UBS Aktie: Professorin fordert 100 Prozent Kernkapital
Streit um UBS-Eigenkapitalregeln: Kritiker fordern volle Unterlegung von Auslandstöchtern, während der Aktienkurs trotz Debatte robust bleibt.

- Kritik an AT1-Anleihen-Regelung
- Forderung nach vollem Kernkapital
- UBS-Aktie trotz Debatte stabil
- Bank baut Bitcoin-Engagement aus
Die Debatte um die künftige Eigenkapitalunterlegung der UBS gewinnt an Schärfe. Die Rechtsprofessorin Corinne Zellweger-Gutknecht warnt in einem Interview mit der NZZ vor einer gefährlichen Verwässerung der geplanten Regulierungsvorlage für die Großbank. Ihr Vorwurf: Ein Vorschlag von Ständeräten um Thierry Burkart erlaube der UBS, Auslandsbeteiligungen zu 50 Prozent mit AT1-Anleihen zu unterlegen – ihr zufolge deutlich zu wenig.
Kritik an AT1-Anleihen als „Fehlkonstruktion“
Zellweger-Gutknecht fordert stattdessen eine vollständige Unterlegung der Auslandtöchter mit hartem Kernkapital. Ihre Begründung: AT1-Anleihen in ihrer heutigen Form seien eine Fehlkonstruktion, weil die Wandlung in Eigenkapital erst greife, wenn die harte Kernkapitalquote unter 7 Prozent falle.
Die UBS weist aktuell eine Quote von 14,4 Prozent aus – ein Abstand, den die Professorin als trügerische Sicherheit einstuft, da im Krisenfall genau jener Puffer entscheidend zähle, der bislang nicht ausreichend abgesichert sei.
Die heutige UBS-Struktur ähnele in ihrer Anfälligkeit derjenigen der untergegangenen Credit Suisse, so ihre pointierte Warnung. Zusammen mit dem Ökonomen Yvan Lengwiler hat sie einen eigenen Gegenvorschlag eingereicht, der auf eine hundertprozentige Eigenkapitalunterlegung der Auslandengagements zielt.
Für Anleger ist die Regulierungsfrage keine akademische Petitesse: Je nachdem, welche Kapitalvorgaben das Parlament am Ende verabschiedet, verändert sich die Ertragskraft der Bank spürbar. Höhere Kapitalanforderungen binden Mittel, die sonst für Dividenden oder Rückkäufe zur Verfügung stünden.
Kursbild bleibt robust trotz regulatorischer Unsicherheit
Der Aktienkurs zeigt sich von der Debatte bislang unbeeindruckt. Am Freitag schloss das Papier bei 46,39 Euro, ein Minus von 0,3 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 36 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt die Aktie 17 Prozent im Plus.
Zum 52-Wochen-Hoch von 48,19 Euro, erreicht im Juli, fehlen der Aktie derzeit lediglich 3,7 Prozent – ein Zeichen, dass Anleger die regulatorischen Risiken bislang nicht als unmittelbare Bedrohung einpreisen.
Weitere Baustellen: Bitcoin-Engagement und Beratergeschäft
Parallel zur Regulierungsdebatte fällt auf, dass die Bank ihre Positionierung im Kryptomarkt deutlich ausgebaut hat. Nach Angaben von CoinDesk erhöhte die UBS ihre Call-Optionen auf den BlackRock iShares Bitcoin Trust zum 30. Juni um das 24-Fache auf 1,95 Millionen zugrunde liegende Aktien.
Die Direktbestände am Fonds stiegen um 12 Prozent auf 407.890 Aktien, während die Put-Optionen um 53 Prozent auf 143.300 Aktien zurückgingen. Offen bleibt, ob hinter dem Aufbau Kundenaufträge oder Absicherungsgeschäfte der Bank selbst stehen. Die UBS bietet ihren Private-Banking-Kunden in der Schweiz mittlerweile direkten Zugang zu Kryptowerten an.
Im US-Vermögensverwaltungsgeschäft zeigt sich derweil ein gemischtes Bild. Die Bank gewann in Tampa ein vierköpfiges Beraterteam von Bank of America Private Bank mit 1,3 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen. Gleichzeitig verlor sie ein Team mit 1,5 Milliarden Dollar an Kundengeldern an RBC Wealth Management in Florida.
Die Fluktuation im Beratergeschäft unterstreicht den intensiven Wettbewerb um vermögende Kunden in den USA – ein Feld, auf dem UBS-Chef Sergio Ermotti eigenen Angaben zufolge weitere Akquisitionen anstrebt, bevor er sein Amt bis 2027 abgeben will.
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