Trump will Irans Uran — Gold fällt, Öl schwankt, Silber trotzt

Die Rohstoffmärkte reagieren unterschiedlich auf die Aussicht auf ein Iran-Abkommen. Gold korrigiert, Silber zeigt sich robust, Öl gibt nach.

Die Kernpunkte:
  • Gold setzt Korrektur fort
  • Silber profitiert von Industrienachfrage
  • Ölpreise geben nach
  • Uran wird zur Verhandlungsmasse

Washingtons Griff nach Teherans Atomvorräten dominiert an diesem Donnerstag die Rohstoffmärkte. US-Präsident Trump erklärte, die USA würden im Rahmen eines Friedensabkommens die iranischen Bestände an hochangereichertem Uran übernehmen. „Wir werden es uns in nicht allzu ferner Zukunft holen“, so Trump. Die Unterzeichnung von Dokumenten stehe kurz bevor, ein Abschluss sei womöglich schon am Wochenende möglich. Die Folgen für Gold, Silber, Öl und Uran könnten unterschiedlicher kaum sein.

Gold: Korrektur setzt sich fort

Der Goldpreis notiert heute bei 4.507 USD pro Feinunze — ein Plus von einem Prozent gegenüber dem Vortagesschluss, aber weiterhin deutlich unter dem Allzeithoch von 5.626,80 USD aus dem Januar. Die übergeordnete Korrektur bleibt intakt.

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Verantwortlich dafür ist vor allem der Zinsgegenwind. Jüngste Arbeitsmarktdaten deuten auf ein robustes Beschäftigungswachstum hin, die EZB dürfte die Kreditkosten nächste Woche anheben. Händler preisen bereits eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte im September ein. Für Gold als nicht-verzinsliches Asset ist das Gift.

Hinzu kommt die Unsicherheit um das Iran-Abkommen. Normalerweise profitiert Gold von geopolitischen Krisen. Wenn sich die Lage aber Richtung Entspannung bewegt, fällt ein wichtiger Kurstreiber weg — und genau in diesem Zwischenraum steckt der Markt fest.

Goldman Sachs hält dennoch an einem Kursziel von 5.400 USD bis Jahresende fest. J.P. Morgan bleibt mit einer Spanne von 6.000 bis 6.300 USD sogar noch deutlich bullischer. Solange die Unterstützungszone zwischen 4.000 und 4.200 USD hält, bleibt das übergeordnete Bild konstruktiv. Der Nonfarm-Payrolls-Bericht am Freitag wird zum nächsten Richtungsgeber.

Silber: Strukturelles Defizit stützt den Kurs

Silber zeigt sich widerstandsfähiger als Gold. Am heutigen Donnerstag notiert das Edelmetall bei 73,25 USD je Feinunze — ein Plus von 0,76 Prozent. Das Allzeithoch liegt bei 121,64 USD, erreicht im Januar.

Der entscheidende Unterschied zu Gold: Silber ist kein reiner Wertspeicher. Rund die Hälfte der Gesamtnachfrage stammt aus der Industrie. Photovoltaik, Solarenergie und der Ausbau von KI-Rechenzentren treiben den Bedarf strukturell nach oben. Das Silver Institute rechnet bis 2030 mit einer industriellen Nachfrage von mehr als 700 Millionen Feinunzen pro Jahr.

Der physische Markt bleibt angespannt. Zum fünften Mal in Folge steht ein Defizitjahr bevor. Zwischen 2021 und 2026 hat sich der kumulierte Angebotsfehlbetrag auf 820 Millionen Unzen summiert.

HSBC hat darauf reagiert und die durchschnittliche Preisprognose für 2026 auf 68,25 USD angehoben — ein Sprung von über 50 Prozent gegenüber der alten Schätzung. Als Begründung nennen die Analysten:

  • Anhaltende physische Knappheit
  • Robuste Investorennachfrage
  • Ein unterstützendes makroökonomisches Umfeld

Die Bandbreite der Analystenmeinungen reicht mittlerweile von 75 USD bei HSBC bis zu einem bullischen Szenario von 220 USD bei BMO. Eine Reuters-Umfrage sieht den Durchschnittspreis für 2026 bei rund 79,50 USD. Der Zinsgegenwind belastet zwar, aber die strukturelle Nachfrageseite wirkt als Gegengewicht.

Brent Crude: Waffenstillstandshoffnung drückt auf den Preis

Die Ölpreise gaben heute deutlich nach. Brent verlor über drei Prozent und rutschte auf 94,60 USD je Barrel — nach einem Plus am Vortag. Die Kursdaten zeigen aktuell 95,30 USD bei einem Tagesminus von 2,62 Prozent.

Auslöser war eine Vereinbarung zwischen Israel und dem Libanon über einen Weg zur Umsetzung der bisher kaum wirksamen Waffenruhe. Kurzfristig bremste allerdings die Ablehnung der Waffenruhebedingungen durch die Hisbollah den Preisverfall.

Der Kontext ist gewaltig. Seit Ende Februar hat der Iran-Krieg die Energiemärkte grundlegend verändert. Die faktische Sperrung der Straße von Hormus und Schäden an der Infrastruktur im Nahen Osten haben rund 14 Millionen Barrel an täglicher Lieferkapazität vom Markt genommen — die größte Ölversorgungskrise der Geschichte.

