TSMC Aktie: 3-Nanometer-Wafer um 10 Prozent teurer

TSMC einigt sich mit Großkunden auf höhere Preise für 2027. KI-Chips könnten sich um bis zu 25 Prozent verteuern, Analysten reagieren positiv.

Die Kernpunkte:
  • Preisanstieg für 2027 vereinbart
  • KI-Chips mit bis zu 25 Prozent Aufschlag
  • Apple, Nvidia und Google betroffen
  • Analysten sehen Kursziele optimistisch

Taiwans Halbleiterriese TSMC hat mit seinen wichtigsten Kunden Preiserhöhungen für das Jahr 2027 vereinbart. Nach Angaben von Nikkei Asia haben die Verhandlungen im Juni begonnen und sind im Juli abgeschlossen worden. Betroffen sind sowohl fortschrittliche als auch ausgereifte Fertigungsprozesse – TSMC begründet den Schritt mit steigenden Kosten für Material, Ausrüstung und den Bau neuer Fabriken im Ausland.

Für fortschrittliche Knoten unterhalb von 7 Nanometern, die laut Berichten rund 77 Prozent des Umsatzes im zweiten Quartal 2026 ausmachten, plant TSMC eine Basiserhöhung von 5 bis 10 Prozent. Wer Zusatzaufträge im High-Performance-Computing-Segment über die vereinbarten Mengen hinaus platziert, muss mit einem weiteren Aufschlag von 10 bis 15 Prozent rechnen – in Summe kann sich die Verteuerung bei bestimmten KI-Chips damit der Marke von 25 Prozent nähern. Ausgereifte Prozesse wie 12, 16 und 28 Nanometer verteuern sich um bis zu 10 Prozent, die erste Anhebung in diesem Segment seit mehreren Jahren.

Nvidia, Apple und Co. im Preisradar

Namentlich genannt werden als betroffene Kunden unter anderem Nvidia, Apple, Google, Amazon, Qualcomm, Arm, AMD, Broadcom und MediaTek. Für Apple könnte die Erhöhung besonders spürbar werden: Der A20-Pro-Chip in der kommenden 2-Nanometer-Generation dürfte laut Berichten pro Prozessor zwischen 10 und 20 US-Dollar teurer werden. Apple hatte zuletzt bereits die Preise für Mac und iPad wegen höherer Speicherkosten angehoben und könnte die neuen Fertigungskosten an Kunden weiterreichen. Bei Nvidia wiederum könnte das Unternehmen laut Schätzungen im Jahr 2026 rund 22 Prozent von TSMCs Gesamtumsatz ausmachen, was das Gewicht der HPC-Aufschläge unterstreicht.

Konkret bedeutet die Anhebung: Ein 3-Nanometer-Wafer, der aktuell rund 19.500 US-Dollar kostet, würde nach einer zehnprozentigen Erhöhung auf etwa 21.450 US-Dollar steigen. Ein 2-Nanometer-Wafer liegt bereits jetzt bei rund 30.000 US-Dollar. TSMC-Chairman C.C. Wei stellte klar, dass es sich nicht um drastische Sprünge handle – man werde die Preise nicht „vier- oder fünfmal auf einen Schlag“ anheben. Ein Unternehmenssprecher bezeichnete die Preisstrategie als „strategisch, nicht opportunistisch“. Finanzvorstand Wendell Huang nannte explizit die Expansion in Arizona und die Hochlaufkosten der 2-Nanometer-Fertigung als Belastungsfaktoren für die Profitabilität.

Rekordmarge trifft auf teure US-Expansion

Die Preiserhöhung fällt in eine Phase, in der TSMC bereits außergewöhnlich profitabel arbeitet. Im zweiten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 40,2 Milliarden US-Dollar bei einer Bruttomarge von 67,7 Prozent – ein Rekordwert, getrieben von der starken Nachfrage nach KI-Chips. Das HPC-Segment allein steuerte rund 66 Prozent des Umsatzes bei. Gleichzeitig erhöht der Konzern seine Investitionen kräftig: Für 2026 sind Kapitalausgaben von 60 bis 64 Milliarden US-Dollar vorgesehen, zusätzlich fließen weitere 100 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der Fabriken in Arizona – die Gesamtinvestition dort summiert sich damit auf 265 Milliarden US-Dollar. Fabrikbau in den USA ist laut Berichten vier- bis fünfmal teurer als in Taiwan, was die höheren Preise für 2027 zusätzlich erklärt.

Analysten reagierten überwiegend positiv. Citigroup nennt ein Kursziel von 3.800 taiwanesischen Dollar, Goldman Sachs und Wedbush sehen 3.000 taiwanesische Dollar als fair an. TSMCs eigene Prognose für das Jahresumsatzwachstum 2026 wurde auf über 40 Prozent angehoben.

Anleger honorieren die Preismacht

Am Markt kam die Nachricht gut an. Der Schlusskurs am Dienstag lag bei 372,50 Euro, nachdem die Aktie am Vortag um 5,67 Prozent zugelegt hatte. Damit notiert das Papier praktisch exakt auf seinem 50-Tage-Durchschnitt und hat sich vom jüngsten Rücksetzer sichtbar erholt. Zum 52-Wochen-Hoch von 420,50 Euro, erreicht Anfang Juli, fehlen der Aktie derzeit noch 11,41 Prozent.

Nicht alle Marktteilnehmer sehen die Preiserhöhung risikofrei. Kritiker verweisen auf mögliche Kundenwiderstände, sollten Abnehmer aus preissensitiven Segmenten auf günstigere Alternativen wie Samsungs 2-Nanometer-Prozess ausweichen. Ein kurzfristiger Lieferantenwechsel gilt in der Chipbranche jedoch als unwahrscheinlich, da Fertigungsprozesse eng mit den Designs der Kunden verzahnt sind. TrendForce merkt zudem an, dass Intel Foundry nach Einschätzung von J.P. Morgan von der Preisanhebung nicht signifikant profitieren dürfte – die Wettbewerbsposition von TSMC bleibt damit vorerst unangetastet.

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