TKMS Aktie: Kanada-U-Boot-Auftrag über 20 Milliarden
TKMS wird bevorzugter Anbieter für kanadische U-Boote im Wert von 20 Milliarden Euro. Analysten bewerten die Aktie uneinheitlich vor den Quartalszahlen im August.

- Kanada bevorzugt TKMS als U-Boot-Lieferant
- Projektvolumen von rund 20 Milliarden Euro
- Rekordauftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro
- Analysten uneins über Aktienbewertung
Für den Kieler Marineschiffbauer TKMS überschlagen sich die Nachrichten. Am Samstag wurde bekannt, dass das kanadische Verteidigungsministerium das Unternehmen als bevorzugten Anbieter für sein U-Boot-Programm ausgewählt hat. Zwölf konventionell angetriebene Einheiten sollen im Rahmen des Canadian Patrol Submarine Project geliefert werden, das geschätzte Projektvolumen liegt bei rund 20 Milliarden Euro. Es wäre der größte Einzelauftrag der Unternehmensgeschichte.
Kanada als Wachstumstreiber, Navantia als Partner
Die Auswahl als „preferred supplier“ bedeutet noch keinen unterschriebenen Vertrag, gilt in der Rüstungsbranche aber als entscheidender Schritt vor der finalen Vergabe. Bereits am Freitag hatte TKMS gemeinsam mit dem spanischen Partner Navantia eine zweite Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist ein gemeinsamer Rahmen für U-Boot- und Überwasserschiffprojekte, der bis Ende 2026 stehen soll – eine Struktur, die auch für das kanadische Programm relevant sein dürfte, da Navantia bei mehreren internationalen Ausschreibungen als Kooperationspartner auftritt.
Während im Ausland die Auftragsbücher wachsen, zog sich TKMS am Dienstag aus einem anderen Vorhaben zurück: Das unverbindliche Übernahmeangebot für die Kieler Nachbarwerft German Naval Yards Kiel wurde nach ergebnislosen Verhandlungen über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fallengelassen. Konkurrent Rheinmetall bleibt damit als verbleibender Bieter im Prozess um die Werft. Die Entscheidung zeigt, dass TKMS seine Kapazitäten offenbar lieber auf internationale Großprojekte als auf eine heimische Konsolidierung lenkt.
Rekordauftragsbestand trifft auf heimische Rüstungsvorhaben
Auch ohne den kanadischen Zuschlag war die Auftragslage zuletzt komfortabel. Zu den Halbjahreszahlen 2025/26 zum Stichtag 31. März hatte TKMS einen Rekord-Auftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro gemeldet, bei einem Umsatz von 1,168 Milliarden Euro und einem bereinigten EBIT von 60 Millionen Euro. Ergänzt wird dieses Fundament durch heimische Rüstungsvorhaben: Am 9. Juli billigte der Haushaltsausschuss des Bundestages die Beschaffung von vier Fregatten der Klasse 128 (MEKO A-200 DEU), ein Projekt im Volumen von rund 6,3 Milliarden Euro, bei dem TKMS als Hauptauftragnehmer fungiert und zudem eine Option auf weitere Einheiten hält.
Personell hat sich der Vorstand im Mai verstärkt: Dr. Andreas Görgen übernahm die neu geschaffene Position des Chief Operations Officer.
Analysten uneins vor den Quartalszahlen
Die Einschätzungen der Analysten zur Aktie gehen aktuell auseinander. Sriram Krishnan von der Deutschen Bank Research bestätigte am Freitag seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 110,00 Euro, ausdrücklich vor der anstehenden Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal im August. Bernstein Research positionierte sich am Mittwoch dagegen zurückhaltender und stufte das Papier mit „Market-Perform“ ein.
An der Börse spiegelt sich diese Unsicherheit im Kursverlauf wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 81,00 Euro, nachdem sie in den vergangenen 30 Tagen um 4,59 Prozent nachgegeben hatte. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 22,36 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass der grundsätzliche Aufwärtstrend trotz der jüngsten Konsolidierung intakt bleibt. Für Anleger dürfte nun entscheidend sein, ob aus der kanadischen Vorauswahl in den kommenden Monaten ein verbindlicher Vertrag wird und wie sich die wachsende Auftragsflut in den Quartalszahlen im August niederschlägt.
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