Trumps Hormus-Wende, Volkswagens 50.000-Stellen-Schnitt und Europas nukleare Offensive
Eine Entspannung im Iran-Konflikt löst eine starke Börsenrallye aus, doch Konjunkturprognosen sinken und Volkswagen meldet drastische Gewinneinbrüche und Stellenstreichungen.

- Ölpreis stürzt nach Trumps Entspannungsankündigung ab
- Volkswagen halbiert Gewinn und plant 50.000 Stellenabbau
- EU-Kommission startet milliardenschwere Kernenergie-Offensive
- Bitcoin entkoppelt sich von traditionellen Risikomärkten
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern Abend schrieb ich Ihnen: „Behalten Sie die Anleiherenditen im Blick.“ Heute muss ich ergänzen: Behalten Sie auch Ihren Blutdruck im Blick. Denn was in den vergangenen 24 Stunden an den Märkten passiert ist, gehört zu den rasantesten Stimmungsumschwüngen der jüngeren Börsengeschichte.
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Noch gestern starrten Händler auf einen Brent-Kurs von 119 Dollar. Die Straße von Hormus war faktisch dicht, das Stagflations-Gespenst in voller Lebensgröße da. Dann setzte sich Donald Trump vor eine CBS-Kamera und erklärte den Konflikt mit dem Iran für „very complete, pretty much“. Die US Navy werde Tanker durch die Meerenge eskortieren.
Ob das den Frieden bringt? Steht auf einem völlig anderen Blatt. Doch für die Algorithmen reichte dieses Signal, um eine Erleichterungsrallye zu zünden, die es in sich hat. Die unbequeme Frage dahinter: Wie tragfähig ist Entspannung per Fernsehinterview, während die reale Wirtschaft längst Bremsspuren zeigt?
Der Ölpreis im freien Fall
Die Reaktion an den Rohstoffmärkten war brachial – diesmal nach unten. Brent krachte um über 7,5 Prozent und notiert wieder in der Nähe von 92 US-Dollar. WTI fiel phasenweise um bis zu 15 Prozent auf unter 90 Dollar zurück. Am Montag noch 119, am Dienstag 92 – wer hier nicht schwindelig wird, hat stärkere Nerven als die meisten Portfoliomanager.
Hinter den Kulissen wird derweil schweres Geschütz aufgefahren. Die G7-Finanzminister haben die Internationale Energieagentur gebeten, die Freigabe strategischer Notfallreserven vorzubereiten. Das ist ein unmissverständliches Signal: Der Westen wird einen dauerhaften Ölpreisschock nicht tolerieren. Gleichzeitig zog EU-Kommissar Valdis Dombrovskis heute eine rote Linie gegenüber Washington: Die Sanktionen gegen russisches Öl dürften nicht als Verhandlungsmasse in einem geopolitischen Deal geopfert werden. Der Preisdeckel müsse strikt durchgesetzt werden. Erinnern Sie sich an den französischen Finanzminister, der gestern noch von „diplomatischem Achselzucken“ sprach? Heute klingt Brüssel deutlich entschlossener.
DAX-Euphorie trifft auf Konjunktur-Alarm
Frankfurt feierte. Der DAX katapultierte sich um 2,39 Prozent auf 23.968 Punkte und flirtete zeitweise mit der 24.000er-Marke. Europaweit sahen wir den stärksten Tagesanstieg seit über zehn Monaten. Gestern noch unter 23.000, heute fast bei 24.000 – das ist eine Amplitude von tausend Punkten in 48 Stunden.
Doch diese Euphorie auf dem Parkett steht in scharfem Kontrast zu dem, was in den volkswirtschaftlichen Abteilungen gerade passiert. Führende Forschungsinstitute – darunter Ifo, IMK und RWI – bereiten deutliche Senkungen ihrer Konjunkturprognosen vor. Je nach Dauer des Nahostkonflikts rechnen die Ökonomen mit einem negativen Effekt auf das deutsche BIP von 0,2 bis 1,0 Prozentpunkten. Was das im Alltag bedeutet, zeigt ein Blick ins Saarland: Der Tankstellenverband warnt dort bereits vor Spritpreisen von 2,50 Euro, sollte sich die Lage nicht dauerhaft beruhigen.
Gestern stellte ich die Frage, ob die Inflation durch die Hintertür der Energiepreise zurückkehrt. Die Antwort steht noch aus – aber die Indizien verdichten sich.
