Unilever Aktie: Schwächelndes Volumen verdirbt Laune

Im dritten Quartal übertraf Unilever die Umsatzprognose, während das Mengenplus gegenüber dem Vorquartal deutlich zurückging.

Die Kernpunkte:
  • Organischer Umsatz legte um 5,2 Prozent zu
  • Absatzmengen wuchsen langsamer als im Vorquartal
  • Unilever erwartet mindestens drei Prozent Mengenwachstum
  • Foods-Zusammenführung benötigt noch Aktionärs- und Behördenzustimmung

Starkes Umsatzplus, trotzdem Kursverluste: Unilever hat im dritten Quartal die Erwartungen übertroffen, doch die Anleger schauen auf die Qualität des Wachstums. Die Aktie gab im frühen Londoner Handel rund drei Prozent nach und fiel zeitweise auf 47,31 Pfund.

Wachstum mit Schönheitsfehlern

Der Umsatz stieg um 6,7 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. Organisch, also währungs- und portfoliobereinigt, legten die Erlöse um 5,2 Prozent zu. Analysten hatten mit etwa 4,8 Prozent gerechnet. Die Verkaufsmengen wuchsen um 2,9 Prozent, Preiserhöhungen trugen 2,3 Prozent bei. Treiber war die Nachfrage in Wachstumsmärkten wie Indien, auch Südamerika und Südostasien liefen robust.

Das Problem: Im zweiten Quartal hatte das Mengenwachstum noch bei 5,5 Prozent gelegen. Genau diese Kennzahl hatte der Markt im Blick. Die Abschwächung wiegt für viele schwerer als die Überraschung beim Umsatz.

Hinzu kommen Schwachstellen in einzelnen Sparten. Der Bereich Wellbeing sank im Quartal im hohen einstelligen Prozentbereich, teils wegen verschobener Lieferungen rund um den Amazon Prime Day, die das zweite Quartal begünstigt hatten. Das Nahrungsmittelgeschäft stagnierte nahezu, Europa verzeichnete ein Minus von 1,7 Prozent.

Prognose angehoben, Foods-Abspaltung im Plan

Für 2026 erwartet der Konzern weiterhin organisches Umsatzwachstum innerhalb der mittelfristigen Spanne von vier bis sechs Prozent. Die bereinigte operative Marge soll moderat über dem Vorjahreswert von 20 Prozent liegen. Neu ist die Mengenprognose: mindestens drei Prozent Wachstum. Für die zweite Jahreshälfte stellt Unilever rund fünf Prozent organisches Plus in Aussicht.

Die Nahrungsmittelsparte mit Marken wie Knorr und Hellmann’s soll mit dem US-Unternehmen McCormick zusammengeführt werden. Die im März angekündigte Transaktion sei auf gutem Weg, hieß es. Es fehlen noch die Zustimmung der McCormick-Aktionäre und die der Regulierer.

Gespaltenes Analystenbild

Die Aktie hatte sich vor den Zahlen nahe Mehrmonatshochs bewegt, Marktbeobachter sehen daher einen „Sell the news“-Effekt. Am Vortag schloss das Papier bei 48,93 Pfund, der Tagestiefstand lag zeitweise bei 47,36 Pfund.

Die Einschätzungen gehen weit auseinander. UBS senkte Anfang Oktober das Kursziel auf 43,90 Pfund und bleibt bei „Sell“. Bernstein hält dagegen an „Buy“ mit einem Ziel von 58 Pfund fest. Zwischen beiden Lagern liegen fast 15 Pfund.

Obendrein sorgte der Rücktritt von Verwaltungsrätin Ruby Lu am 24. Oktober für Bewegung im Kontrollgremium. Ob Unilever das Mengenwachstum im Schlussquartal wieder beschleunigt, zeigt sich bei den nächsten Zahlen. Das Management peilt dafür rund fünf Prozent organisches Wachstum im zweiten Halbjahr an.

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