Übernahme-Poker in Wien endet nach 24 Stunden
Steyr Motors' Übernahmegerücht platzt, CATL meldet Rekordgewinn, Mercedes und Porsche leiden unter China-Schwäche. Ein Sektor im Umbruch.

- Steyr Motors: Übernahmeangebot zurückgezogen
- CATL mit Rekordgewinn und Aktienrückkauf
- Mercedes-Benz übertrifft Gewinnerwartungen
- Porsche mit deutlichem Gewinnrückgang
Ein Übernahmegerücht platzt, ein Batteriekonzern feiert Rekordzahlen, ein Sportwagenbauer kämpft mit einbrechenden China-Verkäufen: Die Automobilbranche zeigt diese Woche ihr ganzes Spektrum. Zwischen Steyr Motors‘ geplatzten Übernahmegesprächen und CATLs milliardenschwerem Aktienrückkauf liegen Welten – und genau das macht den Sektor gerade so aufschlussreich.
Steyr Motors: Übernahmefantasie verpufft binnen eines Tages
Der österreichische Rüstungs-Motorenbauer sorgte für die kurioseste Wendung der Woche. Steyr Motors bestätigte Gespräche mit dem US-Drohnenhersteller Red Cat Holdings über ein mögliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien. Zu diesem Zeitpunkt liefen keine weiteren Verhandlungen mehr, hieß es vonseiten des Unternehmens.
Die Geschichte drehte sich innerhalb weniger Stunden komplett. Red Cat zog seinen Vorschlag zurück, ein bindendes Abkommen kam nie zustande. Das Unternehmen erklärte, aktuell liege kein aktives Angebot für Steyr Motors mehr vor – man habe lediglich eine vorläufige, unverbindliche Offerte eingereicht und diese anschließend wieder zurückgezogen.
Das Hin und Her trifft eine ohnehin schon volatile Aktie. Der Titel fiel unter seine 200-Tage-Linie bei 37,98 Euro, notierte zuletzt aber bei 39,00 Euro – ein Plus von 3,23 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht sogar ein Zugewinn von 13,17 Prozent zu Buche, auf Monatssicht von 21,95 Prozent. Vom Rekordhoch bei 59,00 Euro aus dem vergangenen Sommer bleibt die Aktie mit -33,90 Prozent dennoch weit entfernt. Der nächste Zahlenausweis zum zweiten Quartal wird Mitte August erwartet – dann dürfte auch klar werden, ob das Übernahmekapitel wirklich beendet ist.
CATL: Rekordgewinn, Rekord-Rückkauf
Der chinesische Batteriegigant lieferte die mit Abstand stärksten Zahlen der Woche. Der Nettogewinn im ersten Halbjahr kletterte um 42 Prozent auf 43,3 Milliarden Yuan, der Umsatz wuchs um 54,8 Prozent auf 276,9 Milliarden Yuan. Die bestehende Produktionskapazität liegt bei 525 Gigawattstunden bei einer Auslastung von 94,9 Prozent, weitere 764 Gigawattstunden befinden sich im Bau.
Parallel zu den Zahlen verkündete CATL ein beispielloses Kapitalrückführungsprogramm. Der Rückkaufplan im Volumen von bis zu 40 Milliarden Yuan ist der größte in der Geschichte chinesischer A-Aktien und übertrifft damit deutlich frühere Rekorde aus der Elektronikbranche. Das Management ließ an der eigenen Einschätzung keinen Zweifel: Entwicklung, Finanzlage, Profitabilität und Marktposition würden sich stetig verbessern, der aktuelle Aktienkurs sei durch Marktturbulenzen unterbewertet.
Der eigentliche Wachstumstreiber liegt inzwischen jenseits der reinen Autobatterie. Das Energiespeichergeschäft wuchs um 87,54 Prozent auf 53,26 Milliarden Yuan Umsatz, bei einer Bruttomarge von 23,96 Prozent. An der Börse in Shenzhen zeigt sich die Zuversicht der Anleger deutlich: Die Aktie legte binnen sieben Tagen um 7,72 Prozent zu und notiert aktuell bei 401,01 CNY, rund 2,60 Prozent über dem Vortagesschluss. Ein Wermutstropfen bleibt die Regulatorik: Ab September wird auf Lithium-Ionen-Batterien in China eine Verbrauchssteuer fällig, die schrittweise steigt, während die Exportsteuerrückerstattung parallel gekürzt wird.
