TKMS Aktie: F127-Kosten steigen auf über 40 Milliarden

Teurere F127-Fregatten belasten die Stimmung bei TKMS, während höhere Prognosen, starke Quartalszahlen und ein großer Auftragsbestand stützen.

Die Kernpunkte:
  • F127-Schiffe kosten nun über 40 Milliarden Euro
  • Verbindliches TKMS-Angebot steht weiterhin aus
  • Quartalsumsatz übertrifft Konsens deutlich
  • Jahresziele und Auftragspolster wurden angehoben

Die geplanten F127-Fregatten für die Bundeswehr werden deutlich teurer als ursprünglich veranschlagt. Laut Bericht des Spiegel ist die Kostenschätzung für die acht Schiffe auf über 40 Milliarden Euro gestiegen – gegenüber ursprünglich rund 26 Milliarden Euro. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte zugleich, von TKMS noch kein verbindliches Angebot erhalten zu haben.

Für Anleger ist das ein Dämpfer bei einem Programm, das als eines der größten künftigen Wachstumstreiber für TKMS gilt. Erste Auslieferungen der F127-Klasse werden ohnehin erst Mitte der 2030er Jahre erwartet, sofern der Auftrag zeitnah erteilt wird. Die deutliche Kostensteigerung nährt Zweifel, ob und wann eine feste Bestellung erfolgt – und wirft ein Schlaglicht auf die Risiken solcher Großprojekte im Marineschiffbau.

Kurs unter Druck, Sektor insgesamt schwach

Der Aktienkurs spiegelt die Verunsicherung wider. Am Freitag schloss das Papier bei 83,30 Euro, ein Minus von 0,5 Prozent auf Tagesbasis. Über sieben Handelstage summiert sich der Rückgang auf 7,6 Prozent. Damit liegt die Aktie mittlerweile 23 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro, das im August markiert wurde.

Der Abwärtsdruck betrifft nicht nur TKMS: Anfang September gerieten auch Rheinmetall, RENK und Hensoldt unter Verkaufsdruck – ein Zeichen für eine breitere Verunsicherung im Rüstungssektor, die über einzelne Unternehmensmeldungen hinausgeht.

Operatives Geschäft bleibt robust

Die fundamentale Lage bei TKMS selbst zeichnet ein anderes Bild als der Kursverlauf. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 (April bis Juni) erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 722 Millionen Euro und übertraf damit den Konsens von 622 Millionen Euro deutlich. Das bereinigte EBIT lag bei 49 Millionen Euro, entsprechend einer Marge von 6,8 Prozent.

Auf Basis dieser Zahlen hob TKMS die Jahresprognose an: Die EBIT-Marge soll nun bis zu 6,5 Prozent erreichen, zuvor war von über 6 Prozent die Rede. Beim Umsatzwachstum rechnet das Unternehmen mit 10 bis 12 Prozent statt der bisher angepeilten 2 bis 5 Prozent.

Auch der Auftragsbestand untermauert das Wachstumsnarrativ: Nach neun Monaten des Geschäftsjahres stand er bei 20,1 Milliarden Euro, inklusive eines nach Bilanzstichtag hinzugekommenen Auftrags über vier MEKO A-200 DEU-Fregatten im Volumen von 6,3 Milliarden Euro liegt die Summe bereits über 25 Milliarden Euro. Hinzu kommt die Position als bevorzugter Bieter für das kanadische U-Boot-Programm mit bis zu zwölf Booten und einem Projektvolumen von mehr als 15 Milliarden Euro.

Auseinanderklaffende Signale

Die Diskrepanz zwischen starken operativen Zahlen und schwächelndem Kurs wirft Fragen auf. Während das Unternehmen Umsatz und Margenziele nach oben korrigiert, drücken politische und budgetäre Unsicherheiten rund um Großprojekte wie die F127-Fregatte auf die Stimmung. Der 14-Tage-RSI von 39,6 signalisiert eine eher überverkaufte Lage, die Volatilität bleibt mit 52 Prozent auf Jahresbasis hoch.

Anleger müssen abwägen, ob die politische Unsicherheit um einzelne Großaufträge das solide Kerngeschäft mit gesichertem Auftragsbestand langfristig überschatten kann – oder ob sich die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursschwäche mittelfristig wieder schließt.

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