TKMS Aktie: Navantia soll Kapazitäten bündeln

TKMS steigert Umsatz und Auftragspolster deutlich, muss wegen begrenzter Werftkapazitäten jedoch die Umsetzung des Wachstums absichern.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz wächst um 19 Prozent
  • Auftragsbestand erreicht 20,1 Milliarden Euro
  • Submarines-EBIT vervierfacht sich
  • Kooperation mit Navantia soll Kapazitäten bündeln

Wer sich derzeit die Zahlen von TKMS anschaut, stößt auf ein Paradox, das gerade viele europäische Rüstungswerte betrifft: Die Nachfrage ist so hoch wie nie, und genau das wird zum eigentlichen Risiko. Die große strukturelle Erzählung der europäischen Wiederaufrüstung trifft hier auf ein sehr konkretes, sehr menschliches Problem – nämlich die Frage, ob eine Werft überhaupt so schnell bauen kann, wie die Regierungen bestellen.

Anfang August hat TKMS zum zweiten Mal binnen sechs Monaten die Prognose angehoben: Das Umsatzwachstum für das Geschäftsjahr 2025/26 soll nun bei 10 bis 12 Prozent liegen, ursprünglich waren 2 bis 5 Prozent angepeilt. Die bereinigte EBIT-Marge soll bis zu 6,5 Prozent erreichen.

In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 1.890 Millionen Euro, das bereinigte EBIT legte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro zu. Der Auftragsbestand kletterte auf ein Rekordniveau von 20,1 Milliarden Euro.

Wenn Geld keine Zeit mehr kauft

Besonders aufschlussreich ist ein Satz von CEO Oliver Burkhard, der die Lage besser einfängt als jede Bilanzkennziffer: „Die Nachfrage ist sehr stark. Jetzt geht es auch stark darum, die Aufträge abzuarbeiten. Alle haben Geld, aber keine Zeit mehr.“ Das ist keine Floskel, sondern die eigentliche Kernbotschaft dieser Berichtssaison. Staaten stehen Schlange, doch Werftkapazität lässt sich nicht per Dekret verdoppeln.

Diese Dynamik zeigt sich exemplarisch im Segment Submarines, wo sich das bereinigte EBIT in den ersten neun Monaten auf 46 Millionen Euro vervierfacht hat – getragen vom Hochlauf margenstärkerer Neubauprojekte und dem Auslaufen älterer, weniger profitabler Aufträge.

Auch die Tochter Atlas Electronics wächst kräftig: Umsatz plus 28 Prozent, bereinigtes EBIT plus 31 Prozent. Zugleich meldete TKMS neue Nachfrage aus Anrainerstaaten des Persischen Golfs, die im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg verstärkt Bedarf an Minenräumung anmelden.

Auf den ersten Blick wirkt das alles nach einem Unternehmen im Höhenflug. Doch ein Blick auf den Auftragseingang relativiert die Euphorie: In den ersten neun Monaten kamen 3,6 Milliarden Euro herein, im Vorjahr waren es noch 8,6 Milliarden Euro gewesen – damals allerdings befeuert durch zwei Großaufträge, die sich nicht wiederholen. Das Book-to-Bill-Verhältnis liegt trotzdem bei rund dem Zweifachen, TKMS bekommt also weiterhin deutlich mehr Aufträge herein, als es abarbeitet.

Die Frage nach der Kapazität

Genau hier liegt der eigentliche Erzählstrang, der über die reine Zahlenwelt hinausgeht: Kann ein Rüstungskonzern wachsen, ohne an seinen eigenen Fertigungsgrenzen zu zerbrechen? TKMS versucht, diese Frage über Kooperationen zu lösen statt über organischen Kapazitätsaufbau allein.

Ende Juli unterzeichnete das Unternehmen mit dem spanischen Werftkonzern Navantia bereits die zweite Absichtserklärung, um bis Jahresende einen gemeinsamen Rahmen für Produktion und Vermarktung ausgewählter U-Boot-Projekte zu etablieren – ohne Fusion, ohne Aktienaustausch, aber mit dem klaren Ziel, Kapazitäten zu bündeln und Lieferzeiten zu verkürzen.

Diese Konsolidierungslogik ist typisch für einen Sektor, der jahrzehntelang unterinvestiert war und jetzt binnen wenigen Jahren nachholen soll, was er in Friedensdividenden-Zeiten abgebaut hat.

Werften, Zulieferer, Ausbildungskapazitäten – das alles lässt sich nicht beliebig skalieren. TKMS setzt daher auf Partnerschaften statt auf reines Alleingang-Wachstum, ein Muster, das sich in der europäischen Verteidigungsindustrie derzeit branchenübergreifend beobachten lässt.

An der Börse zeigt sich diese Ambivalenz zwischen Rekordauftragsbestand und Abarbeitungsdruck bereits in der Kursentwicklung: Seit dem Hoch am 14. August hat die Aktie deutlich an Wert verloren und notiert aktuell bei 84,10 Euro, ein Abstand von 23 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro.

Der Markt scheint die Frage nach der Umsetzungsfähigkeit also durchaus ernst zu nehmen. Die endgültigen Geschäftsjahreszahlen zum Stichtag 30. September dürften zeigen, ob TKMS die eigene Prognoseerhöhung tatsächlich in Ergebnisse übersetzen kann – oder ob die Kapazitätsfrage die Wachstumsstory vorerst bremst.

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