT-Marge, die mittelfristig über 7 Prozent steigen soll. Ebenso wichtig: Details zur Finanzierung des Auftragsbestands, nachdem der Free Cashflow im ersten Halbjahr wegen hoher Vorleistungen ins Minus gerutscht war.
Eine mögliche staatliche Beteiligung durch die KfW bleibt dabei ein offener Punkt für die Bewertung des Unternehmens.
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