UnitedHealth verdient mehr mit weniger Kunden, J&J wird trotz Gewinnplus abgestraft

UnitedHealth hebt die Gewinnprognose an, während Goldman Sachs starke Quartalszahlen meldet; bei J&J bremst die Medizintechnik.

Die Kernpunkte:
  • UnitedHealth erhöht Gewinnziel für 2026
  • Versichertenzahl bei UnitedHealth gesunken
  • Goldman-Gewinn übertrifft Konsens um 30 Prozent
  • J&J-Medizintechnik bleibt hinter Erwartungen

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Berichtssaison hat heute ihre ersten echten Gewinner und Verlierer außerhalb der Bankenwelt produziert. UnitedHealth hebt zum dritten Mal in diesem Jahr die Gewinnprognose an und führt den Dow Jones an.

Johnson & Johnson übertrifft die Gewinnschätzungen ebenfalls, wird aber für ein schwaches Medizintechnik-Geschäft abgestraft. Meine These: Eine übertroffene Schätzung allein zählt nicht. Entscheidend ist, ob das Kerngeschäft Preissetzungsmacht und Kostendisziplin zugleich beweist.

UnitedHealth: Schrumpfen als Gewinnstrategie

UnitedHealth hat im dritten Quartal bereinigt 4,69 Dollar je Aktie verdient, der Konsens lag bei rund 4,12 bis 4,15 Dollar. Das entspricht einem Plus von gut 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Der Umsatz lag mit 112,7 Milliarden Dollar leicht über den Erwartungen, aber minimal unter dem Vorjahr. Die eigentliche Nachricht steckt in der medizinischen Kostenquote: Sie sank auf 88,4 Prozent nach 89,9 Prozent im Vorjahr, also um 150 Basispunkte.

Die Prognose für den bereinigten Gewinn je Aktie 2026 steigt auf mindestens 20,50 Dollar, zuvor galten 19,50 bis 20,00 Dollar. Dafür schrumpft UnitedHealth bewusst: Die Zahl der Versicherten fiel von 50,1 auf 48,3 Millionen.

Die Aktie legte im US-Handel zeitweise rund 5 Prozent zu und setzte sich an die Spitze des Dow Jones. Mizuho stuft den Titel mit „Outperform“ und einem Kursziel von 493 Dollar ein.

Für Anleger ist UnitedHealth der Beweis, dass ein Unternehmen auch bei fallendem Umsatz Gewinner der Saison sein kann, wenn es unprofitable Kunden abgibt und die Kosten unter Kontrolle hält. UnitedHealth hat bis zum dritten Quartal 5,0 Milliarden Dollar in eigene Aktien gesteckt und erwartet für 2026 Dividenden von über 8 Milliarden Dollar. Der nächste Prüfstein für den Sektor folgt am 6. November mit den Zahlen von Humana.

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Johnson & Johnson: Pharma trägt, Medtech bremst, die Orthopädie geht

Johnson & Johnson liefert ein Quartal, das gut aussieht und trotzdem bestraft wird. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 5,9 Prozent auf 25,4 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 2,59 Dollar leicht über dem Konsens von rund 2,53 Dollar, aber unter dem Vorjahr.

Berichtet (GAAP) brach der Nettogewinn auf 210 Millionen Dollar ein. Grund ist eine Sonderbelastung von rund 5,5 Milliarden Dollar für den Vergleich in den Talkum-Klagen.

Die Pharmasparte wuchs um 7,7 Prozent auf 16,76 Milliarden Dollar, getragen vom Psoriasis-Mittel Tremfya mit plus 68 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar. Die Medizintechnik legte dagegen nur um 2,5 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar zu und verfehlte die Erwartungen.

Finanzchef Joe Wolk nannte den Nahost-Konflikt als Belastung: In Kuwait, den Emiraten und Saudi-Arabien wandern Budgets in die Verteidigung. Die Jahresprognose stieg trotzdem auf 11,05 bis 11,15 Dollar bereinigten Gewinn je Aktie.