Mercedes-Benz: Gewinn übertrifft Erwartungen, China bleibt Sorgenkind
Die Stuttgarter legten am Dienstag Zahlen vor, die trotz gedämpfter Erwartungen positiv überraschten. Der Quartalsgewinn stieg um 13 Prozent auf 1,086 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT kletterte um 16 Prozent auf 2,299 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis wuchs um 22 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro.
China bleibt dabei die offene Wunde. Die Quartalsverkäufe brachen dort um 30 Prozent ein – ein Rückgang, der Mercedes zur Anpassung der Jahresprognose zwang. Statt einer Stagnation rechnet der Konzern nun mit einem leichten Rückgang bei Absatz und Umsatz für 2026. Im operativen Ergebnis steckt zudem ein Einmaleffekt: 844 Millionen Euro an Bewertungsanpassungen im Zusammenhang mit dem China-Geschäft, ausgelöst durch niedrigere erwartete Gewinnbeiträge der dortigen Joint Ventures.
Die Börse reagierte dennoch erleichtert. Die Aktie sprang um mehr als 5 Prozent nach oben, aktuell notiert sie bei 46,95 Euro – ein Plus von 3,18 Prozent zum Vortag und von 7,76 Prozent auf Monatssicht. Der Konzern hob zudem seine Prognose für den Anteil elektrifizierter Fahrzeuge am Gesamtabsatz an, von zuvor 21 bis 23 Prozent auf nun 23 bis 25 Prozent. Konzernchef Ola Källenius setzt zusätzlich auf weitere Kostensenkungen in Deutschland sowie auf frische Modelle wie die überarbeitete S-Klasse und einen neuen elektrischen GLC, um im zweiten Halbjahr wieder Schwung aufzunehmen.
Stellantis: Portfolio-Bereinigung vor den Quartalszahlen
Der Multimarkenkonzern nutzte die Tage vor seinem eigenen Zahlenausweis für eine strategische Weichenstellung. Stellantis und Mutares einigten sich auf den Verkauf der gesamten Beteiligung an der Carsharing-Sparte Free2move, die Flotten in 14 Städten in Europa und den USA betreibt.
Der Schritt passt in eine breitere Linie disziplinierter Kapitalallokation. Er folgt der im Rahmen der Strategie „FaSTLane 2030“ festgelegten Fokussierung auf jene Regionen, Marken und Technologien, die die stärksten Renditen versprechen. Konzernvertreter begründeten den Verkauf mit der Stärkung der Kernaktivitäten im Automobilgeschäft; der Abschluss der Transaktion wird bis Ende 2026 erwartet, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen.
Die Stimmung rund um die Aktie bleibt trotzdem angespannt. Piper Sandler stufte Stellantis von Overweight auf Underweight zurück und senkte das Kursziel drastisch von 14 auf 4 US-Dollar – begründet mit dem Balanceakt zwischen staatlichen Auflagen, Gewerkschaftsforderungen und dem Wettbewerbsdruck durch vertikal integrierte chinesische Marken. Die Aktie selbst notiert bei 5,07 Euro, ein Plus von 1,59 Prozent zum Vortag, liegt aber seit Jahresbeginn noch immer 46,34 Prozent im Minus. Die Quartalszahlen folgen morgen, Optionsmärkte preisen dafür einen deutlichen Kursausschlag ein.
Porsche AG: Halbjahresumsatz und Gewinn brechen ein
Die Zuffenhausener präsentierten am heutigen Mittwoch ihre Halbjahreszahlen – und die fallen deutlich schwächer aus als im Vorjahr. Der Konzernumsatz sank auf 18,16 Milliarden Euro von zuvor 19,46 Milliarden Euro, vor allem wegen geringerer Fahrzeugverkäufe, teilweise abgefedert durch positive Preiseffekte. Das operative Ergebnis brach von 3,06 Milliarden Euro auf 1,01 Milliarden Euro ein, der Gewinn nach Steuern fiel von 2,15 Milliarden Euro auf 724 Millionen Euro.
