Top-Dividenden im MDAX: LEG Immobilien führt trotz Kursverlusten

LEG Immobilien erreicht die höchste Rendite im MDAX-Vergleich, während Evonik trotz 40 Prozent Kursplus eine starke Ausschüttung bietet.

Die Kernpunkte:
  • LEG Immobilien nahe dem Jahrestief
  • Deutsche Euroshop mit geringsten Schwankungen
  • Evonik steigt seit Jahresbeginn 40 Prozent
  • Ströer erholt sich trotz Rücksetzern

Fünf Prozent Dividendenrendite und mehr— im MDAX gehört das derzeit fast schon zum Standard. Doch die Gründe dafür unterscheiden sich fundamental: Bei LEG Immobilien drückt ein Kurscrash die Rendite nach oben, bei Evonik sorgt ein handfester Kursaufschwung für Rückenwind. Ein Blick auf fünf Titel zeigt, wie unterschiedlich der Weg zur attraktiven Ausschüttung sein kann.

LEG Immobilien: Hohe Rendite als Kehrseite des Kursverfalls

Mit 5,8 Prozent Dividendenrendite führt LEG Immobilien das Ranking an. Der Blick auf die Kursentwicklung relativiert die Spitzenposition allerdings deutlich. Die Aktie notiert bei 50,00 Euro und damit nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 49,22 Euro. Seit Jahresbeginn hat der Titel rund 19 Prozent verloren, auf Zwölf-Monats-Sicht sogar 31 Prozent.

Die hohe Rendite ist also zu einem erheblichen Teil das Resultat gefallener Kurse, nicht steigender Ausschüttungen. Der Wohnungsvermieter mit Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen profitiert zwar von konstanter Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. Der Kurs kämpft aber weiterhin mit den Nachwirkungen der Immobilienmarkt-Korrektur der vergangenen Jahre. Mit einem RSI von 40,6 zeigt der Titel derzeit keine ausgeprägte Über- oder Unterverkauft-Situation— die Aktie sucht erkennbar nach einem Boden.

Deutsche Euroshop: Ruhiger Kurs, verlässliche Ausschüttung

Deutsche Euroshop belegt mit 5,4 Prozent Rendite den zweiten Platz— und liefert damit ein deutlich unaufgeregteres Bild als der Spitzenreiter. Der Kurs von 18,38 Euro bewegt sich nahe am 50-Tage-Durchschnitt und hat sich zuletzt stabilisiert. Auf Monatssicht steht ein leichtes Plus von 0,8 Prozent, seit Jahresanfang ein moderates Minus von 2,4 Prozent.

Das Shoppingcenter-Portfolio generiert über langfristige Mietverträge planbare Cashflows. Die Volatilität von nur 17 Prozent auf 30-Tage-Sicht ist die niedrigste im gesamten Vergleich— ein Indiz für die relative Ruhe, mit der der Markt diesen Titel derzeit bewertet. Wer auf berechenbare Ausschüttungen ohne große Kursschwankungen setzt, findet hier einen vergleichsweise defensiven Kandidaten.

Evonik: Der Aufsteiger mit Rückenwind

Ganz anders läuft es bei Evonik. Der Spezialchemiekonzern kommt auf eine Rendite von 5,3 Prozent— bei einem Kurs, der sich in die entgegengesetzte Richtung wie bei LEG Immobilien entwickelt hat. Die Aktie notiert bei 18,71 Euro, nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 18,87 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 40 Prozent, auf Monatssicht kamen weitere 8,0 Prozent hinzu.

Der RSI von 68,0 signalisiert eine bereits recht dynamische Aufwärtsbewegung, die sich dem überkauften Bereich nähert. Der Kurs liegt inzwischen rund 20 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Anders als bei LEG Immobilien ist die attraktive Rendite hier also nicht Ausdruck von Schwäche, sondern Beleg dafür, dass selbst nach kräftigen Kursgewinnen eine ordentliche Ausschüttung übrig bleibt. Für margenstarke Spezialchemie mit Fokus auf Tierernährung und Pharmazulieferungen ist das eine ungewöhnlich starke Kombination.