Die J&J-Aktie notiert im deutschen Handel aktuell rund 7 Prozent tiefer bei etwa 220 Euro, nach einem Jahreshoch von 242,55 Euro Anfang September. Strategisch ist die Richtung klar: Die Orthopädie-Sparte DePuy Synthes soll Mitte 2027 abgespalten werden, Wolk bevorzugt den Spin-off gegenüber einem Verkauf. Bloomberg berichtet, Apollo verhandle über einen Kauf für nahe 20 Milliarden Dollar. Details folgen am Investorentag am 8. Dezember.

Wer J&J hält, erlebt derzeit einen seltenen Rücksetzer in einer Aktie, die seit Jahresbeginn noch 25 Prozent im Plus liegt. Die Frage ist, ob der Markt die Talkum-Belastung und die Medtech-Schwäche als einmalig liest oder als Beginn einer Margenverengung. Mit dem Onkologie-Ziel von über 50 Milliarden Dollar Umsatz bis 2030 bleibt Pharma das Argument für den Titel.

Banken: Goldman glänzt, die Geschäftsbanken liefern Mittelmaß

Abseits von Tech und Energie wird das Gewinnwachstum dünn, und die Banken haben es heute vorgeführt. Die Konsensschätzung für das Gewinnwachstum im S&P 500 liegt für das dritte Quartal bei fast 30 Prozent. Ohne Technologie und Energie schrumpft diese Zahl laut Bank of America auf 7 Prozent, nach 12 Prozent im zweiten Quartal. Für den Finanzsektor erwartet FactSet sogar nur 3,0 Prozent.

Genau dieses Bild lieferten die Banken heute. JPMorgan verfehlte mit bereinigt 5,75 Dollar je Aktie den Konsens, Wells Fargo enttäuschte beim Umsatz. Citigroup übertraf mit 2,85 Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie die Erwartung deutlich, die Aktie gibt dennoch nach.

Goldman Sachs war die Ausnahme. Der Gewinn je Aktie von 17,01 Dollar lag rund 30 Prozent über dem Konsens, der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 18,68 Milliarden Dollar. Der Aktienhandel allein brachte 6,44 Milliarden Dollar, ein Plus von 72 Prozent.

Die Quartalsdividende steigt um 25 Prozent auf 5,00 Dollar. Bemerkenswert: Goldman kaufte im Quartal für 3 Milliarden Dollar Aktien zu durchschnittlich 1.048,73 Dollar zurück, die Aktie notiert aktuell um 900 Dollar und damit deutlich darunter.

Die Lehre für das Depot: In dieser Saison zahlt der Markt nicht für übertroffene Schätzungen, sondern für sichtbare Kostendisziplin und Preissetzungsmacht bei Kreditkosten, die so hoch sind wie seit über zwei Jahrzehnten nicht. UnitedHealth und Goldman liefern das, J&J und die Geschäftsbanken nur teilweise.

Streik in Chile: Warum der Kupfer-ETC die sauberere Wette ist

Wer auf ein knapperes Kupferangebot setzen will, sollte nicht zur Aktie des bestreikten Förderers greifen. Bei Antofagastas Mine Centinela in Chile streiken seit dem 7. Oktober zwei Gewerkschaften. Sie vertreten über die Hälfte der kritischen Betreiber und über 60 Prozent des Wartungspersonals.

Die Gewerkschaften erwarten bei Fortsetzung einen Produktionsrückgang von rund 50 Prozent im November. Antofagasta hält an der Produktionsprognose fest und kommentiert die Schätzung nicht. Bei Codelcos El Teniente starben am 11. Oktober zwei Vertragskräfte bei einem Unfall.

Dazu kommt ein strukturelles Risiko: Société Générale warnt vor El-Niño-Effekten 2026/27 im Kupfergürtel von Kongo und Sambia. Die Bank sieht das Angebotswachstum im ersten Halbjahr 2027 bestenfalls stagnieren.

