UniCredit: Staatsanwaltschaft weist Commerzbank-Anzeige zurück

Frankfurter Staatsanwaltschaft weist Strafanzeige zurück. UniCredit plant milliardenschwere Kostensenkungen bei der Commerzbank und treibt die Integration voran.

Die Kernpunkte:
  • Strafanzeige gegen UniCredit abgewiesen
  • Kostensenkungen von 1,2 Milliarden geplant
  • Commerzbank-Integration in drei bis vier Jahren
  • UniCredit-Aktie nahe 52-Wochen-Hoch

Der Expansionskurs der italienischen Großbank UniCredit hat am heutigen Samstag eine wichtige juristische Klärung erfahren. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft lehnte eine Strafanzeige von Mitarbeitern der Commerzbank ab, die sich gegen die Übernahmeaktivitäten der Italiener richtete. Damit festigt UniCredit-Chef Andrea Orcel seine Position für die angestrebte Integration des deutschen Instituts, während gleichzeitig Details zu seinem strikten Effizienz-Fahrplan bekannt werden.

Staatsanwaltschaft weist Anzeige zurück

Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung stand der Vorwurf, UniCredit habe die Annahmequoten im Rahmen der Übernahmebemühungen künstlich aufgebläht. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft sah nach Prüfung der Vorwürfe jedoch keine ausreichenden Belege für eine Straftat und wies die Klage der Commerzbank-Belegschaft ab. Dieser Schritt verringert den Spielraum für den Widerstand gegen den Einstieg der Italiener erheblich.

Während die rechtliche Flanke vorerst gesichert scheint, wächst der Fokus auf die operative Strategie von Andrea Orcel. Medienberichten zufolge plant der UniCredit-CEO massive Kostensenkungen bei der Commerzbank in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Dies entspräche etwa einem Fünftel der gesamten Kostenbasis des Frankfurter Instituts. Ziel ist es, die Commerzbank innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre mit der UniCredit-Tochter HypoVereinsbank (HVB) zu verschmelzen.

Orcels Effizienz-Blueprint für Frankfurt

Die Ambitionen des UniCredit-Chefs stützen sich auf eine konsequente Umgestaltung des eigenen Hauses in den vergangenen Jahren. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2021 hat Orcel die Belegschaft der UniCredit um 20 Prozent reduziert und die Hierarchieebenen von ehemals neun auf vier gestrafft. Diese Maßnahmen führten dazu, dass die Aufwand-Ertrag-Quote der UniCredit von 52 Prozent auf zuletzt 34 Prozent sank.

Für die Commerzbank peilt Orcel eine Senkung dieser Quote von derzeit rund 50 Prozent auf 37 Prozent bis zum Jahr 2030 an. Damit würde das Institut deutlich effizienter arbeiten als der Durchschnitt der europäischen Banken, den die EZB derzeit mit etwa 55 Prozent angibt.

Neben den Kostensenkungen setzt das Management auf strategische Partnerschaften, wie etwa die Kooperation mit der griechischen Alpha Bank, bei der verstärkt auf künstliche Intelligenz gesetzt wird, um jährliche Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich zu realisieren.

Politische Stabilität und Portfolio-Strategie

Flankiert werden die Bestrebungen von einer positiven Einschätzung der italienischen Regierung zur heimischen Bankenlandschaft. In einem Interview betonte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Bedeutung der Stabilität für den Wirtschaftsstandort. Sie verwies darauf, dass der Spread – der Risikoaufschlag für italienische Staatsanleihen – deutlich gesunken sei und das Land 2024 zum Primärüberschuss zurückkehren konnte.

Meloni unterstrich dabei die italienischen Wurzeln der UniCredit, während sie gleichzeitig die Identität der Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) gewahrt sehen möchte.

Parallel dazu zeichnet sich eine Verschiebung in den Wertpapierdepots der großen italienischen Institute ab. UniCredit und Wettbewerber wie Intesa Sanpaolo reduzieren Medienberichten zufolge ihre Bestände an französischen Staatsanleihen (OAT) zugunsten spanischer Papiere.

In den Halbjahresbilanzen 2026 überstiegen die Bestände spanischer Staatsanleihen mit insgesamt 47,9 Milliarden Euro erstmals das Volumen französischer Titel. Bei UniCredit machen heimische Staatsanleihen derzeit etwa 33 Prozent des Portfolios aus.

An der Börse reflektiert die Bewertung das Vertrauen in die Strategie des Managements. Die Aktie notierte zum Wochenabschluss bei 85,29 Euro und damit nur hauchdünn unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 85,96 Euro.

Seit Jahresbeginn konnte das Papier bereits um 20 Prozent zulegen, was die Rolle der UniCredit als einer der profitabelsten Akteure im europäischen Bankensektor unterstreicht. Im vergangenen Geschäftsjahr 2025 erzielte das Institut einen Rekordüberschuss von 10,6 Milliarden Euro, eine Steigerung von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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