UPM-Kymmene: EU rügt Sappi-Projekt
Die EU-Kommission beanstandet UPM-Kymmenes geplantes Papier-Joint-Venture mit Sappi, während Finnland neue Industrieflächen vorbereitet.

- EU-Kommission äußert Bedenken zum Papierprojekt
- UPM und Sappi können Stellung nehmen
- Mikkeli plant Erweiterung des Industriegebiets
- UPM-Aktie liegt 14 Prozent unter Jahreshoch
Die Bestrebungen von UPM-Kymmene, durch ein großangelegtes Gemeinschaftsunternehmen die Marktposition im Bereich Kommunikationspapier zu festigen, stoßen auf regulatorische Hürden.
Am Dienstag übermittelte die EU-Kommission eine formale Mitteilung der Beschwerdepunkte an das finnische Unternehmen und dessen Partner Sappi. Damit tritt das Verfahren um das geplante 1,66-Milliarden-Dollar-Projekt in eine entscheidende Phase, in der die Wettbewerbshüter eine Schwächung des Marktes im Europäischen Wirtschaftsraum befürchten.
Wettbewerbshüter sehen Marktdominanz kritisch
Die Einwände aus Brüssel richten sich primär gegen die mögliche Entstehung eines marktbeherrschenden Akteurs bei grafischen Papieren. Laut offiziellen Angaben der Kommission könnte der Zusammenschluss den Wettbewerb erheblich einschränken.
Die betroffenen Unternehmen haben nun die Möglichkeit, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen und gegebenenfalls Zugeständnisse anzubieten. Medienberichten zufolge ist ein solcher formaler Einwand noch nicht mit einem endgültigen Verbot der Fusion gleichzusetzen, signalisiert jedoch einen deutlich erhöhten Anpassungsbedarf für die beteiligten Konzerne.
Infrastrukturausbau in Finnland nimmt Form an
Während die Expansion auf europäischer Ebene durch die Wettbewerbsbehörden geprüft wird, treibt UPM lokale Infrastrukturprojekte in seinem Heimatmarkt voran. In der finnischen Stadt Mikkeli bereitet die Verwaltung einen neuen Bebauungsplan für das Industriegebiet Ketunpesä vor, das in unmittelbarer Nähe zum bestehenden UPM-Standort Pellos liegt. Am Montag wird der Stadtrat über die Einleitung des Planungsverfahrens entscheiden.
Das Vorhaben sieht eine Erweiterung der industriellen Nutzungsmöglichkeiten vor. Neben Flächen für die Handhabung chemischer Hilfsstoffe wird der Bebauungsplan so gestaltet, dass auch der Bau eines Rechenzentrums auf dem Areal rechtlich möglich wäre. Diese Flexibilität unterstreicht die Strategie des Konzerns, Standorte für moderne industrielle Anwendungen und technologische Infrastruktur zu rüsten.
Branchenumfeld und Analysteneinschätzung
Das operative Umfeld für Papier- und Zellstoffhersteller bleibt derweil von Restrukturierungen geprägt. Erst vor rund einem Monat hatte UPM die Stilllegung der Zellstoffproduktion in Kaukas angekündigt, was am Markt als Reaktion auf Überkapazitäten gewertet wurde und die Aktie seither um 0,8 % steigen ließ.
Dennoch agieren Investoren vorsichtig, nachdem die Analysten von Barclays den Wert vor gut drei Wochen herabgestuft hatten. Das Papier schloss am Freitag bei 23,95 Euro.
Die gesamte Branche steht vor einem Transformationsprozess, während sich die Wachstumsimpulse verschieben. Marktstudien rechnen für den Bereich der Spezialpapiere bis zum Jahr 2035 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 3,5 % bis 5,0 %, wobei insbesondere die Elektronikindustrie als Abnehmer an Bedeutung gewinnt.
In diesem Kontext müssen die Unternehmen hohe Investitionen stemmen, was die Bilanzen belastet. So senkten die Analysten von Itaú BBA jüngst das Kursziel für den Wettbewerber CMPC aufgrund der hohen Verschuldung durch ein brasilianisches Megaprojekt. UPM-Kymmene verzeichnet seit Jahresbeginn ein Kursminus von 3,6 % und notiert aktuell 14 % unter seinem 52-Wochen-Hoch.
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