Schon jetzt hinken beide Länder dem Konsens hinterher: Für Kongo waren 2026 plus 200.000 Tonnen erwartet, bisher sind es rund 90.000. Der Kupferpreis hält sich um 6,75 Dollar je Pfund.

Die Antofagasta-Aktie liegt im deutschen Handel aktuell rund 3 Prozent tiefer bei etwa 43,75 Euro, das Jahreshoch stammt vom Februar bei 51,96 Euro. Wer das Angebotsrisiko spielen will, steht vor einem Widerspruch: Der Streik stützt den Kupferpreis, belastet aber genau den Produzenten, bei dem er stattfindet. Ein Kupfer-ETC bildet das Angebotsthema sauberer ab als die Aktie des bestreikten Förderers.

Tudor Jones und die Anleihen: Warum 2027 schon jetzt gehandelt wird

Einer der bekanntesten Hedgefonds-Manager der Welt rechnet bereits mit dem nächsten Jahr ab. Paul Tudor Jones hat heute auf CNBC ein schwieriges Jahr 2027 für Aktien angekündigt.

Sein Argument ist das Angebot an Aktien: Börsengänge von Anthropic und OpenAI, dazu Zweitplatzierungen für den KI-Ausbau, nach dem kürzlich abgeschlossenen SpaceX-Deal. Er erwartet das negativste Kapitalflussbild seit 2002 und zieht Parallelen zu 1999. Jones setzt auf steigende Ölpreise, erwartet nach den US-Zwischenwahlen weitere 20 bis 25 Dollar Anstieg und will 2027 durchgehend auf fallende Aktienkurse setzen.

Der Anleihemarkt liefert den Hintergrund. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte vergangene Woche 5,36 Prozent, den höchsten Stand seit 2002, und liegt aktuell um 5,20 Prozent. Laut Reuters haben Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle 2026 bereits rund 220 Milliarden Dollar Anleihen begeben, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Die Fondsmanager-Umfrage der Bank of America zeigt: Erst bei fast 6 Prozent Rendite würde Kapital in großem Stil aus Aktien abfließen. Zugleich nennt die Umfrage die Rechenzentrumsausgaben der KI-Konzerne als größtes Kreditrisiko.

Wer Jones folgt, muss nicht sofort verkaufen. Die Geldflüsse zeigen bereits den Weg: Im September flossen 14,5 Milliarden Dollar in kurzlaufende US-Staatsanleihenfonds, während Unternehmens- und Hochzinsfonds Abflüsse sahen. Mit über 5 Prozent sicherer Rendite ist die Beimischung kurzer US-Laufzeiten die einfachste Absicherung gegen das Szenario, das Jones zeichnet.

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Der globale Kompass

Die Saison belohnt in dieser Woche Kostendisziplin, nicht Wachstum um jeden Preis, und sie bestraft jede Sparte, die den hohen Kreditkosten keinen eigenen Hebel entgegensetzt. UnitedHealth und Goldman Sachs haben diesen Hebel gezeigt, die Medtech-Sparte von J&J und die Geschäftsbanken nicht.

Morgen entscheidet die US-Inflation für September über die Fed-Erwartung: Der Konsens sieht 3,6 Prozent Gesamtrate und 2,5 Prozent Kernrate, am Donnerstag folgen die Erzeugerpreise. Der Dollar-Index steht auf einem 18-Monats-Hoch, was die Krypto-Liquidität dämpft. Aus US-Bitcoin-Spot-ETFs flossen in der Woche netto 679 Millionen Dollar ab, aus Ether-ETFs 542 Millionen. Bitcoin hält sich dennoch um 83.000 Dollar und notiert leicht fester.

Im deutschen Nebenwertesegment springt Formycon aktuell um 12 Prozent, weil eine US-Zulassung für ein Krebs-Biosimilar erwartet wird. Vossloh verliert nach einer Kurszielsenkung von Oddo BHF rund 7 Prozent und markiert ein 52-Wochen-Tief.

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