Trumps juristisches Waterloo, Frankfurts Aufatmen und das böse Erwachen beim US-Wachstum

Der US Supreme Court erklärt Trumps Importzölle für rechtswidrig, was den DAX beflügelt. Gleichzeitig dämpfen schwache US-Wachstumsdaten und anhaltende Inflation die Marktstimmung.

Die Kernpunkte:
  • US-Gericht erklärt pauschale Trump-Zölle für unrechtmäßig
  • DAX reagiert mit spürbarem Kursanstieg auf das Urteil
  • US-Wirtschaftswachstum fällt im vierten Quartal deutlich ab
  • Inflation bleibt hartnäckig und verzögert Zinssenkungserwartungen

Liebe Leserinnen und Leser,

es war der Moment, auf den Export-Deutschland seit April gewartet hat – und er kam nicht mit einem Knall, sondern mit dem hölzernen Klopfen eines Richterhammers in Washington D.C. Während die Händler in Frankfurt sich bereits mental auf ein ruhiges Wochenende einstellten, sorgte der US Supreme Court heute Nachmittag für jenen Paukenschlag, der die Monitore noch einmal grün aufleuchten ließ.

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Der DAX sprang, der Euro kletterte, und in den Chefetagen der deutschen Industrie dürfte heute Abend der eine oder andere Sektkorken knallen – wenn auch mit angezogener Handbremse. Denn der Sieg des Rechtsstaats über den Protektionismus schmeckt süß, aber der Beigeschmack der wirtschaftlichen Realität jenseits des Atlantiks bleibt bitter.

Lassen Sie uns die Ereignisse dieses turbulenten Freitags sortieren.

Die 6:3-Klatsche: Das Ende der „Liberation Day“-Zölle

Es ist eine Niederlage historischen Ausmaßes für Donald Trump. Mit einer deutlichen 6:3-Mehrheit hat der Supreme Court heute entschieden, dass der Präsident seine Kompetenzen überschritten hat. Die Begründung von Chief Justice Roberts ist so simpel wie vernichtend: Das International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) von 1977 – Trumps Lieblingswerkzeug, um den wirtschaftlichen Notstand auszurufen und Zölle per Dekret zu verhängen – gibt diese Machtfülle schlicht nicht her.

Was bedeutet das konkret? Die im April 2025 verhängten pauschalen Importzölle sind rechtswidrig. Wir sprechen hier von Rückzahlungen, die sich laut Schätzungen auf 130 bis 175 Milliarden US-Dollar belaufen könnten. Ein Geldregen für Importeure, der auch deutschen Unternehmen zugutekommen dürfte.

Der DAX reagierte prompt und schoss um 0,8 Prozent nach oben, um den Handelstag versöhnlich bei 25.253 Punkten zu beenden – knapp unter dem Rekordniveau vom Mittwoch. Auch der Euro zeigte Stärke und kratzte zeitweise an der Marke von 1,18 US-Dollar. Die Botschaft der Märkte ist unmissverständlich: Die Institutionen der USA funktionieren noch. Die „Checks and Balances“ sind kein Mythos aus dem Politikunterricht, sondern harte Realität.

Die Euphorie-Bremse: Warum die Gefahr nicht gebannt ist

Bevor wir nun in grenzenlosen Optimismus verfallen, lohnt ein Blick auf das Kleingedruckte – und auf die warnenden Stimmen von BDI und DIHK. Volker Treier vom DIHK goss heute Abend bereits Wasser in den Wein: Die Unsicherheit bleibt hoch.

Der Grund? Das Urteil kippt zwar die IEEPA-Zölle, lässt aber andere Instrumente unangetastet. Die Zölle auf Stahl und Aluminium, basierend auf der „Section 232″ zur nationalen Sicherheit, bleiben bestehen. Und Donald Trump wäre nicht Donald Trump, wenn er nicht bereits nach Schlupflöchern suchen würde. Die Administration hat noch die „Section 301″ und andere Hebel in der Hinterhand.

