TKMS Aktie: Beinahe-Deal mit Trump-Nähe

Ein US-Investor mit Verbindungen zu Donald Trump stand kurz vor dem Einstieg bei TKMS. Das Kanzleramt stoppte den Deal während der Kanada-Entscheidung.

Die Kernpunkte:
  • US-Investor mit Trump-Nähe kurz vor Einstieg
  • Bundeskanzleramt stoppte den Deal
  • Kanada-Auftrag über 62 Milliarden Euro
  • Aktie notiert 24 Prozent unter Rekordhoch

Fast wäre es zu einem brisanten Kontrollwechsel gekommen. Ein US-Investor mit Verbindungen zu Präsident Donald Trump stand kurz davor, bei TKMS einzusteigen. Das Bundeskanzleramt hätte den Deal beinahe zugelassen — just zu dem Zeitpunkt, als Kanada über einen milliardenschweren U-Boot-Auftrag entschied.

Das berichtet das Handelsblatt. Die Aktie des Rüstungskonzerns reagierte am Freitag verhalten: Sie schloss bei 81,00 Euro, ein Plus von 0,37 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Anstieg von gut zehn Prozent zu Buche.

Der Kanada-Auftrag als Auslöser

Anfang Juli hatte TKMS einen Riesenauftrag an Land gezogen. Kanada bestellte bei der Thyssenkrupp-Tochter bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD. Über den gesamten Lebenszyklus, inklusive Wartung und Betrieb, taxieren Schätzungen das Volumen auf bis zu 100 Milliarden kanadische Dollar. Umgerechnet sind das rund 62 Milliarden Euro.

Die Order aus Ottawa löste Jubel aus. Bei der Bundesregierung, bei Landesregierungen, beim Unternehmen selbst. Der aktuelle Bericht wirft nun ein anderes Licht auf die Vorgeschichte.

Wäre der US-Einstieg zustande gekommen, hätte dies laut dem Bericht der US-Regierung potenziell Einfluss auf den deutschen U-Boot-Bauer verschafft. Und das ausgerechnet in der Phase, in der Kanada über die Auftragsvergabe entschied.

Ein bekanntes Muster

Ganz neu ist das Thema nicht. Bereits in der Vergangenheit zeigte der US-Finanzinvestor Carlyle Interesse an einer Beteiligung bei TKMS. Damals scheiterte der Verkaufsprozess an sicherheitspolitischen Bedenken der Bundesregierung.

Der aktuelle Bericht legt nahe: Die Frage eines möglichen US-Einstiegs spielte offenbar auch im Vorfeld des Kanada-Auftrags erneut eine Rolle. Am Ende positionierte sich die Bundesregierung dagegen.

Werft-Deal abgeblasen, Analysten zurückhaltend

Die Meldung reiht sich in eine Serie strategischer Entscheidungen ein. Erst vergangene Woche zog TKMS sein Angebot für die Kieler Nachbarwerft German Naval Yards zurück. CEO Oliver Burkhard begründete das so: Der Erwerb wäre eine schöne Option gewesen, aber kein Muss. Nach der Prüfung sehe man derzeit keine Notwendigkeit für eine Übernahme.

Auch Analysten bleiben zurückhaltend. Bernstein Research beließ die Einstufung für TKMS bei „Market-Perform“, das Kursziel liegt bei 76 Euro — unter dem aktuellen Kurs von 81 Euro.

Die Aktie notiert damit rund 24 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 106,58 Euro aus dem Oktober 2025. Zugleich liegt sie deutlich über dem Jahrestief von 56,75 Euro vom November desselben Jahres. Die Schwankungsbreite zeigt: Der Markt bewertet TKMS derzeit als Konzern mit erheblichem geopolitischem Risiko und ebenso großer Chance.

Der Fall wirft ein grundsätzliches Problem auf. Wie hält Deutschland die Kontrolle über strategisch wichtige Rüstungstechnologie, wenn ausländisches Kapital lockt? Bei TKMS dürfte diese Frage angesichts des Rekordauftragsbestands und der wachsenden geopolitischen Bedeutung nicht zum letzten Mal gestellt werden.

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