Genau diese extremen Marktausschläge – tausend DAX-Punkte in 48 Stunden, Ölpreise im freien Fall – sind für Trader-Analyst Jörg Mahnert kein Problem, sondern das bevorzugte Arbeitsumfeld. In einem Live-Webinar zeigt er, wie er mit seiner auf der Point-&-Figure-Methode basierenden Strategie gezielt von starken Kursbewegungen profitiert – unabhängig davon, ob der Markt steigt oder fällt. Konkret dokumentiert er dabei Trades wie Renk mit +68 Prozent in 62 Tagen, Aurubis mit +26 Prozent in 58 Tagen und Rheinmetall mit +108 Prozent in 60 Tagen. Das erklärte Ziel seines „Kapital-Booster“-Dienstes: aus einem Startkapital von 1.000 Euro schrittweise bis zu 25.000 Euro aufzubauen – mit ein bis zwei klar definierten Trades pro Woche, bei denen Einstieg, Kursziel und Absicherung vor dem Handeln feststehen. Wer heute dabei ist, erhält am Ende des Webinars einen ersten konkreten Trade mit vollständig ausgearbeitetem Setup. Details zu Jörg Mahnerts Kapital-Booster-Strategie
Wolfsburgs bittere Bilanz
Wie tief die strukturellen Probleme der deutschen Industrie jenseits aller Geopolitik reichen, offenbarte heute der Blick nach Wolfsburg. Die Jahreszahlen 2025 des Volkswagen-Konzerns markieren einen historischen Einschnitt: Der Nettogewinn hat sich auf 6,9 Milliarden Euro halbiert. Die operative Umsatzrendite liegt bei 2,8 Prozent – Lichtjahre entfernt vom mittelfristigen Ziel von 8 bis 10 Prozent.
Die Konsequenzen sind drastisch. Bis 2030 sollen in Deutschland rund 50.000 Stellen wegfallen. Die Dividende wird von 6,30 auf 5,20 Euro gekürzt. Abschreibungen bei Porsche, immense Kosten für den Personalabbau und die neuen US-Zölle haben tiefe Löcher in die Bilanz gerissen. VW ist damit das prominenteste Beispiel dafür, dass verbale Börsen-Rallyes die harten Hausaufgaben in den Vorstandsetagen nicht ersetzen.
Apropos harte Realität hinter glänzenden Kursen: Auch die Aktionäre von Novo Nordisk erhielten heute einen Dämpfer. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat dem dänischen Pharmariesen eine Verwarnung erteilt. Der Vorwurf: Bestimmte Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem Wirkstoff Semaglutid – darunter zwei Todesfälle und ein Suizid – seien nicht ordnungsgemäß gemeldet worden. Regulatorisches Risiko, das bei hoch bewerteten Wachstumsaktien gerne übersehen wird, bis es nicht mehr zu übersehen ist.
Europas nukleare Kehrtwende
Während in Deutschland über industriellen Substanzverlust debattiert wird, zündet Ursula von der Leyen in Brüssel die nächste Stufe der europäischen Energiepolitik. Die EU-Kommissionspräsidentin will Europa mit über fünf Milliarden Euro allein für die Forschung zum globalen Zentrum der Kernenergie der nächsten Generation machen.
Dass sie den aktuellen Atomstromanteil von knapp 15 Prozent als „strategischen Fehler“ bezeichnete, ist eine kaum verhüllte Breitseite gegen Berlin. Die Reaktionen ließen nicht auf sich warten: CDU-Chef Friedrich Merz nannte den deutschen Atomausstieg von 2011 „unumkehrbar“, die SPD lehnt Subventionen ab. Europa driftet in der vielleicht wichtigsten Standortfrage – verlässliche und günstige Energie – weiter auseinander. Deutschland steht dabei zunehmend allein.
Bitcoins stille Reifeprüfung
Zum Schluss eine Beobachtung, die in diesen turbulenten Tagen leicht untergeht. Während der S&P 500 gestern zeitweise auf ein Jahrestief fiel und selbst Gold zwischenzeitlich Federn ließ, kletterte Bitcoin um fast vier Prozent auf rund 69.000 bis 70.000 US-Dollar.
Analysten sprechen vom ersten echten „Decoupling“ in dieser Krise – einer Entkopplung von den traditionellen Risikomärkten. Gestützt wird diese Stärke durch handfeste Kapitalflüsse: Die US-Spot-ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Nettozuflüsse von 568 Millionen Dollar. Krypto etabliert sich in den Portfolios zunehmend als eigenständiger Baustein, auch wenn die Bankenlobby in Washington parallel rechtliche Schritte gegen die Erteilung von Banklizenzen an Krypto-Firmen prüft. Der Kampf um die Spielregeln hat gerade erst begonnen.
Was jetzt zählt
Die Märkte haben heute auf das Prinzip Hoffnung gesetzt. Doch Worte allein pumpen kein Öl durch die Straße von Hormus. Die entscheidende Hürde dieser Woche wartet morgen: die US-Verbraucherpreise für Februar. Wenn die Inflation durch den jüngsten Energiepreisschock wieder anzieht, könnte die heutige Rallye als das entlarvt werden, was sie möglicherweise ist – ein flüchtiges Aufatmen in einem hochkomplexen Umfeld.
Gestern empfahl ich Ihnen, die Anleiherenditen im Blick zu behalten. Dieser Rat gilt unverändert. Morgen Abend wissen wir mehr.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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