TKMS vor Kanada-Entscheidung: Wird aus dem Vorzugsbieter ein Vertrag?

TKMS peilt kanadischen U-Boot-Deal bis Jahresende an und baut mit Navantia Kapazitäten aus. Analysten sehen Kurspotenzial.

Die Kernpunkte:
  • Kanada-Auftrag als Wachstumstreiber
  • Navantia-Kooperation zur Kapazitätserweiterung
  • Analysten bestätigen Kaufempfehlung
  • Umsatz wächst um 19 Prozent

Ausgangslage

TKMS steckt mitten in einer Phase, in der sich mehrere Großaufträge gleichzeitig anbahnen. Die Neunmonatszahlen und die zweite Prognoseanhebung des Geschäftsjahres liegen bereits gut eine Woche zurück, seither hat die Aktie rund 2,2 Prozent verloren. Auch der operative Start des U-Boot-Programms 212CD vor rund zwei Wochen ist als Kurstreiber verarbeitet, die Aktie legte danach 5,8 Prozent zu.

Der eigentliche Anlass für einen Blick nach vorn liegt woanders: Vorstandschef Oliver Burkhard bestätigte am 18. August in einem Interview, dass TKMS im kanadischen U-Boot-Beschaffungsprogramm als „Preferred Bidder“ ausgewählt wurde.

Ein finaler Vertragsschluss werde bis Ende des Kalenderjahres angestrebt. Parallel dazu treibt das Unternehmen die Zusammenarbeit mit dem spanischen Schiffbauer Navantia voran, unter anderem über ein zweites Memorandum of Understanding, das bis Jahresende einen gemeinsamen Rahmen für ausgewählte Projekte schaffen soll.

Diese beiden Stränge – Kanada und Navantia – sind es, die über die nächsten Monate entscheiden, ob TKMS seine Wachstumsstory fortschreiben kann, während der Kurs mit 91,30 Euro gut 16 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 108,80 Euro notiert.

Die entscheidende Frage

Der Status „Preferred Bidder“ ist noch kein Vertrag. Für Kanada geht es um bis zu zwölf U-Boote mit einem geschätzten Volumen von über 15 Milliarden Euro – eine Größenordnung, die das bisherige Auftragsbild von TKMS deutlich verschieben würde.

Die entscheidende Frage für Anleger lautet deshalb: Gelingt der Sprung vom bevorzugten Bieter zum unterzeichneten Vertrag noch in diesem Kalenderjahr, und kann TKMS die dafür nötigen Fertigungskapazitäten überhaupt bereitstellen?

Genau hier setzt die Kooperation mit Navantia an, die als Kapazitätserweiterung über spanische Werften gedacht ist. Ohne einen belastbaren Partner für zusätzliche Produktionslinien dürfte ein Auftrag dieser Größenordnung kaum fristgerecht abzuarbeiten sein.

Bullisches Szenario

Kommt der kanadische Vertrag tatsächlich bis Jahresende zustande, würde TKMS sein Auftragsbuch um ein Vielfaches der bisherigen Größenordnungen erweitern – nach dem historisch größten Überwasser-Auftrag der Firmengeschichte über vier Fregatten plus vier Optionen für die Deutsche Marine wäre es der nächste Meilenstein. Die Navantia-Kooperation würde in diesem Fall als Kapazitätslösung greifen und Zweifel an der Lieferfähigkeit entkräften.

Bernstein Research sah die Aktie bereits am 13. August mit „Outperform“ und einem Kursziel von 125,00 Euro, mwb research bestätigte am 12. August die Einstufung „Kaufen“ und hob das Kursziel auf 140,00 Euro an – beide Einschätzungen datieren aus der Woche der Zahlenvorlage und spiegeln die Erwartung weiterer Auftragsimpulse.

Auch operativ liefert das Unternehmen: Der Umsatz wuchs in den ersten neun Monaten um 19 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, die Jahresguidance für das Umsatzwachstum wurde auf 10 bis 12 Prozent angehoben.

Bärisches Szenario

Die Kehrseite: Ein „Preferred Bidder“-Status kann auch scheitern, verzögert werden oder in politischen Prozessen hängenbleiben – Beschaffungsprogramme dieser Größenordnung sind erfahrungsgemäß anfällig für Verzögerungen über den anvisierten Zeitpunkt hinaus.

Sollte der Vertragsschluss ins kommende Jahr rutschen, dürfte der Markt das als Enttäuschung werten, zumal die Aktie mit einer Marktkapitalisierung von 5,60 Milliarden Euro bereits einen erheblichen Vertrauensvorschuss eingepreist hat. Hinzu kommt ein margenseitiges Warnsignal: Die bereinigte EBIT-Marge sank in den ersten neun Monaten leicht von 6,1 auf 5,8 Prozent, bedingt durch Einmalkosten für die Abspaltung von der Thyssenkrupp AG und neue Governance-Strukturen.

Bleiben solche Sonderkosten bestehen oder wachsen mit neuen Großprojekten die Integrationsrisiken, könnte die Profitabilität trotz Umsatzwachstum unter Druck geraten.

Bemerkenswert ist zudem, dass der Hedgefonds Marshall Wace laut einer Bundesanzeiger-Meldung vom 25. August eine Short-Position von 0,60 Prozent der TKMS-Aktien hält – ein Hinweis darauf, dass nicht alle Marktteilnehmer die Bewertung für nachhaltig gerechtfertigt halten.

Ausblick

Solange TKMS seinen Status als bevorzugter Bieter in Kanada hält und die Navantia-Kooperation planmäßig voranschreitet, bleibt das Aufwärtsszenario intakt – die Analystenziele von bis zu 140,00 Euro würden dann Spielraum nach oben signalisieren.

Kippt hingegen der Zeitplan, oder bleibt der Vertragsschluss bis Jahresende aus, dürfte der Markt die Bewertung neu justieren, zumal die Aktie mit einer 30-Tage-Volatilität von 49 Prozent ohnehin schwankungsanfällig ist.

Der nächste konkrete Fixpunkt für Anleger ist der Geschäftsbericht zum Gesamtjahr 2025/2026, der für den 7. Dezember angekündigt ist. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob aus dem kanadischen Vorzugsbieter-Status ein unterschriebener Vertrag wird – und ob die Kapazitätsfrage mit Navantia rechtzeitig gelöst ist.

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