TKMS Aktie: Navantia-Abkommen für U-Boot-Lizenzfertigung

TKMS erschließt mit Navantia neue Werftkapazitäten für U-Boot-Bau. Milliardenprojekt in Kanada rückt näher, während der Auftragsbestand auf 20,1 Milliarden Euro steigt.

Die Kernpunkte:
  • Kooperation mit Navantia vereinbart
  • Auftragsbestand erreicht 20,1 Milliarden Euro
  • Prognose für Umsatzwachstum deutlich angehoben
  • Bevorzugter Bieter für Kanada-Projekt

TKMS treibt seine internationale Expansion mit einer neuen Kooperation voran, während im Hintergrund gleich mehrere Großaufträge um Milliardenvolumen ringen. Die Rüstungswerft hat mit dem spanischen Konzern Navantia ein Abkommen zur Prüfung gemeinsamer Marineprojekte geschlossen. Kern der Vereinbarung ist die mögliche Lizenzfertigung von TKMS-U-Boot-Designs auf spanischen Werften.

Kapazitäten als Flaschenhals

Die Kooperation zielt direkt auf ein Problem, das TKMS angesichts der Auftragsflut zunehmend beschäftigt: fehlende Fertigungskapazitäten. Mit Navantia als Partner könnte das Unternehmen zusätzliche Werftflächen erschließen, ohne selbst in neue Standorte investieren zu müssen. Für Anleger ist das ein wichtiges Signal, denn die Auftragsbücher von TKMS sind längst voller, als die eigenen Werften kurzfristig abarbeiten können.

Wie groß der Bedarf ist, zeigt der Auftragsbestand von 20,1 Milliarden Euro, den das Unternehmen bei der Vorlage der Neunmonatszahlen am vergangenen Mittwoch auswies. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um 19 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT kletterte von 98 auf 110 Millionen Euro.

Parallel hob TKMS die Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 kräftig an: Das Umsatzwachstum soll nun zwischen 10 und 12 Prozent liegen, deutlich mehr als die zuvor angepeilten 2 bis 5 Prozent. Die bereinigte EBIT-Marge wird mit bis zu 6,5 Prozent erwartet.

Kanada als nächster Meilenstein

Neben der Werftkooperation blickt der Markt auf das kanadische U-Boot-Programm. CEO Oliver Burkhard bestätigte am vergangenen Dienstag den Status als bevorzugter Bieter für bis zu zwölf Einheiten und bezifferte das potenzielle Volumen allein für die Boote auf über 15 Milliarden Euro. Ein finaler Vertragsabschluss wird bis Ende 2026 angestrebt.

Genau hier könnte die Zusammenarbeit mit Navantia ins Spiel kommen: Zusätzliche Fertigungskapazität in Spanien würde TKMS helfen, ein Programm dieser Größenordnung neben den laufenden Verpflichtungen zu stemmen – darunter der Vertrag mit der Deutschen Marine über vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU samt Option auf vier weitere Schiffe, unterzeichnet ebenfalls am vergangenen Mittwoch.

Auch außerhalb Europas expandiert TKMS: In Singapur macht das Unternehmen Fortschritte bei einem geplanten U-Boot-Wartungszentrum, das künftig als regionaler Hub für Südostasien dienen soll.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse zeigt sich die Aktie von den strategischen Nachrichten bislang wenig beeindruckt. Das Papier notiert aktuell bei 96,50 Euro, nach 96,20 Euro am Vortag – ein Aufschlag von 0,3 Prozent.

Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro, erreicht Mitte des Monats, fehlen der Aktie derzeit 11 Prozent. Zugleich liegt der Kurs binnen 30 Tagen um 21 Prozent höher, was die enorme Schwankungsbreite der vergangenen Wochen unterstreicht.

Die Kombination aus vollen Auftragsbüchern, der Aussicht auf das kanadische Großprogramm und der neuen Werftpartnerschaft mit Navantia zeichnet das Bild eines Unternehmens, das seine operativen Grenzen zunehmend durch Kooperationen statt durch eigene Kapazitätsausweitung überwindet.

Ob sich daraus verlässlich neue Aufträge materialisieren, dürfte sich spätestens mit der Veröffentlichung der geprüften Jahreszahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 am 7. Dezember zeigen.

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