Unicredit Aktie: 2,2 Prozent Minus nach Klingbeil-Gespräch
Berlin verlangt bei einer möglichen Commerzbank-Übernahme Eigenständigkeit, Beschäftigungsschutz und Mittelstandskredite; UniCredit bereitet das Angebot vor.

- Berlin fordert Schutz für Commerzbank-Beschäftigte
- Eigenständigkeit des Frankfurter Instituts verlangt
- RBC warnt vor Integrationskosten
- Umtauschangebot gesellschaftsrechtlich vorbereitet
Die Verhandlungen über eine Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit treten in eine neue Phase. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil traf sich gestern in Berlin mit UniCredit-Chef Andrea Orcel zu einem ersten Gespräch. Dabei übermittelte die Bundesregierung klare Auflagen für einen möglichen Zusammenschluss.
An den Finanzmärkten sorgten die politischen Leitplanken und damit verbundene Integrationsrisiken für Zurückhaltung: Die UniCredit-Aktie notiert heute bei 82,47 Euro, was einem Minus von 2,2 Prozent entspricht.
Der Berliner Forderungskatalog
Die Bundesregierung, die rund 12 Prozent an der Commerzbank hält, formuliert klare Bedingungen für eine Unterstützung der Transaktion. Das Institut soll als eigenständige, börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main erhalten bleiben. Zudem fordert Berlin eine lückenlose Fortführung der Kreditversorgung für den deutschen Mittelstand im In- und Ausland.
Ein weiterer zentraler Pfeiler der Berliner Verhandlungsposition betrifft die Belegschaft. Klingbeil verlangt verlässliche Zusicherungen zum Schutz der über 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Commerzbank, um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.
Des Weiteren strebt der Bund an, künftig mit zwei Sitzen im Aufsichtsrat vertreten zu sein. Sowohl der Bundesfinanzminister als auch Andrea Orcel bezeichneten den ersten direkten Austausch als konstruktiv.
Analysten warnen vor Integrationskosten
Trotz der politischen Annäherung blicken Marktbeobachter vorsichtig auf die finanziellen Folgen der Konsolidierung. Die kanadische Bank RBC Capital Markets nahm heute die Beobachtung der UniCredit mit der Einstufung „Sector Perform“ und einem Kursziel von 90 Euro auf.
Analyst Pablo de la Torre Cuevas begründet den Bewertungsabschlag gegenüber anderen europäischen Branchenwerten mit schwer kalkulierbaren Gewinnperspektiven sowie Risiken für die kurzfristige Kapitalentwicklung.
Höhere Ausgaben für die Zusammenführung der beiden Institute könnten einen Teil des Rückenwinds aus dem Zinsumfeld aufzehren. Im ungünstigsten Szenario droht eine Übernahme die Kernkapitalquote des Konzerns vorübergehend unter die Zielmarke des Managements zu drücken. Das Analysehaus Bank of America bleibt hingegen optimistischer und bestätigt seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 113 Euro.
Vorbereitung des Umtauschangebots läuft
UniCredit schuf bereits die formellen gesellschaftsrechtlichen Voraussetzungen für die weiteren Transaktionsschritte. Der Mailänder Vorstand beschloss eine Sachkapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts, die für das freiwillige öffentliche Umtauschangebot auf alle noch ausstehenden Commerzbank-Stammaktien reserviert ist. Die entsprechende Statutenänderung wurde im Mailänder Handelsregister eingetragen.
Durch das Vorhaben entstünde eine gemeinsame Bankengruppe mit einer Bilanzsumme von über 1,3 Billionen Euro. Mit einem Börsenwert von 135,81 Milliarden Euro zählt UniCredit zu den Schwergewichten der europäischen Finanzbranche, muss sich bei den kommenden Verhandlungen jedoch an den engen Vorgaben der deutschen Politik messen lassen.
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