TKMS Aktie: Analysten sehen 40 Milliarden
Trotz Gewinnmitnahmen nach Kanada-Deal: Analysten prognostizieren TKMS-Auftragsbestand von über 40 Milliarden Euro.

- Kurssprung nach U-Boot-Großauftrag
- Gewinnmitnahmen drücken Aktie ins Minus
- Auftragsbestand könnte sich verdoppeln
- Umsatzwachstum bei sinkendem Nettogewinn
Erst ein Kurssprung Richtung 100 Euro, dann der Rückzug ins Minus – die TKMS-Aktie zeigte nach dem Kanada-Deal ein zweigesichtiges Bild. Wer nach dem Rekordauftrag nur Euphorie erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Gewinnmitnahmen dominierten den Nachmittagshandel, nachdem das Papier zuvor innerhalb einer Woche um ein Viertel zugelegt hatte.
Der Grund für die Nervosität liegt auf der Hand: Nach dem Zuschlag für bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD hat die Kieler Werft praktisch alle ausstehenden Großausschreibungen für sich entschieden. Was folgt, sind zähe Vertragsverhandlungen. Kanadas Premierminister Mark Carney rechnet mit sechs bis 18 Monaten, bis die Details stehen – Zeit, in der sich Anleger fragen dürften, wie belastbar die milliardenschweren Ankündigungen tatsächlich sind.
Auftragsbestand könnte deutlich wachsen
Deutsche-Bank-Analyst Sriram Krishnan sieht darin dennoch vor allem eines: Berechenbarkeit. Der aktuelle Auftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro – bereits ein Höchstwert – könnte durch den Kanada-Auftrag auf über 40 Milliarden Euro steigen. Damit wäre TKMS nach heutigem Stand bis weit in die 2040er Jahre ausgelastet.
Diese Einschätzung deckt sich mit dem Bild, das der Maschinenbauverband VDMA für die gesamte maritime Zulieferindustrie zeichnet. Die Branche steigerte ihre Umsätze 2025 um 5,2 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro, für das laufende Jahr wird ein weiteres Plus von vier Prozent erwartet. Der TKMS-Auftrag gilt dem Verband als Bestätigung dieses Trends, auch wenn die Zulieferer unabhängig vom konkreten Bauort profitieren.
Operatives Geschäft wächst, Gewinn sinkt
Die Halbjahreszahlen von TKMS selbst liefern das fundamentale Fundament hinter der Auftragsstory. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 legte der Umsatz um zehn Prozent auf 1,17 Milliarden Euro zu, das bereinigte operative Ergebnis stieg um 14 Prozent auf 60 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb mit 27 Millionen Euro allerdings ein Gewinnrückgang von 41 Prozent – die Folge gezielter Investitionen in Forschung, Entwicklung und Vertrieb.
Bundeskanzler Friedrich Merz sprach beim Nato-Gipfel in Ankara von einer „neuen Ära der Kooperation“ zwischen Deutschland, Kanada und Norwegen. Für TKMS bedeutet das vor allem: Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Umsetzung aber braucht Zeit. Die ersten U-Boote der neuen Klasse sollen 2033 an Norwegen und Deutschland gehen, Kanada könnte bei zügiger Umwidmung von Baukapazitäten bereits 2034 seine ersten Boote erhalten.
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