TSMC Aktie: 2,74 Prozent Minus auf 372,50 Euro
Trotz Rekordumsatz im zweiten Quartal fällt die TSMC-Aktie. Anleger fokussieren sich auf Margenentwicklung und steigende Investitionskosten.

- Rekordumsatz von 39,6 Milliarden Dollar
- Kursrückgang um 2,74 Prozent am Montag
- Fokus auf Bruttomarge und Investitionsausgaben
- KI-Nachfrage treibt Kapazitätsengpässe an
Rekordumsatz, und trotzdem geht der Kurs auf Tauchstation. TSMC fällt am Montag um 2,74 Prozent auf 372,50 Euro. Der Grund: Anleger nehmen Gewinne mit und richten den Blick auf die Zahlen, die diese Woche noch kommen.
Umsatzziel erreicht, Marge wird zur Nagelprobe
TSMC meldet für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von rund 1,27 Billionen Taiwan-Dollar, umgerechnet etwa 39,6 Milliarden Dollar. Das sind 36 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Wert liegt leicht über den Analystenschätzungen von 1,264 Billionen Taiwan-Dollar.
Der Umsatzsprung kommt vor allem aus der KI-Nachfrage. Genau das ist aus Sicht vieler Marktbeobachter aber bereits im Kurs eingepreist. Die eigentliche Frage lautet: Wie sieht die Marge aus?
JPMorgan hat seine Erwartung für die Bruttomarge im zweiten Quartal auf 69,5 Prozent angehoben. Das liegt deutlich über der eigenen Prognose von TSMC, die zwischen 65,5 und 67,5 Prozent liegt. HSBC teilt die positive Einschätzung für das laufende Quartal, warnt aber vor der zweiten Jahreshälfte. Der Grund: Der teure Ausbau der Werke in den USA und Japan drückt zunehmend auf die Profitabilität.
„Hot-Run“-Aufschläge zeigen Kapazitätsengpass
Ein Faktor treibt TSMC derzeit besonders an: die extreme Knappheit bei fortschrittlicher Chip-Verpackung und High-End-Fertigung. Manche Kunden zahlen laut Branchenberichten Aufschläge von 50 bis 100 Prozent, nur um ihre Bestellungen vorzuziehen. Diese sogenannten „Hot-Run“-Aufträge zeigen, wie knapp die Kapazitäten wirklich sind.
Die Preismacht von TSMC speist sich direkt aus dem KI-Boom. Konzerne wie Apple und Nvidia sichern sich 2-Nanometer- und 3-Nanometer-Kapazitäten schon Jahre im Voraus. Die Auslastung der 3-Nanometer-Linien soll bis Jahresende über 120 Prozent liegen.
Offen bleibt, ob diese Aufschläge die steigenden Investitionskosten beim Umstieg auf die 2-Nanometer-Technologie wirklich ausgleichen können. Genau darüber streiten sich institutionelle Investoren gerade.
Kurs unter Druck, Volatilität steigt
Der aktuelle Kurs von 372,50 Euro liegt rund 11,4 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 420,50 Euro, das TSMC erst Anfang Juli erreicht hat. Trotz des Rückschlags bleibt seit Jahresbeginn ein Plus von 36,45 Prozent stehen. Auf Sicht von zwölf Monaten steht sogar ein Kursgewinn von über 90 Prozent.
Manche Charttechniker lesen den aktuellen Rückgang als Verschnaufpause nach einer Rally, in der TSMC den breiteren Halbleiterindex PHLX deutlich hinter sich gelassen hat. Der Optionsmarkt preist für den Rest des Juli erhebliche Schwankungen ein. Händler positionieren sich für mögliche Bewegungen der Marktkapitalisierung von bis zu 150 Milliarden Dollar — je nachdem, was das Management zu den Investitionsplänen für 2027 und zum Fortschritt der 2-Nanometer-Produktion sagt.
Was diese Woche zählt
Das Management will in den kommenden Tagen einen aktualisierten Ausblick für das Gesamtjahr geben. Zwei Punkte stehen dabei im Mittelpunkt:
- Investitionsbudget: Bleibt TSMC bei der bisherigen Spanne von 52 bis 56 Milliarden Dollar für 2026, oder wird nachjustiert?
- CoWoS-Kapazität: Wie schnell baut TSMC die Verpackungskapazität aus, um den Engpass bei KI-Beschleunigern zu lindern?
Die Nachfrage nach TSMC-Chips ist ungebrochen hoch. Das reicht dem Markt aber offenbar nicht mehr. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis deutlich über dem historischen Mittel verlangen Anleger einen nahezu fehlerfreien Quartalsbericht, um die Rally fortzusetzen.
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