Uranpreise auf Rekordkurs: Cameco und Kazatomprom im Aufwind, Energy Fuels wackelt
Uran-Terminpreise erreichen 18-Jahres-Hoch. Kazatomprom-Aktionäre billigen China-Deal, Cameco fokussiert Westinghouse-Börsengang, Energy Fuels setzt auf Seltene Erden.

- Terminpreise für Uran auf 18-Jahres-Hoch
- Kazatomprom-Aktionäre stimmen China-Deal zu
- Cameco treibt Westinghouse-Börsengang voran
- Energy Fuels setzt auf Seltene Erden
Am Terminmarkt für Uran herrscht Goldgräberstimmung: Die Preise für langfristige Lieferverträge kletterten auf ein 18-Jahres-Hoch von 94 Dollar je Pfund. Der Spotmarkt hinkt mit rund 86 bis 88 Dollar deutlich hinterher. Diese Kluft zwischen Termin- und Spotpreis prägt gerade drei sehr unterschiedliche Geschichten bei Energy Fuels, Cameco und Kazatomprom.
Während Kazatomprom-Aktionäre kurz vor den Halbjahreszahlen eine wichtige Vertragsänderung mit China absegneten, sorgt bei Cameco die Finanzierung der Westinghouse-Tochter für Gesprächsstoff. Energy Fuels wiederum treibt seine Wette auf Seltene Erden voran – mit spürbaren Folgen für den Aktienkurs.
Energy Fuels: Seltene Erden überstrahlen schwache Uranzahlen
Der Kurs von Energy Fuels bleibt volatil. Aktuell notiert die Aktie bei 12,26 Euro, nach einem Plus von 20% in den vergangenen 30 Tagen. Auf Jahressicht steht dennoch ein Minus von 5,4% zu Buche, und vom 52-Wochen-Hoch bei 24,25 Euro trennen das Papier fast die Hälfte des Werts.
Operativ lieferte das zweite Quartal ein durchwachsenes Bild. Der Verlust je Aktie fiel mit minus 0,13 Dollar deutlich höher aus als die erwarteten minus 0,03 Dollar, während der Umsatz mit 25,11 Millionen Dollar rund 18% unter den Schätzungen blieb. Das Uran-Segment selbst lief solide: 25 Millionen Dollar Umsatz bei einer Bruttomarge von 57% und Produktionskosten von 23 Dollar je Pfund.
Die Produktion lag mit 865.000 Pfund im Quartal und 1,7 Millionen Pfund im ersten Halbjahr im Rahmen der Jahresprognose. Wichtiger für die Kursentwicklung war zuletzt aber die strategische Neuausrichtung: Mit der geplanten Übernahme von VAC für rund 1,9 Milliarden Dollar in bar und Aktien sichert sich Energy Fuels Zugang zu globaler Magnetproduktion, darunter eine skalierbare Anlage in South Carolina. Parallel rückt die Übernahme von Australian Strategic Materials näher, nachdem die australische Investitionsprüfung positiv ausgefallen ist – ein Abschluss wird bis Ende August erwartet.
Zusätzlich wird die White Mesa Mill in Utah ausgebaut, um künftig schwere Seltenerdoxide in großem Maßstab zu produzieren. Die Analystenmeinungen zu diesem Kurswechsel gehen auseinander: BMO Capital startete die Coverage mit „Outperform“, Roth Capital hob die Aktie auf „Buy“ an, während Riley das Kursziel auf 25 Dollar senkte. Anleger müssen abwägen, ob die Diversifizierung die Uranbasis stärkt oder verwässert.
Cameco: Westinghouse-Finanzierung hält Analysten in Atem
Cameco zeigt sich robuster. Die Aktie notiert bei 83,38 Euro und legte in den vergangenen 30 Tagen um 12% zu, nach einem leichten Rücksetzer von 3,3% in der vergangenen Woche. Die Erholung fällt in eine Phase, in der Analysten die Aktie zunehmend positiv einstufen.
Die Zahlen zum zweiten Quartal verfehlten zwar die Erwartungen bei Gewinn und Umsatz, das Management verwies aber auf den fehlenden Großbeitrag von Westinghouse aus dem Dukovany-Projekt im Vorjahresvergleich. Die Produktionsprognose für 2026 blieb mit 19,5 bis 21,5 Millionen Pfund U3O8 unverändert bestehen. Die Terminpreise für Uran erreichten im ersten Halbjahr Jahrzehnthochs, was Camecos Preissetzungsmacht stützt.
Im Zentrum der Investmentstory steht weiterhin Westinghouse. Weltweit werden 91 potenzielle AP1000-Reaktorprojekte identifiziert, für die das US-Energieministerium eine bedingte Finanzierungszusage über 17,5 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt hat. Cameco hat zudem vertraulich einen Börsengang der Sparte eingereicht, ein konkreter Zeitplan steht laut Unternehmensangaben noch nicht fest.