Gleichzeitig fallen die US-Lagerbestände weiter. In der vergangenen Woche sank das Niveau um knapp acht Millionen Barrel. Es war der sechste Wochenrückgang in Folge. Auf Jahressicht steht Brent mit einer Performance von rund 60 Prozent da — ein Wert, der die Dimension der Krise unterstreicht.

Rohöl WTI: Zwischen Kriegsprämie und Verhandlungsdiplomatie

WTI folgte Brent auf dem Weg nach unten und notiert bei rund 94 USD. Die Bewegungen spiegeln das Hin und Her der Iran-Diplomatie fast im Minutentakt wider.

Der Rückblick zeigt, wie extrem die Schwankungen waren: Nach Kriegsbeginn im Februar schoss WTI bis auf 119 USD. Die am 9. April vereinbarte Waffenruhe drückte den Preis dann zurück in den 80-Dollar-Bereich. Seitdem pendelt er in einer breiten Spanne, getrieben von jeder einzelnen Schlagzeile aus Washington und Teheran.

Eine Umfrage unter mehreren Dutzend Ökonomen und Marktexperten sieht WTI im Jahresdurchschnitt 2026 bei etwa 85 USD, Brent bei rund 90 USD. Solange die Passage durch Hormus nicht vollständig wiederhergestellt ist, bleibt ein erheblicher Risikoaufschlag im Preis. Einzelne Eskalations- oder Entspannungssignale können Tagesbewegungen von 5 bis 15 USD auslösen. Goldman Sachs warnt bereits vor historisch niedrigen Vorräten.

Uran: Trumps strategischer Vorstoß verändert die Spielregeln

Uran steht heute im Zentrum der geopolitischen Bühne. Trumps Ankündigung, die iranischen Uranbestände übernehmen zu wollen, verleiht dem Markt eine völlig neue Dimension. Es geht nicht mehr nur um Energiepreise, sondern um Verhandlungsmasse im Friedensprozess.

Die Zahlen sind brisant: Der Iran verfügt nach IAEA-Angaben über rund 440 Kilogramm Uran mit einem Anreicherungsgrad von 60 Prozent. Das liegt weit über dem Niveau für zivile Atomkraftwerke — technisch nur noch ein kleiner Schritt von waffenfähigem Material entfernt.

Am Spotmarkt notiert Uran bei 86,25 USD pro Pfund. Über den vergangenen Monat ist der Preis nahezu unverändert geblieben, liegt aber knapp 20 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Parallel zur diplomatischen Dramatik laufen strategische Investitionen. Urenco USA kündigte eine Kapazitätserweiterung um fast 50 Prozent an der einzigen kommerziellen Urananreicherungsanlage des Landes an. Der Baubeginn ist für 2029 geplant, die erste Produktion soll 2032 starten. Das US-Energieministerium stellt 2,7 Milliarden USD bereit, um die heimische Produktion von hochangereichertem Uran zu fördern.

Die Hintergründe sind klar: Das 2024 in Kraft getretene US-Verbot russischer Uranimporte hat einen Lieferanten gekappt, der rund ein Fünftel des Anreicherungsbedarfs gedeckt hatte. Begrenzte Vertragswaivers bleiben bis 2028 verfügbar, doch danach müssen Versorger ihre Beschaffung grundlegend umstrukturiert haben.

Zusätzlichen Rückenwind liefert die wachsende Nachfrage nach Kernenergie. Italien hat jüngst Interesse an einem gesetzlichen Rahmen zur Wiedereinführung der Atomkraft bekundet. Meta und Microsoft haben Vereinbarungen zur Sicherung neuer Nuklearkapazitäten für KI-Rechenzentren unterzeichnet. Washington richtet die nukleare Lieferkette langfristig strategisch neu aus.

Fünf Rohstoffe, ein Katalysator — und völlig verschiedene Reaktionen

Der Rohstoffsektor präsentiert sich an diesem Donnerstag als Spiegel einer Welt zwischen Kriegsprämie und Verhandlungsoptimismus. Die wichtigsten Sektordynamiken auf einen Blick:

  • Gold leidet unter Zinserwartungen und schwindendem Krisenimpuls — die Korrektur vom Allzeithoch bleibt intakt
  • Silber profitiert von industrieller Nachfrage und physischer Knappheit, die den Zinsgegenwind teilweise kompensieren
  • Brent und WTI reagieren auf jede diplomatische Schlagzeile — die Hormus-Frage entscheidet über zweistellige Preisbewegungen
  • Uran wird zur strategischen Verhandlungsmasse und profitiert gleichzeitig von der westlichen Abkehr aus russischen Lieferketten

Der wichtigste Katalysator für alle fünf Rohstoffe bleibt die Entwicklung im Iran-Konflikt. Am Freitag kommt mit dem Nonfarm-Payrolls-Bericht ein zweiter Impulsgeber hinzu, der vor allem Gold und Silber bewegen dürfte. Für die Ölmärkte hängt alles an einer einzigen Frage: Wann wird die Straße von Hormus wieder frei passierbar — und wie dauerhaft?

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