TKMS Aktie: Drakon an Israel übergeben

TKMS übergibt U-Boot Drakon an Israel und blickt auf Großaufträge aus Kanada und Deutschland. Analysten uneins vor Quartalszahlen.

Die Kernpunkte:
  • Drakon-Übergabe ohne öffentliche Zeremonie
  • Kanada-Auftrag größter in Firmengeschichte
  • Bundestag genehmigt MEKO-Fregatten-Beschaffung
  • Analysten streiten über Kursziele

Israelische Medien berichteten am Donnerstag, dass TKMS der israelischen Marine mit der „Drakon“ ihr bislang größtes U-Boot übergeben hat. Die Übergabe fand bereits am 22. Juli in Kiel statt, allerdings ohne öffentliche Zeremonie. Für den Kieler Marinekonzern markiert das Boot das Ende der Dolphin-Beschaffung und gilt zugleich als technologische Brücke zur kommenden Dakar-Klasse.

Dolphin-Ära endet, Blick richtet sich auf Dakar

Mit der „Drakon“ schließt TKMS ein Kapitel ab, das die U-Boot-Partnerschaft mit Israel über Jahre geprägt hat. Der leise Übergabemodus dürfte auch mit der politischen Sensibilität des Geschäfts zusammenhängen: In Israel beschäftigt der U-Boot-Deal mit TKMS seit Jahren eine richterliche Untersuchungskommission. Sie wirft dem früheren Ministerpräsidenten Netanjahu vor, sicherheitspolitische Vorgaben bei der Auftragsvergabe missachtet zu haben. Erste Zeugenanhörungen sind für November und Dezember angesetzt, das Verfahren bleibt damit ein Dauerthema im Hintergrund der Geschäftsbeziehung.

Analysten uneins vor der Bilanz am 12. August

Vor der Vorlage der Zahlen zum dritten Geschäftsquartal am 12. August fallen die Einschätzungen zu TKMS deutlich unterschiedlich aus. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Kursziel liegen mittlerweile 59 Euro. Bernstein Research positionierte sich am 22. Juli mit „Market-Perform“ und einem Kursziel von 76 Euro als vorsichtigster Stimme im Feld. Die Analysten halten die Umsatzvorgabe für 2026 für zurückhaltend formuliert, rechnen bei der operativen Marge aber mit rund 7 statt der vom Unternehmen angepeilten mehr als 6 Prozent. Am oberen Ende der Bandbreite sehen andere Häuser Kursziele bis zu 135 Euro und begründen das mit der außergewöhnlichen Planungssicherheit aus dem prall gefüllten Auftragsbuch, den jüngsten Kursrückgang halten sie für nicht gerechtfertigt.

Auftragslage bleibt der zentrale Wachstumstreiber

Die Bewertungsspanne der Analysten spiegelt vor allem eine ungewöhnlich dichte Newsflow-Phase wider. Anfang Juli entschied sich Kanada für TKMS als bevorzugten Lieferanten für bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD und setzte sich damit gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean durch – für TKMS der größte U-Boot-Auftrag der Unternehmensgeschichte, der den bestehenden Auftragsbestand nach eigenen Angaben um mehr als 50 Prozent steigern würde. Unterschrieben ist der Vertrag noch nicht, Kanada will zunächst exklusive Verhandlungen aufnehmen, die sich über Monate ziehen könnten.

Kurz darauf genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestags die Beschaffung von vier MEKO A-200 DEU-Fregatten plus Option auf weitere Schiffe – der größte Überwasserschiff-Auftrag in der Geschichte von TKMS. Das erste Schiff soll bereits 2029 an die Deutsche Marine geliefert werden, der Beschaffungspreis für die ersten vier Kampfschiffe liegt bei rund 6,3 Milliarden Euro, für vier weitere Schiffe kommen rund 5,3 Milliarden Euro hinzu.

Nicht jede Wachstumsspur führte zum Erfolg: TKMS zog sein nicht-bindendes Übernahmeangebot für die Kieler Werft German Naval Yards Kiel zurück, wie ein TKMS-Sprecher einem Handelsblatt-Bericht zufolge bestätigte. Mit dem französischen Eigentümer CMN Naval konnte sich der Konzern nach intensiven Gesprächen nicht auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einigen – Rheinmetall bleibt damit alleiniger Bieter für die Werft. Parallel dazu vertieft TKMS seine Partnerschaft mit der spanischen Staatswerft Navantia: Beide Unternehmen unterzeichneten eine zweite Absichtserklärung, bis Ende 2026 soll ein verbindlicher Kooperationsrahmen für ausgewählte U-Boot-Projekte stehen. Eine Fusion oder ein wechselseitiger Anteilserwerb ist laut TKMS-Chef Oliver Burkhard nicht vorgesehen – die Kooperation solle die technologische Führungsrolle und Designhoheit des Unternehmens wahren.

Kursreaktion vor der Bilanz

Die Aktie schloss am Freitag bei 88,20 Euro und büßte auf Tagessicht 2,11 Prozent ein. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 7,96 Prozent, die Anleger honorierten damit den dichten Nachrichtenfluss der vergangenen Tage, bevor der jüngste Rücksetzer zum Wochenschluss einen Teil der Gewinne wieder auffraß. Mit Blick auf die Bilanz am 12. August dürfte sich zeigen, ob das prall gefüllte Auftragsbuch aus Kanada, Deutschland und Israel bereits in belastbaren Zahlen ankommt oder ob die Vorsicht einzelner Analysten berechtigt war.

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