Tom Tailor setzt auf Umbruch

Das Modeunternehmen Tom Tailor verlor in den vergangenen Monaten zunehmend das Vertrauen der Anleger. In den vergangenen zwölf Monaten sank der Aktienkurs des Konzerns von 14,00 Euro auf etwas mehr als 4,00 Euro.

 

© Tom Tailor
© Tom Tailor

Heute veröffentlichte Tom Tailor die vorläufigen Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr und konnte zumindest das Erreichen der im September letzten Jahres konkretisierten Prognose vermelden.

 

Ergebnis im Rahmen der Erwartungen

Danach stieg der Umsatz im letzten Geschäftsjahr um 2,5% auf fast 956 Mio. Euro. Die Erwartungen des Konzerns lagen im Vorfeld hier in einer Spanne von 945 bis 955 Mio. Euro. Der Umsatz steigerte sich dabei in allen Sparten.

Das bereinigte EBITDA lag bei 76,3 Mio. Euro nach 87,2 Mio. Euro im Vorjahr, jedoch auch innerhalb der prognostizierten Spanne von 75 bis 80 Mio. Euro. Belastend wirkten sich zeitweise Lieferprobleme bei der Herbst- und Winterware durch die Inbetriebnahme des neuen Logistiklagers ebenso aus wie Kosten für den forcierten Flächenausbau. Per Ende Dezember lag der berichtete Konzernüberschuss bei 0,1 Mio. Euro nach 10,8 Mio. Euro im Jahr zuvor. Der bereinigte Konzernüberschuss sank von zuvor 21,1 Mio. Euro auf 14,3 Mio. Euro.

 

Filialschließungen geplant

Tom Tailor sieht sich umfassenden Veränderungen im Textilmarkt gegenüber. Neben veränderten Einkaufsgewohnheiten nimmt auch die Digitalisierung weiter stark zu. Ziel ist es deshalb, Kosten zu senken, flexibler agieren zu können und Prozesse zu beschleunigen. Aus diesem Grund wurden im vergangenen Jahr zwei Programme aufgelegt, um diese Ziele zu erreichen. Innerhalb des laufenden Geschäftsjahres sollen alle damit verbundenen Maßnahmen abgearbeitet werden.

Gegenüber dem „Handelsblatt“ erklärte Vorstandschef Dieter Holzer, dass auch die Schließung von 80 bis 100 Filialen in diesem Jahr Thema sein wird, um Kosten zu senken. Demgegenüber sollen nur 30 neue Läden eröffnet werden. Weiterhin will der Konzern in Zentralfunktionen ca. 100 Stellen, das entspricht in etwas 10%, abbauen.

 

Tom Tailor wird in China aktiv

Hoffnungen liegen auch bei dem chinesischen Investor Fosun. Dieser hatte erst vor kurzem seine Anteile auf fast 30% aufgestockt. Tom Tailor hat bereits begonnen, über E-Commerce und Händler in den chinesischen Markt einzusteigen und sieht sich damit mit Fosun gut aufgestellt, da dieser den heimischen Markt besser einschätzen kann.

Selbstkritisch wies Dieter Holzer auch darauf hin, dass Tom Tailor die Erwartungen des Marktes zu oft enttäuscht habe. Deshalb sollen die Prognosen für das Unternehmen künftig so ausgerichtet werden, dass dieser nicht enttäuscht wird, auch wenn vielleicht nicht alle diese Prognosen dann gutheißen werden.

Auch müsse die Marke Bonita nachhaltig stabilisiert werden, dann könnte es auch innerhalb der nächsten Quartale gelingen, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen.

 

Hoffnungsschimmer im Markt

Ein wenig Hoffnung macht bereits die heutige vorbörsliche Entwicklung der Aktie. An der Frankfurter Börse wurde bereits ein Plus von mehr als 3,5% verbucht. Insofern könnte die Aktie wieder in Richtung 5,00 Euro marschieren und ein kleiner Vertrauensvorschuss spürbar werden.

160223 Tom Tailor

Letztlich wird Tom Tailor jedoch weitaus mehr liefern müssen, um sich endgültig von dem derzeitigen Niveau lösen zu können.

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