TKMS Aktie: Kanada-Ausschreibung über 30 Milliarden Euro

Bundesverteidigungsminister Pistorius wirbt für TKMS in Kanada. Der Milliardenauftrag könnte die internationale Position des Werftenkonzerns stärken.

Die Kernpunkte:
  • Pistorius unterstützt U-Boot-Projekt in Kanada
  • Auftragsbestand von TKMS bei 20,6 Milliarden Euro
  • Atlas Elektronik als Wachstumstreiber mit hoher Marge
  • Kanadische Bieterauswahl in erster Jahreshälfte erwartet

TKMS bekommt politischen Rückenwind zur richtigen Zeit. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius wirbt in Kanada offensiv für ein U-Boot-Projekt, das für den Marineschiffbauer zum nächsten Großauftrag werden könnte. Der Markt liest den Auftritt als Signal: Hier geht es nicht nur um Werftkapazitäten, sondern um strategische Industriepolitik.

Kanada könnte zur Schlüsselentscheidung werden

Kanada will seine Marineflotte modernisieren und plant die Beschaffung von bis zu zwölf neuen U-Booten. Das Canadian Patrol Submarine Project könnte ein Volumen von bis zu 30 Milliarden Euro erreichen. TKMS gilt als einer der aussichtsreichen Bieter.

Der politische Vorstoß aus Berlin erhöht nicht automatisch die Zuschlagschancen. Er zeigt aber, wie wichtig der Auftrag für Deutschland und für TKMS wäre. Bei Rüstungsprojekten dieser Größenordnung zählen Technik, Preis und Lieferfähigkeit — politische Rückendeckung spielt aber ebenfalls eine Rolle.

Am Freitag notiert die Aktie bei 85,00 Euro, ein Tagesminus von 2,41 Prozent; auf Wochensicht bleibt sie 8,70 Prozent im Plus. Seit Jahresanfang steht ein Gewinn von 22,74 Prozent, der Kurs liegt aber noch 15,51 Prozent unter dem jüngsten Hoch.

Rekordbestand stützt die Story

TKMS geht nicht aus einer schwachen Position in den kanadischen Wettbewerb. Ende März lag der Auftragsbestand bei rund 20,6 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres kamen Aufträge von 3,4 Milliarden Euro herein, der Umsatz erreichte 1,2 Milliarden Euro.

Das bereinigte EBIT lag bei 60 Millionen Euro. Daraus ergibt sich eine Marge von 5,1 Prozent. Für einen Marineschiffbauer ist das solide, aber der eigentliche Bewertungshebel liegt an anderer Stelle.

Atlas Elektronik entwickelt sich zum stärkeren Wachstumstreiber. Der Auftragseingang der Sparte kletterte auf 1,8 Milliarden Euro, fast das Zwölffache des Vorjahreswerts. Die EBIT-Marge erreichte dort 10,9 Prozent.

Das ist wichtig, weil Elektronik und Software meist höher bewertet werden als klassisches Werftgeschäft. Genau hier versucht TKMS, sein Profil zu schärfen. Belastend bleibt der Kapitalbedarf im Schiffbau: Der Free Cashflow des Werftgeschäfts lag zuletzt bei minus 72 Millionen Euro, wurde aber durch das Dienstleistungsgeschäft abgefedert.

Mehr als nur Kanada

Für das Geschäftsjahr 2025/26 peilt TKMS ein Umsatzwachstum von rund zehn Prozent an. Die operative Marge soll perspektivisch über sieben Prozent steigen. Das Management setzt damit auf Skaleneffekte aus dem hohen Auftragsbestand und einen größeren Anteil margenstärkerer Systeme.

Mittelfristig strebt TKMS einen freien Cashflow von mehr als 400 Millionen Euro auf rollierender Dreijahresbasis an. Bei ausreichender Cashflow-Deckung ist eine jährliche Dividende von 30 bis 50 Prozent des Nettogewinns vorgesehen.

Neben Kanada stehen weitere Programme im Raum. In Indien geht es um P-75I mit sechs plus drei U-Booten. In Deutschland werden noch im laufenden Jahr Entscheidungen zu weiteren Fregattenprogrammen wie F127 erwartet.

Die nächste Wegmarke bleibt die kanadische Bieterauswahl in der ersten Jahreshälfte. Ein Zuschlag würde die internationale Position von TKMS deutlich stärken; ohne Kanada trägt zunächst der bestehende Auftragsbestand die Wachstumsgeschichte weiter.

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