TKMS Aktie: Kanada wählt Preferred Supplier

TKMS erhält den Status als Wunschlieferant für kanadische U-Boote. Analysten bewerten die Margenrisiken des Milliardenprojekts unterschiedlich.

Die Kernpunkte:
  • Kanada wählt TKMS als Wunschlieferant
  • Auftragsvolumen von rund 100 Milliarden Dollar
  • Aktie trotz Rücksetzer im Plus
  • Analysten uneins über Margenentwicklung

Die kanadische Regierung hat TKMS Anfang Juli als „Preferred Supplier“ für das „Canadian Patrol Submarine Project“ ausgewählt. Damit rückt der Kieler Marineschiffbauer einem Milliardenauftrag zur Lieferung von bis zu zwölf U-Booten der Klasse 212CD einen entscheidenden Schritt näher. Das Gesamtvolumen inklusive Lebenszykluskosten wird auf rund 100 Milliarden kanadische Dollar geschätzt, wie ZDFheute berichtete. Für einen Konzern mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 5,45 Milliarden Euro markiert dieser potenzielle Zuschlag eine Dimension, die das bisherige Auftragsvolumen deutlich übersteigt.

Burkhard ordnet Kursrückgang ein

Trotz der positiven Nachrichtenlage stand die TKMS-Aktie zuletzt unter Druck. Vorstandschef Oliver Burkhard führte den Rückgang von rund 93 Euro auf unter 80 Euro seit Anfang Juli im Gespräch mit der FAZ auf den überraschenden Abbruch des Fregattenprojekts F126 durch das Bundesverteidigungsministerium zurück. Zugleich wies er Sorgen zurück, wonach der auf rund 40 Milliarden Euro angewachsene Auftragsbestand zu einer operativen Überlastung des Unternehmens führen könnte. Am Freitag schloss die Aktie bei 81,00 Euro und legte damit auf Tagessicht um 0,75 Prozent zu. Sie notiert damit gut drei Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 78,45 Euro, bleibt aber rund ein Viertel unter dem im Oktober 2025 erreichten 52-Wochen-Hoch von 106,58 Euro entfernt. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 22,36 Prozent zu Buche.

Auftragsbücher füllen sich weiter

Der Kanada-Deal reiht sich in eine Serie weiterer Großprojekte ein. Burkhard stellte zudem den Abschluss eines Auftrags aus Indien über sechs U-Boote im Rahmen des Projekts 75I mit einem Volumen von rund acht Milliarden Euro bis Ende 2026 in Aussicht, wie Reuters berichtete. Parallel dazu unterzeichnete der schwedische Rüstungskonzern Saab einen Zuliefervertrag mit TKMS über 787 Millionen Euro. Saab soll zwischen 2029 und 2032 vier neue Fregatten der Klasse 128 vom Typ MEKO A-200 DEU mit Führungs- und Waffeneinsatzsystemen ausstatten. Der Bundestag hatte die Beschaffung dieser vier Fregatten samt Optionen mit TKMS als Hauptauftragnehmer bereits Anfang Juli über den Haushaltsausschuss genehmigt.

Die operative Basis für diese Wachstumsdynamik zeigte sich bereits in den Halbjahreszahlen 2025/26: Zum Stichtag 31. März 2026 meldete TKMS einen Rekord-Auftragsbestand von 18,2 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT stieg auf 131 Millionen Euro. Seither hat allein die Aussicht auf die Kanada- und Indien-Aufträge sowie die Fregattenbestellung den potenziellen Auftragsbestand nach Burkhards Angaben auf rund 40 Milliarden Euro anschwellen lassen. Ergänzend hatte TKMS bereits im Januar 2026 Interesse an einer Übernahme der Kieler Werft German Naval Yards Kiel bekundet, um Kapazitäten im Überwasserschiffbau auszubauen.

Analysten uneins über Margenrisiken

Die Einschätzungen der Analysten zu dieser Entwicklung gehen auseinander. Die Deutsche Bank bestätigte am 12. Juli ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 110 Euro und wertete die jüngsten Ausschreibungserfolge als Beleg für die technologische Marktführerschaft von TKMS. Bernstein Research kam am selben Tag zu einer zurückhaltenderen Bewertung: Die Analysten beließen ihr Votum bei „Market-Perform“ mit einem Kursziel von 76 Euro und äußerten trotz des Rekord-Auftragsbestands Skepsis, ob sich die komplexen Großprojekte langfristig in entsprechenden Margen niederschlagen werden.

Die Diskrepanz zwischen beiden Kurszielen spiegelt die zentrale Frage wider, die den Markt seit dem Spin-off von der ThyssenKrupp AG und der Aufnahme in den MDAX im Dezember 2025 begleitet: Kann TKMS das enorme Auftragsvolumen operativ so umsetzen, dass daraus tatsächlich Gewinne erwachsen, oder bleibt die Wachstumsstory vor allem eine Frage des Volumens? Burkhards öffentliche Zurückweisung von Überlastungssorgen deutet darauf hin, dass das Management diese Debatte für entschieden hält – die Volatilität der Aktie von annualisiert 82,77 Prozent zeigt, dass der Markt sich diese Gewissheit noch nicht vollständig zu eigen gemacht hat.

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