TSMC Aktie: ITC-Verfahren Juni/Oktober 2026
Trotz starkem Kursplus und soliden Quartalszahlen belastet ein US-Patentverfahren die Aussichten des Chipgiganten.

- Aktie erreicht neues 52-Wochen-Hoch
- Q1-Zahlen übertreffen eigene Prognosen
- ITC-Verfahren bedroht Chip-Importe
- US-Expansion in Arizona schreitet voran
Elf Prozent in einer Woche, fast 50 Prozent seit Jahresbeginn — TSMC erlebt gerade einen seiner stärksten Kursläufe seit Langem. Ausgerechnet jetzt rückt ein US-Patentverfahren in den Vordergrund, das Chip-Importe des weltgrößten Auftragschipherstellers gefährden könnte.
Starke Zahlen, heikle Rechtslage
Am Donnerstag markierte die Aktie mit 414,00 € ein neues 52-Wochen-Hoch. Zum Wochenschluss notierte sie bei 407,00 €. Der RSI von 66,5 zeigt starken, aber noch nicht überhitzten Schwung.
Hinter der Rally steckt fundamentale Substanz. Im ersten Quartal 2026 erzielte TSMC einen Umsatz von 35,9 Milliarden Dollar — über der eigenen Prognose. Die Bruttomarge lag bei 66,2 Prozent, die operative Marge bei 58,1 Prozent. Beide Werte übertrafen die obere Grenze der Erwartungen.
Allerdings trübt sich das Bild für das zweite Quartal ein. Das kombinierte Umsatzwachstum aus April und Mai lag bei 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Wall-Street-Konsens hatte 35 Prozent erwartet. Ein Q2-Verfehlen ist damit möglich.
Das ITC-Verfahren: Worum es geht
Die US-Handelskommission ITC untersucht eine Patentklage der Unternehmen Longitude Licensing und Marlin Semiconductor. Beide sind in Irland ansässige Tochtergesellschaften von IPValue Management, das wiederum dem Finanzinvestor Vector Capital gehört. Sie werfen TSMC vor, lizenzfreie Fertigungsverfahren zu nutzen.
Das Verfahren betrifft Chips auf TSMCs 7-Nanometer-Knoten und kleineren Prozessen. Als Mitbeklagte stehen Apple, Qualcomm und Broadcom auf der Liste. Eine Vorentscheidung wird für Juni 2026 erwartet, das endgültige Urteil im Oktober.
Nordamerika macht rund 75 Prozent von TSMCs Umsatz aus. Das macht den Ausgang des Verfahrens zum wohl wichtigsten Einzelrisiko für die Aktie in den kommenden Monaten.
Warum Branchenbeobachter gelassen bleiben
Longitude und Marlin sind sogenannte Non-Practicing Entities — Unternehmen, die Patente halten, aber keine eigene Produktion betreiben. Die ITC hat in den vergangenen Jahren solche Klagen deutlich kritischer bewertet und Verfahren, die auf reiner Lizenzerpressung basieren, wiederholt abgewiesen.
Hinzu kommt die politische Dimension. Vier republikanische Kongressmitglieder haben die ITC aufgefordert, Importe von Chips mit Patentverletzungen zu blockieren. Demokratische Senatoren aus Arizona, darunter Ruben Gallego und Mark Kelly, warnten dagegen, ein Importverbot könnte die KI-Entwicklung und die US-Verteidigungsindustrie beschädigen.
Branchenkenner verweisen auf Präzedenzfälle: TSMCs früherer Patentstreit mit GlobalFoundries endete in einem Vergleich. Samsung löste ähnliche Auseinandersetzungen ebenfalls außergerichtlich. Auch der aktuelle Fall dürfte eher am Verhandlungstisch enden als vor Gericht.
Arizona-Expansion läuft auf Hochtouren
Parallel zum Rechtsstreit treibt TSMC seinen US-Ausbau voran. Fab 21 in Arizona produziert bereits in hohem Volumen auf dem 4-Nanometer-Knoten. Die zweite Fabrik wurde im April 2026 fertiggestellt, die kommerzielle Produktion soll in der zweiten Hälfte 2027 starten.
Berichten zufolge erwägt TSMC, den Arizona-Standort auf bis zu zwölf Fabs und vier Packaging-Anlagen auszuweiten — eingebettet in ein 500-Milliarden-Dollar-Abkommen zwischen den USA und Taiwan. Im ersten Quartal 2026 hielt TSMC einen Marktanteil von 72 Prozent unter den zehn größten Auftragsfertigern, die zusammen fast 48 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschafteten.
Diese Marktstellung erklärt die Bewertungsprämie der Aktie. Sie erklärt aber auch, warum das ITC-Urteil im Oktober so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht: Ein Importverbot gegen TSMC wäre kein gewöhnliches Unternehmensrisiko — es wäre ein Systemschock für die globale Chipversorgung.
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