TKMS Aktie: Auftragsbestand springt auf 20,1 Milliarden
TKMS meldet Rekordauftragsbestand von 20,1 Mrd. Euro und hebt Prognose an. Die Partnerschaft mit Navantia und das Kanada-Projekt prägen die strategische Ausrichtung.

- Rekordauftragsbestand von 20,1 Mrd. Euro
- Umsatzprognose deutlich angehoben
- Strategische Partnerschaft mit Navantia
- Kanada-Projekt als größter Auftrag
Es gibt Momente, in denen ein einzelner Kooperationsvertrag mehr über eine Branche verrät als jede Quartalszahl. Für TKMS war das jener Tag vor zwei Wochen, an dem das Unternehmen gemeinsam mit dem spanischen Werftkonzern Navantia den Ausbau ihrer strategischen Partnerschaft im U-Boot-Sektor verkündete.
Ein gemeinsamer Kooperationsrahmen soll bis Jahresende stehen. Was nach Verwaltungsprosa klingt, ist in Wahrheit ein Signal: Europas Marinerüstung konsolidiert sich, und TKMS positioniert sich als einer der Knotenpunkte dieses Netzwerks.
Ein Auftragsbestand, der die Größenordnung wechselt
Die Zahlen, die das Unternehmen mit den Ergebnissen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 vorlegte, tragen diesen Anspruch. Der Umsatz stieg um 19 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT kletterte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro.
Bemerkenswerter noch ist der Auftragsbestand: Zum 30. Juni erreichte er einen Rekordwert von 20,1 Milliarden Euro. Das ist keine Zahl, die man mit einem einzelnen Großauftrag erklärt – sie ist das Ergebnis einer ganzen Serie von Programmen, die sich über Kontinente verteilen.
Die Geschäftsführung hat daraus Konsequenzen gezogen und die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr auf ein Plus von 10 bis 12 Prozent angehoben, deutlich über der ursprünglichen Spanne von 2 bis 5 Prozent. Getragen wird das vor allem von der Nachfrage in den Sparten Submarines und Atlas Elektronik.
Im dritten Quartal, das die Monate April bis Juni umfasste, erwirtschaftete TKMS einen Umsatz von 722 Millionen Euro bei einem bereinigten EBIT von 49 Millionen Euro – eine Marge von 6,8 Prozent, die die Konsensschätzungen der Analysten übertraf.
Kanada als Blaupause für ein größeres Muster
Im Juli hatte die kanadische Regierung TKMS bereits zum bevorzugten Bieter für das Canadian Patrol Submarine Project ernannt und sich damit gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha entschieden. Es wäre der größte Auftrag der Unternehmensgeschichte.
Vor gut einer Woche traf sich Konzernchef Oliver Burkhard in Ottawa mit Vertretern kanadischer Partnerunternehmen, um die nächste Verhandlungsphase für die Lieferung neuer U-Boote bis 2034 zu koordinieren. Aus einem Vorzugsstatus wird noch kein unterschriebener Vertrag – aber die Richtung ist gesetzt.
Genau hier schließt sich der Kreis zur Partnerschaft mit Navantia. Wer als Werft komplexe, jahrzehntelange Beschaffungsprogramme wie das kanadische stemmen will, braucht Allianzen, die Kapazitäten bündeln und politische Akzeptanz in mehreren Ländern gleichzeitig schaffen.
Die Frage, die sich für Anleger stellt, ist nicht, ob TKMS liefern kann, sondern ob das Unternehmen genug Partner findet, um die schiere Menge an Nachfrage zu bewältigen, die derzeit auf europäische und nordamerikanische Marinen zukommt.
Der Markt hat die Euphorie bereits eingepreist
Dass diese Wachstumsgeschichte am Kapitalmarkt nicht spurlos vorbeigeht, zeigte sich zuletzt am 13. August, als Bernstein Research die Aktie von „Market-Perform“ auf „Outperform“ hochstufte und das Kursziel von 76 auf 125 Euro anhob – begründet mit starken Margen und dem Potenzial neuer Großaufträge. Am selben Tag bestätigte die Deutsche Bank ihr „Buy“-Rating unmittelbar nach den Neunmonatszahlen.
Seither hat die Aktie einen Teil ihrer Rallye wieder abgegeben, zuletzt fiel sie im XETRA-Handel um 1,8 Prozent auf 91,30 Euro, offenbar getrieben von Gewinnmitnahmen nach dem starken Lauf. Solche Rücksetzer sind bei einem Wert, der binnen weniger Wochen von Rekordauftragsbestand zu Rekordauftragsbestand eilt, keine Überraschung.
Bleibt die eigentliche Frage der kommenden Monate: Wie viele der milliardenschweren Programme – Kanada, die vertiefte Navantia-Kooperation, die laufenden Aufträge in Submarines und Atlas Elektronik – schafft es TKMS, parallel abzuarbeiten, ohne dass Lieferzeiten oder Margen leiden? Eine Antwort darauf dürfte spätestens die für den 7. Dezember erwartete Vorlage der Jahreszahlen für 2025/26 liefern.
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