Operativ gab es einen kurzen Dämpfer: Die Cigar-Lake-Mine musste wegen eines Engpasses bei Schwefelsäure für zwölf Tage pausieren, bevor Partner Orano die Produktion wieder hochfuhr. Die Jahresprognose von 17,5 bis 18,0 Millionen Pfund blieb davon unberührt. Am Aktienmarkt spiegelt sich die gemischte Lage in gegenläufigen Kurszielanpassungen: Truist erhöhte sein Ziel leicht auf 130 Dollar, Barclays senkte es dagegen auf 97 Dollar. Der Analystenkonsens bleibt mit einem durchschnittlichen Kursziel von 133,78 Dollar klar bullisch.
NAC Kazatomprom: Aktionäre billigen China-Deal vor Halbjahreszahlen
Kazatomprom steuert auf einen entscheidenden Termin zu: Am 21. August legt der Konzern seine Halbjahreszahlen vor und lädt anschließend zur Telefonkonferenz. Die Aktie notiert aktuell bei 62,80 Euro, nur 4,6% unter ihrem 52-Wochen-Hoch, und hat sich seit dem Jahrestief im August deutlich erholt.
Kurz vor der Zahlenvorlage sorgte eine außerordentliche Hauptversammlung für Aufsehen. Die Aktionäre billigten eine bedeutende Änderung des langfristigen Uranliefervertrags mit dem chinesischen Partner China National Uranium Corporation – bei einer Beteiligung von 99,21% der stimmberechtigten Aktien stimmten 92,11% dafür. Finanzielle Details wie Mengen oder Preisstrukturen der Vertragsänderung wurden nicht veröffentlicht.
Die zuletzt gemeldeten operativen Kennzahlen zeigen deutliches Wachstum: Die Verkaufsmenge stieg im ersten Halbjahr um 19% auf 19,72 Millionen Pfund, die zurechenbare Produktion um 10% auf 18,34 Millionen Pfund. Der realisierte Durchschnittspreis kletterte um 16% auf 67,88 Dollar je Pfund, getragen von einem um 25% höheren Spot-Referenzpreis. Auf der Bilanzseite wurde die Dividende für 2025 vollständig ausgezahlt, zusätzlich erfolgte eine teilweise Anleihetilgung über 100 Millionen Dollar.
Die Produktionsprognose für das laufende Jahr bleibt bestehen, die Finanzprognose wird aufgrund von Wechselkursschwankungen jedoch überprüft. Zusätzlichen Rückenwind liefert das im Mai in Kraft getretene britische Importverbot für russisches Uran, das den Wettbewerb um westliche Lieferverträge weiter verschärft. Auch der Sprott Physical Uranium Trust bindet mit seinem Bestand von 81,4 Millionen Pfund inzwischen mehr als ein Jahr der Kazatomprom-Produktion vom Markt.
Sektordynamik: Drei Strategien, ein Rohstoff
Die drei Unternehmen setzen unterschiedliche Hebel an, um vom selben Aufwärtstrend zu profitieren:
- Kazatomprom nutzt seine Marktmacht als weltweit größter Produzent mit rund 20% der globalen Primärförderung aus 27 Lagerstätten in Kasachstan.
- Cameco entwickelt sich zunehmend zum Hybrid aus Uranförderer und Nukleardienstleister, wobei die Westinghouse-Pipeline für AP1000-Reaktoren immer stärker die Bewertung treibt.
- Energy Fuels verlässt den reinen Uranfokus und setzt auf Seltene Erden und Magnetproduktion – eine Strategie, die für kräftige Kursausschläge sorgt.
Verbindendes Element bleibt die Kluft zwischen Termin- und Spotmarkt. Camecos realisierter Langfristpreis erreichte im ersten Quartal 91,50 Dollar je Pfund, während der Spotpreis zuletzt bei 88,15 Dollar lag – ein Plus von gut 20% gegenüber dem Vorjahr. Lieferengpässe wie bei Camecos Reagenzien oder Kazatomproms vorsichtiger Produktionssteuerung sorgen zusätzlich für strukturelle Verknappung.
Ausblick: Diese Termine entscheiden über die nächste Kursrichtung
Der nächste große Katalysator ist Kazatomproms Zahlenvorlage am 21. August, die zeigen dürfte, ob die zurückhaltende Produktionsplanung und die überprüfte Finanzprognose Bestand haben. Bei Cameco richtet sich der Blick auf Fortschritte beim Westinghouse-Börsengang und auf konkrete Vereinbarungen im Rahmen der staatlichen Finanzierungszusage. Energy-Fuels-Anleger wiederum warten auf den Abschluss der ASM- und VAC-Übernahmen zum Monatsende – ein Test dafür, ob sich die Wette auf Seltene Erden auch in harten Umsatzzahlen niederschlägt, ohne die Uranbasis zu schwächen. Die auseinanderlaufenden Preise am Termin- und Spotmarkt dürften derweil die zentrale Größe bleiben, an der sich die Bewertungen im gesamten Sektor messen lassen.
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