TSMC Aktie: Wettlauf um die Chip-Verpackung

TSMC kämpft mit langen Wartezeiten bei CoWoS, während Intel mit EMIB-T Kunden abwirbt. Die Aktie notiert unter dem Rekordhoch.

Die Kernpunkte:
  • CoWoS-Wartezeit beträgt bis zu 78 Wochen
  • Intel sichert Aufträge von Google und Nvidia
  • TSMC-Gewinn steigt um 77,41 Prozent
  • Unterstützung bei 344 Euro entscheidend

TSMC hat ein Problem, das sich Erfolgsverwöhnte wünschen: zu viele Kunden, zu wenig Kapazität. Die Wartezeit für die firmeneigene CoWoS-Verpackungstechnologie liegt Berichten zufolge bei bis zu 78 Wochen. Bis 2027 ist die Fertigung praktisch ausgebucht. Genau diese Lücke will Intel nun nutzen.

Der Aktienkurs spiegelt die Unsicherheit bereits wider. Am Freitag schloss TSMC bei 352,00 Euro, ein Plus von 0,57 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Minus von 9,86 Prozent zu Buche. Zum Rekordhoch von 420,50 Euro aus dem Juli fehlen mittlerweile 16,29 Prozent.

Die entscheidende Frage

Kann TSMC die Kapazitätslücke schnell genug schließen? Reagiert der Konzern nicht zügig, könnten Top-Kunden aus dem KI-Segment ihre Aufträge dauerhaft zu Wettbewerbern verlagern. Genau das treibt Berichte über eine neue, „EMIB-ähnliche“ Verpackungstechnologie an, die als direkte Antwort auf Intels vergleichbares Angebot gilt.

Bullen-Szenario: Der KI-Superzyklus trägt weiter

Die Investitionswelle der Hyperscaler kennt bislang keine Sättigung. Amazon/AWS hat seine KI-bezogenen Ausgabenpläne jüngst auf 220 Milliarden US-Dollar angehoben. Das signalisiert: Die Nachfrage nach Spitzenchips bleibt hoch.

TSMC selbst lieferte im zweiten Quartal 2026 überzeugende Zahlen. Der Nettogewinn kletterte um 77,41 Prozent, parallel debütierte die neue 2-Nanometer-Fertigung. Taiwans Wirtschaft insgesamt profitiert: Das BIP wuchs im selben Quartal um 12,92 Prozent, angetrieben von einem Exportsprung von 40 Prozent im KI-Bereich.

Analysten sehen im Konsens ein Kursziel von 470,77 Euro – ein Aufwärtspotenzial von 33,7 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Der RSI von 45,3 deutet zudem nicht auf eine überkaufte Aktie hin. Bullen lesen den aktuellen Abstand von 5,55 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt (372,69 Euro) als Verschnaufpause vor der nächsten Aufwärtsbewegung, nicht als Trendwende.

Bären-Szenario: Die 78-Wochen-Falle

Der eigene Erfolg wird für TSMC zur Belastung. Die langen Wartezeiten bei CoWoS haben ein Vakuum geschaffen, das Konkurrenten füllen wollen. Intels EMIB-T-Technologie soll laut Branchenberichten bereits eine Ausbeute von 98 Prozent erreichen – und damit Aufträge von Nvidia, Google und OpenAI gesichert haben.

Besonders bemerkenswert: Google plant den Berichten zufolge, Intels Verpackungstechnologie für seine neunte TPU-Generation einzusetzen. MediaTek fährt bereits zweigleisig und nutzt sowohl TSMC als auch Intel. Das Risiko für TSMC liegt darin, dass aus vorübergehenden Ausweichmanövern dauerhafte Strukturverschiebungen werden könnten.

Technisch zeigt die Aktie ebenfalls Schwäche. Der 7-Tage-Wert liegt bei minus 0,85 Prozent, der Rückzug von den Juli-Höchstständen ist deutlich sichtbar. Verzögert sich die Entwicklung der neuen Verpackungstechnologie, drohen TSMC seine Position als Alleskönner für KI-Chips zu verlieren.

Ausblick: Die Marke von 344 Euro entscheidet

Solange der 100-Tage-Durchschnitt bei 344,78 Euro als Unterstützung hält, bleibt der langfristige Aufwärtstrend intakt – gestützt vom 200-Tage-Durchschnitt bei 303,69 Euro. Eine offizielle Bestätigung neuer Verpackungs-Meilensteine könnte die Sorgen um abwandernde Kunden entschärfen und den Kurs stabilisieren.

Fällt die Aktie dagegen unter die 344-Euro-Marke und bleibt zugleich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 372,69 Euro, wäre das ein Warnsignal für eine tiefere Korrektur. Zwei Termine dürften dabei richtungsweisend sein: die Quartalsdividende von 1,1136 US-Dollar je Aktie mit Ex-Dividenden-Tag am 16. September 2026, sowie die Zahlen von AMD am 4. August. Letztere dürften zeigen, ob der Nachfragedruck auf TSMCs Kapazitäten weiter zunimmt oder sich abschwächt.

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