TKMS Aktie: Kanada wählt Kieler Werft im Juli

TKMS sichert sich Kanadas U-Boot-Vorzug und startet Fregattenbau für die Bundeswehr. Langfristige Umsatzperspektiven festigen sich.

Die Kernpunkte:
  • Kanada bevorzugt TKMS bei U-Booten
  • Fregattenbau für Bundeswehr gestartet
  • Auftragswert von 6,3 Milliarden Euro
  • Aktie legt seit Jahresbeginn deutlich zu

TKMS sammelt binnen weniger Wochen zwei strategische Erfolge ein, die dem Rüstungskonzern langfristig Umsatzsicherheit verschaffen. Kanada hat den Kieler Werftkonzern im Juli als bevorzugten Lieferanten für sein neues U-Boot-Programm ausgewählt, während in Deutschland der Bau einer neuen Fregattenklasse für die Marine bereits läuft. Beide Vorhaben zusammen zeigen, wie stark TKMS derzeit von der weltweiten Aufrüstung profitiert.

Kanada entscheidet sich für TKMS

Kanada hat TKMS im Rahmen des Canadian Patrol Submarine Project (CPSP) den Vorzug gegeben und damit den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean ausgestochen. Die südkoreanische Zeitung JoongAng Ilbo bezifferte den Auftragswert mit rund 60 Billionen Won. Im Umfeld des Projekts setzen TKMS und der kanadische Partner GH Power ihre Zusammenarbeit im Bereich sauberer Energie fort, wie aus einer gemeinsamen Mitteilung hervorgeht. Die Vereinbarung ist bislang nicht bindend, GH Power könnte im Rahmen der industriellen und technologischen Gegengeschäfte des Programms Fördermittel erhalten. Das Unternehmen plant zudem einen Börsengang über den Umweg der an der NYSE American notierten Matinas BioPharma, wobei die bisherigen GH-Power-Aktionäre rund 91 Prozent an der fusionierten Gesellschaft halten sollen.

Für TKMS ist die kanadische Vorentscheidung ein bedeutender strategischer Fortschritt, auch wenn der endgültige Vertragsabschluss noch aussteht. Die U-Boot-Sparte gilt als Kerngeschäft des Unternehmens, und ein Großauftrag aus Nordamerika würde die internationale Positionierung neben den europäischen Heimatmärkten deutlich stärken.

Bundeswehr bestellt neue Fregatten

Parallel dazu läuft in Bremerhaven bereits die Fertigung der neuen MEKO-A-200-Fregatten für die deutsche Marine. Der Bau begann im Februar, die Kiellegung erfolgte im Mai, die Übergabe des ersten Schiffs ist für Dezember 2029 vorgesehen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags bewilligte am 8. Juli 6,3 Milliarden Euro für die ersten vier Einheiten, eine Option für vier weitere Schiffe besteht. Die Beschaffung wurde per Erlass beschleunigt.

Die neue Klasse soll die entstandene Fähigkeitslücke bei der U-Boot-Jagd schließen, nachdem das ursprünglich geplante F126-Projekt Ende Juni endgültig eingestellt wurde. Jede Fregatte ist 121 Meter lang, verdrängt rund 4.000 Tonnen und wird mit 121 Mann Besatzung fahren. Zur Ausstattung zählen Bug- und Schleppsonar, MU90-Torpedos, Bordhubschrauber vom Typ Sea Tiger sowie vertikale Startsysteme für See- und Landzielflugkörper. Für Anleger bedeutet das einen mehrjährigen, staatlich gesicherten Auftragsbestand, der die Umsatzbasis von TKMS über das Ende des Jahrzehnts hinaus absichert.

Kursentwicklung spiegelt Nachrichtenlage

Die Aktie von TKMS schloss am Freitag bei 82,00 Euro und legte im Tagesverlauf um 1,49 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von 23,87 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie stark die Rüstungsauftragslage das Papier bislang getragen hat. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 106,58 Euro, erreicht am 20. Oktober vergangenen Jahres, fehlen dem Kurs allerdings noch gut 23 Prozent, was zeigt, dass die jüngste Kurserholung von deutlich tieferen Niveaus ausging.

Mit einer Marktkapitalisierung von 5,19 Milliarden Euro bleibt TKMS im europäischen Rüstungssektor ein Wert mit hoher Schwankungsbreite – die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei über 78 Prozent. Die Kombination aus dem in Aussicht stehenden Kanada-Geschäft und dem bereits laufenden Fregattenprogramm dürfte die Nachrichtenlage rund um TKMS in den kommenden Monaten weiter prägen, insbesondere sobald aus Ottawa konkretere Vertragsdetails folgen.

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