US-Aktienmärkte: Krieg, Daten, China

S&P 500 auf Rekordniveau trotz Ölpreisschock und Iran-Krieg. Entscheidende Konjunkturdaten und das Gipfeltreffen in Peking rücken in den Fokus.

Die Kernpunkte:
  • Ölpreis steigt um über 60 Prozent
  • Fed signalisiert restriktiven Kurs
  • S&P 500-Gewinne steigen um 28,6 Prozent
  • Trump-Xi-Treffen in Peking erwartet

Der S&P 500 steht über 16% über seinem Jahrestief – und trotzdem bleibt die Stimmung angespannt. Drei Kräfte bestimmen gerade, wie die nächsten Wochen an den US-Börsen verlaufen: der Krieg gegen Iran, entscheidende Konjunkturdaten und ein Gipfeltreffen zwischen Trump und Xi Jinping.

Ölpreis und Hormuz: Das Zünglein an der Waage

Seit den US-israelischen Luftangriffe auf Iran Ende Februar hat sich die Welt der Rohstoffmärkte dramatisch verändert. Rohöl verteuerte sich in diesem Jahr um mehr als 60%, der US-Benzinpreis überstieg erstmals seit Juli 2022 die Marke von 4,50 Dollar je Gallone. Hinter dieser Entwicklung steckt vor allem eine Engstelle: die Straße von Hormuz, durch die ein erheblicher Teil der weltweiten Öllieferungen fließt – und die seit Kriegsbeginn nahezu gesperrt ist.

Zuletzt wurde die Lage am Wochenende erneut unruhiger. Ein Frachtschiff in katarischen Gewässern wurde von einer Drohne getroffen, über Kuwait wurden feindliche Drohnen abgefangen. Gleichzeitig warnte Irans Militärkommandeur Ali Abdollahi, Teherans Streitkräfte seien bereit, „jede feindliche Aktion“ mit einer „schnellen, schweren und entschlossenen“ Antwort zu beantworten. Dass der neue Oberste Führer Khamenei seit seiner Machtübernahme nicht öffentlich aufgetreten ist, verstärkt die Unsicherheit zusätzlich.

Für Anleger ist die entscheidende Frage: Wann bewegen sich wieder Schiffe durch die Hormuzstraße? „Die weitere Annäherung an eine Lösung des US-Iran-Konflikts steht ganz oben auf der Agenda der Investoren“, sagt Michael Arone, Chefstratege bei State Street Investment Management. Auf diplomatischer Ebene gibt es zaghafte Signale – Washington wartet auf Teherans Antwort zu einem vorgeschlagenen Waffenstillstandsrahmen. Doch die andauernden Drohnenangriffe zeigen, wie fragil dieser Waffenstillstand ist.

Inflationsdaten und der Schatten der Energiepreise

Mit den Wirtschaftsdaten der Aprilberichtssaison wird erstmals greifbar, was der Krieg der US-Konjunktur antut. Der am Dienstag erwartete Verbraucherpreisindex dürfte laut Reuters-Umfrage um 0,6% steigen – nach dem Sprung von 0,9% im März, dem höchsten Wert seit fast vier Jahren. Haupttreiber war damals wie heute der Benzinpreis.

Etwas aufschlussreicher könnte der Kernindex werden, der Energie- und Lebensmittelpreise herausrechnet. Er gibt klarere Hinweise auf den Zinspfad der Fed. „Falls der Kernindex deutlich ansteigt, wird das sehr problematisch“, warnt Kristina Hooper, Chefstrategin bei Man Group. Bereits jetzt signalisiert die Fed eher restriktiven Kurs – Zinssenkungen in diesem Jahr scheinen vom Tisch.

Diese Lagebeurteilung deckt sich mit einer interessanten Dollar-Beobachtung von BofA Securities: Der Greenback hat sich trotz verbesserter Makro-Daten und höherer Ölpreise kaum bewegt. Das Paradox lässt sich laut BofA-Strategen auf ein einziges Wort reduzieren: Zinserhöhungen. Die Märkte glauben schlicht nicht daran, dass der designierte Fed-Chef Warsh die Zinsen anheben wird. Der Futures-Markt preist gerade einmal 5 bis 6 Basispunkte an Anhebungen über die nächsten zwölf Monate ein – während andere G10-Zentralbanken, wie zuletzt die Reserve Bank of Australia mit einem Schritt von 25 Basispunkten, längst gehandelt haben.

Donnerstags Einzelhandelsdaten runden das Bild ab. Fraglich ist, ob Verbraucher die höheren Energiekosten durch Einsparungen anderswo kompensieren. James Ragan von D.A. Davidson sieht bislang keine klaren Belege für eine Konsumzurückhaltung – die gestiegenen Tankkosten schlagen aber unbestreitbar stärker ins Budget.

Rekordsaison und Trump-Xi-Gipfel

Inmitten aller geopolitischen Unsicherheit liefern die US-Unternehmen. Die S&P-500-Gewinne liegen auf Kurs für ein Plus von 28,6% im ersten Quartal – das stärkste Ergebnis seit mehr als vier Jahren. Besonders die Ausgaben für künstliche Intelligenz ziehen sich als goldener Faden durch die Zahlen: KI-Hyperscaler bauen Rechenzentren und Infrastruktur im Eiltempo, was bei einer Vielzahl von Branchen positiv durchschlägt. Die gefürchteten Margenpressionen durch Zölle oder den Ölpreisschock sind bislang ausgeblieben.

Gleichzeitig drohen auf der rechtlichen Flanke neue Risiken für die Handelspolitik. Ein US-Handelsgericht erklärte die unter Section 122 erhobene Universalabgabe von 10% für rechtswidrig. Das Gericht befand, die Regierung habe die gesetzlichen Voraussetzungen – nämlich ein schwerwiegendes Zahlungsbilanzdefizit – nicht erfüllt. Analysten bei Barclays warnen, dass das Urteil trotz erwarteter Berufung weitere juristische Anfechtungen anderer Zollmaßnahmen begünstigen könnte.

Geopolitisch werden alle Augen auf das Trump-Xi-Treffen in Peking Ende der Woche gerichtet sein. Auf der Agenda: der Iran-Krieg, der Zugang zu seltenen Erden und Technologiefragen. Die Ergebnisse könnten in beide Richtungen wirken – ein Durchbruch würde die Märkte beflügeln, ein Scheitern neue Unsicherheit säen.

Was bleibt

Die Gleichung, die die Märkte gerade lösen müssen, ist komplex: S&P 500 und Nasdaq auf Rekordhöhen, aber Öl über 60% im Plus, Inflation unter Aufwärtsdruck, Fed abwartend und ein Krieg, dessen Ende zwar verhandelt, aber nicht besiegelt ist. Die Erholung fußt auf echten Fundamentaldaten – starken Gewinnen, KI-Investitionen, robusten Verbrauchern. Aber die Risiken sind keineswegs verschwunden. Sie haben sich nur verlagert – von der Bilanz in die Geopolitik.

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