Trumps Energie-Waffenruhe stiftet Verwirrung am Ölmarkt

Moskau bestätigt die Feuerpause nicht, während Brent kurzzeitig um fast zwei Prozent auf rund 103 Dollar je Barrel sank.

Die Kernpunkte:
  • Brent verlor zeitweise fast zwei Prozent
  • Moskau bestätigte die Feuerpause bislang nicht
  • Selenskyj erfuhr laut eigener Aussage nachträglich davon
  • Russische Dieselverkäufe in die USA sollen steigen

Donald Trump will die Treibstoffpreise mit einem schnellen diplomatischen Vorstoß drücken: Der US-Präsident hat eine angebliche Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine verkündet. An den Rohstoffmärkten sorgt die Nachricht allerdings vor allem für Skepsis. Denn die Vereinbarung steht auf äußerst wackeligem Fundament, da Moskau sie bislang nicht bestätigt hat und Kiew vorab offenbar nicht einmal informiert war.

Am Ölmarkt reichte bereits die vage Aussicht auf zusätzliche Lieferungen für kurzzeitige Bewegung. Die Notierung für die Nordseesorte Brent gab in unruhigem Handel um fast 2 Prozent auf rund 103,00 Dollar je Barrel nach.

Zweifel an den Wall-Street-Tischen

Marktbeobachter werten die Ankündigung vor allem als Versuch, Fakten ohne eine reale vertragliche Basis zu schaffen. Der frühere JPMorgan-Stratege Marko Kolanovic bezeichnete den Schritt als weiteren Täuschungsversuch. Angesichts brennender Tanker und attackierter Ölfelder am vorangegangenen Wochenende fehle dem Abkommen schlicht die Glaubwürdigkeit. Fundstrat-Mitgründer Tom Lee zeigte sich verhaltener: Ein Abkommen wäre positiv, falls es zutreffe, da teure Energie die weltweite Teuerung treibe.

Die betroffenen Regierungen reagierten irritiert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte klar, die Verkündung sei für ihn neu gewesen. Kiew sei zwar grundsätzlich gesprächsbereit, falls auch Moskau einlenke, bitte jedoch um Klarheit über den Beginn einer solchen Vereinbarung.

Drohnenangriffe und Dieselknappheit

Die Lage vor Ort spricht eine andere Sprache. Russland attackierte zuletzt weiter gezielt die ukrainische Strom- und Gasinfrastruktur. Parallel dazu beschädigten ukrainische Drohnen russische Raffinerien, was dort die eigene Versorgung mit Kraftstoffen spürbar verknappt.

Trumps Vorstoß zielt dennoch darauf ab, dass Russland seine Ausfuhren von Diesel auf die Weltmärkte und in die USA steigert. Washington lockerte zuletzt nach Gesprächen mit Wladimir Putin Sanktionen für russische Dieselausfuhren. Selenskyj warnte davor, dass Moskau dadurch frische Einnahmen für die Kriegsführung zufließen.

Solange der Kreml die Feuerpause nicht offiziell mitträgt und die Angriffe auf die Infrastruktur anhalten, bleibt die Entlastung an den Rohstoffmärkten ein reines Papierszenario.

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