UBS Aktie: Kelleher droht mit Umzug des Hauptsitzes

Der Schweizer Ständerat verschiebt das UBS-Votum auf den 23. September. Im Streit stehen bis zu 20 Milliarden US-Dollar Zusatzkapital.

Die Kernpunkte:
  • UBS-Abstimmung auf 23. September verschoben
  • Bundesrat verlangt 100 Prozent CET1
  • Zusätzlicher Kapitalbedarf von 20 Milliarden
  • Kelleher akzeptiert möglichen Kompromiss

Eine Grundsatzentscheidung über die künftigen Kapitalvorschriften für die UBS lässt weiter auf sich warten. Nach einer mehrstündigen Debatte vertagte der Schweizer Ständerat gestern die Abstimmung über die Eigenmittelanforderungen für die Großbank auf den 23. September 2026. Zeitgleich sorgte UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher in St. Gallen für Aufsehen: Er warnte davor, dass das Institut seinen Schweizer Hauptsitz überdenken könnte, sollten die regulatorischen Auflagen die internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

An den Finanzmärkten sorgte die Verzögerung für eine verhaltene Reaktion. Im gestrigen Handel legte die UBS-Aktie um 0,4 Prozent auf 44,13 Euro zu. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier damit ein Plus von 11 Prozent.

Ringen um Milliarden für Auslandstöchter

Im Zentrum der parlamentarischen Auseinandersetzung steht die Frage, wie die ausländischen Tochtergesellschaften der UBS künftig mit Eigenkapital unterlegt werden müssen.

Der Bundesrat fordert infolge des Zusammenbruchs der Credit Suisse im Jahr 2023 eine vollständige Deckung von 100 Prozent durch hartes Kernkapital (CET1). Für die Bank würde dies einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 20 Milliarden US-Dollar bedeuten, womit die bisherige Regelung von 45 Prozent deutlich verschärft würde.

Die Parlamentsdebatte verlief ohne Einigung, da die politischen Lager tief gespalten sind. Neben dem Regierungsentwurf liegt ein Minderheitsantrag vor, der eine Deckungsquote von 90 Prozent durch hartes Kernkapital verlangt. Die Vorlage soll nach dem Votum im Ständerat voraussichtlich im Dezember im Nationalrat behandelt werden.

Die politische Debatte hat sich in den vergangenen Tagen merklich verschärft. Finanzministerin Karin Keller-Sutter trat vor dem Ratsplenum auf und kritisierte zuvor ein aggressives Lobbying der Bankspitze gegenüber den Parlamentariern.

Bank signalisiert Bereitschaft für Mischmodell

Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher bezeichnete den zuvor erarbeiteten Kompromissvorschlag der zuständigen Parlamentskommission laut Reuters dennoch als akzeptable Lösung. Dieser Vorschlag sieht vor, dass die Auslandstöchter je zur Hälfte mit CET1-Kernkapital und sogenannten AT1-Anleihen abgesichert werden dürfen. Kelleher betonte, die Bank könne mit diesem Modell leben, auch wenn es zusätzliche Kosten verursache.

Die kommenden Tage bringen nun eine Zerreißprobe für den Finanzplatz Schweiz. Marktbeobachter richten den Blick vor allem darauf, ob sich im Ständerat am 23. September die harte Linie des Bundesrats durchsetzt oder der von der UBS als verkraftbar eingestufte Kompromiss eine Mehrheit findet.

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