Hannover Rueck: Solide Basis mit Aufwärtstrend

Hannover Rueck rangiert mit knapp 4,9 Prozent Rendite auf Platz vier— und zeigt dabei die stabilste Gesamtentwicklung im Feld. Der Kurs von 257,60 Euro liegt über dem 50-, 100- und 200-Tage-Durchschnitt, allein in den vergangenen sieben Tagen ging es um 3,0 Prozent nach oben. Der Rückversicherer bewegt sich damit rund 8,4 Prozent unter seinem Jahreshoch, aber deutlich über dem Tief vom Frühsommer.

Ein hartes Marktumfeld in der Rückversicherung, in dem steigende Prämien die Profitabilität stützen, bildet den Hintergrund dieser Entwicklung. Mit einem RSI von 60,6 zeigt der Titel moderaten Aufwärtsdruck, ohne bereits überhitzt zu wirken. Große Schadenereignisse bleiben der klassische Risikofaktor für Rückversicherer— das Geschäftsmodell selbst wirkt derzeit aber robust genug, um die Ausschüttung zu tragen.

Ströer: Zwischen Erholung und kurzfristigem Rücksetzer

Den fünften Platz belegt Ströer mit einer Rendite von rund 4,7 Prozent. Der Außenwerbespezialist zeigt ein zweigeteiltes Bild: Auf Zwölf-Monats-Sicht steht zwar noch ein Minus von 6,9 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Titel mit einem Plus von 5,3 Prozent aber deutlich erholt. Zuletzt gab der Kurs am Freitag um 1,9 Prozent auf 38,96 Euro nach.

Mit einer annualisierten Volatilität von 31 Prozent ist Ströer der schwankungsanfälligste Titel im Vergleich— das lässt sich auch am weiten Abstand zwischen 52-Wochen-Hoch (47,25 Euro) und -Tief (28,85 Euro) ablesen. Die Transformation hin zu digitalen Werbeflächen hat die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells verbessert. Konjunkturelle Schwankungen bei den Werbebudgets der Kunden bleiben aber ein Unsicherheitsfaktor, der sich in den Kursausschlägen widerspiegelt.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Titel zeigen, wie unterschiedlich der Weg zu einer Rendite oberhalb von 4,5 Prozent aussehen kann:

  • LEG Immobilien: Hohe Rendite durch Kursschwäche, Aktie nahe Jahrestief
  • Deutsche Euroshop: Niedrigste Volatilität, stabiler Seitwärtstrend
  • Evonik: Rendite trotz starkem Kursanstieg von 40 Prozent seit Jahresbeginn
  • Hannover Rueck: Aufwärtstrend über allen gängigen Durchschnittslinien
  • Ströer: Höchste Schwankungsbreite, Erholung mit Rückschlägen

Rendite ist nicht gleich Qualität

Eine hohe Dividendenrendite entsteht auf zwei Wegen: durch steigende Ausschüttungen oder durch fallende Kurse. Genau diesen Unterschied macht der Vergleich zwischen LEG Immobilien und Evonik deutlich. Während der Immobilienkonzern seine Rendite größtenteils der Kursschwäche verdankt, hat Evonik trotz eines kräftigen Kursanstiegs eine vergleichbare Rendite gehalten— ein Hinweis auf grundsätzlich unterschiedliche Bewertungssituationen.

Anleger, die auf laufende Erträge setzen, sollten deshalb nicht allein auf die Renditehöhe schauen. Die Kursverläufe der vergangenen zwölf Monate liefern wichtige Zusatzinformationen darüber, ob eine Rendite Ausdruck von Stärke oder von Schwäche ist. Bei Hannover Rueck und Deutsche Euroshop sprechen stabile bis positive Trends für eine gesündere Ausgangslage als bei LEG Immobilien, wo der Kurs weiterhin nach einem Boden sucht.

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