Zudem warnt Richter Brett Kavanaugh in seiner abweichenden Meinung vor einem administrativen „Mess“ bei den Rückerstattungen. Es ist ein Etappensieg für den Freihandel – doch der Handelskrieg ist damit nicht beendet.

Das Stagflations-Gespenst: US-Wirtschaft bremst brutal

Während die Juristen feiern, raufen sich die Ökonomen die Haare. Die heute veröffentlichten BIP-Daten für das vierte Quartal 2025 sind, gelinde gesagt, ernüchternd. Die US-Wirtschaft wuchs nur noch um 1,4 Prozent (annualisiert) – weit entfernt von den erhofften 2,5 bis 3 Prozent.

Der Schuldige ist schnell gefunden: Der 43-tägige „Government Shutdown“ im Oktober und November hat das Wachstum massiv abgewürgt. Doch das eigentliche Problem liegt tiefer. Während das Wachstum einbricht, bleibt die Inflation hartnäckig. Der PCE-Preisindex – das Lieblingsmaß der Fed – stieg im Dezember um 2,9 Prozent im Jahresvergleich, der Kernindex sogar um 3,0 Prozent.

Raphael Bostic von der Atlanta Fed versuchte heute zwar, die Wogen zu glätten („2,2 Prozent Jahreswachstum ist eine ziemlich starke Zahl“), aber die Märkte lesen zwischen den Zeilen: Das Wachstum schwächelt, während die Inflation noch zu hoch für schnelle Zinssenkungen bleibt. Das ist der Nährboden für Stagflation. Die Hoffnung auf eine baldige Zinswende verschiebt sich damit wohl eher in den Sommer – eine Nachricht, die den heutigen Jubel mittelfristig dämpfen könnte.

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Geopolitik: Das Säbelrasseln im Hintergrund

Als wäre die Gemengelage nicht schon komplex genug, wirft die Geopolitik ihren Schatten auf das Parkett. Berichte, wonach Trump einen „begrenzten Militärschlag“ gegen den Iran in Erwägung zieht, um den Druck in den Atomverhandlungen zu erhöhen, sorgten heute Vormittag für Nervosität und hielten den DAX zunächst im Zaum.

Es ist das klassische Trump-Playbook: Eskalation als Verhandlungstaktik. Doch in einem ohnehin fragilen globalen Umfeld ist dies ein Spiel mit dem Feuer, das den Ölpreis und damit die Inflation jederzeit wieder anheizen kann.

Tech & Krypto: Preiskampf und Verfallstage

Ein kurzer Blick noch in den Tech-Sektor: Tesla scheint den Druck im E-Auto-Markt massiv zu spüren. Um den Absatz des futuristischen, aber bislang enttäuschenden Cybertrucks anzukurbeln, hat Elon Musk den Preis für das Einstiegsmodell auf 60.000 Dollar gesenkt. Ein aggressiver Schritt, der zeigt, dass selbst der Marktführer im aktuellen Zinsumfeld um jeden Käufer kämpfen muss.

Am Krypto-Markt herrschte heute derweil Anspannung wegen des Verfalls von Bitcoin-Optionen im Wert von 2 Milliarden Dollar. Der Kurs pendelt lustlos um die 67.000 Dollar – weit entfernt von den Allzeithochs des letzten Herbstes.

Was bleibt?

Dieser Freitag wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem der Supreme Court die Grenzen präsidentieller Macht neu vermessen hat. Für die deutsche Exportwirtschaft ist es ein Tag zum Durchatmen. Doch die Kombination aus schwächelndem US-Wachstum, hartnäckiger Inflation und geopolitischen Zündeleien mahnt zur Vorsicht.

Die Märkte haben heute das Urteil gefeiert. Ab Montag werden sie wieder die Wirtschaftsdaten lesen müssen. Und die erzählen eine deutlich nüchternere Geschichte.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende – hoffentlich frei von Zöllen und bösen Überraschungen.

Herzlichst,

Ihr

Felix Baarz

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