Hinter den Zahlen steckt vor allem ein China-Kollaps historischen Ausmaßes. Von einem Höchststand von 95.700 ausgelieferten Fahrzeugen im Jahr 2021 sanken die China-Verkäufe über 79.300 (2023) und 56.900 (2024) auf zuletzt nur noch 41.900 Einheiten im Jahr 2025 – ein Rückgang von 56 Prozent binnen vier Jahren, der sich 2026 weiter fortsetzt. Konzernweit sanken die Auslieferungen im ersten Halbjahr um 6,1 Prozent auf 146.391 Fahrzeuge.
Die schwachen Zahlen bauen auf einer bereits laufenden Restrukturierung auf. Management und Arbeitnehmervertreter einigten sich darauf, bis 2035 rund 9.000 Stellen abzubauen – ohne betriebsbedingte Kündigungen, dafür mit verlängertem Beschäftigungs- und Standortschutz während der Übergangsphase. Für das Gesamtjahr hält Porsche an seiner Prognose von 35 bis 36 Milliarden Euro Umsatz und einer operativen Umsatzrendite von 5,5 bis 7,5 Prozent fest, garniert mit Einmaleffekten im hohen dreistelligen Millionenbereich. Trotz des Drucks investiert der Konzern weiter in neue Modelle, darunter ein vollelektrischer Cayenne.
Die Analystenreaktionen fielen entsprechend zurückhaltend aus. UBS senkte das Kursziel von 46 auf 44 Euro, JPMorgan sogar von 64 auf 58 Euro. Die Aktie selbst zeigte sich davon zuletzt unbeeindruckt und notiert bei 45,00 Euro, ein Plus von 2,32 Prozent zum Vortag – während sie auf Wochensicht mit -2,60 Prozent im Minus liegt.
Sektordynamik: Ein Markt, zwei Geschwindigkeiten
Die fünf Werte zeigen, wie weit sich die Autowelt inzwischen auseinanderentwickelt hat. CATL, an der Schnittstelle von Fahrzeugbatterie und Netzspeicher positioniert, verbindet zweistelliges Gewinnwachstum mit einer Rekord-Kapitalrückführung – ein Kunststück, das kaum ein klassischer Autobauer nachahmen kann. Mercedes-Benz beweist, dass selbst mitten in einer echten China-Krise diszipliniertes Kostenmanagement und ein starker E-Modellzyklus noch Gewinnwachstum ermöglichen, auch wenn die Umsatzprognose gekappt werden musste.
Stellantis und Porsche befinden sich beide im Portfolio-Rückbau, allerdings aus unterschiedlichen Motiven:
- Stellantis trennt sich von Randgeschäften wie Carsharing, um sich aufs Kerngeschäft Automobil zu konzentrieren
- Porsche vollzieht einen schmerzhafteren strukturellen Rückzug von der früheren All-in-E-Auto-Strategie, verschärft durch die anhaltende China-Schwäche
- Steyr Motors zeigt, wie schnell spekulative Nebenwerte-Geschichten kippen können – binnen 24 Stunden vom Übernahmekandidaten zurück zur Ausgangslage
- CATL und Mercedes-Benz stehen für die beiden Enden des Spektrums: explosives Wachstum versus disziplinierte Schadensbegrenzung
Der rote Faden durch alle fünf Werte bleibt die China-Exposure. Während CATL von der dominanten chinesischen Fertigungsbasis profitiert, kämpfen Mercedes-Benz, Porsche und in geringerem Maße auch Stellantis mit schwindender Nachfrage im einst lukrativsten Wachstumsmarkt.
Autobranche zwischen Batterie-Boom und Verbrenner-Rückzug
Die kommenden Tage bringen weitere Klarheit. Stellantis meldet morgen seine Quartalszahlen, Optionsmärkte preisen dafür einen spürbaren Kursausschlag im einstelligen Prozentbereich ein. Steyr Motors‘ nächster Zahlenausweis Mitte August dürfte zeigen, ob das geplatzte Übernahmekapitel wirklich abgeschlossen ist oder neue Impulse liefert. Porsches Restrukturierung – insbesondere wie schnell sich Stellenabbau und die 2035-Strategie in einer Margenerholung niederschlagen – bleibt eine mehrjährige Geschichte statt eines Einzelquartal-Ereignisses. Bei CATL richtet sich der Blick auf die konkrete Umsetzung des Rückkaufprogramms und darauf, ob das Energiespeichergeschäft die neue Batteriesteuer auffangen kann. Mercedes-Benz muss im zweiten Halbjahr beweisen, dass frische Modelle wie der elektrische GLC die anhaltende China-Schwäche kompensieren können.
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