Valneva Aktie: Goldman bei 2,15 Euro
Analysten uneins: Goldman Sachs stuft Valneva auf Sell, Jefferies hält an Buy-Rating fest. Der Kurs nahe 52-Wochen-Tief.

- Goldman Sachs senkt Rating auf Sell
- Jefferies bestätigt Buy mit 15 Dollar Ziel
- Umsatz bricht um 37 Prozent ein
- Lyme-Impfstoff als entscheidender Katalysator
Zwei Investmentbanken schauen auf dieselben Daten – und kommen zu komplett gegensätzlichen Schlüssen. Goldman Sachs sieht die Valneva-Aktie bei 2,15 Euro fair bewertet, Jefferies traut ihr 15 US-Dollar zu. Dazwischen liegt eine Aktie, die gerade auf Jahressicht 42,18 Prozent verloren hat.
Am Freitag schloss das Papier bei 2,22 Euro, ein Minus von 2,97 Prozent an nur einem Tag. Damit liegt der Kurs kaum noch über dem 52-Wochen-Tief von 2,13 Euro und 57 Prozent unter dem Hoch von 5,16 Euro aus dem August 2025.
Goldman verkauft, Jefferies kauft
Goldman Sachs hat den französischen Impfstoffhersteller diese Woche von „Neutral“ auf „Sell“ herabgestuft. Das Kursziel sinkt von 3,25 auf 2,15 Euro – fast exakt der aktuelle Kurs. Die Bank verweist auf eine Serie von Rückschlägen: den Rückzug des Chikungunya-Impfstoffs Ixchiq vom US-Markt und einen gescheiterten sekundären Endpunkt in der Phase-III-Studie zum Lyme-Impfstoff.
Jefferies sieht dieselben Daten anders. Die Bank bestätigt ihr „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 15 Dollar. Die Wirksamkeitsdaten des Lyme-Kandidaten reichen aus ihrer Sicht für eine Zulassungseinreichung.
Ein Analyst sieht die Aktie bei 2,15 Euro fair bewertet, ein anderer bei 15 Dollar. Beide Seiten stimmen nur in einem Punkt überein: Die nächsten Monate werden zeigen, wer richtig liegt.
Das Kerngeschäft schwächelt
Die gegensätzlichen Einschätzungen treffen auf ein Unternehmen mit spürbaren operativen Problemen. Der Umsatz im ersten Quartal brach um 37,2 Prozent auf 30,9 Millionen Euro ein, verglichen mit 49,2 Millionen Euro im Vorjahr. Der Nettoverlust explodierte um 249 Prozent auf 32,1 Millionen Euro.
Alle drei Kernimpfstoffe – IXIARO, DUKORAL und IXCHIQ – verzeichneten im Quartal rückläufige Verkäufe. Das Management reagierte mit einer Prognosesenkung: Die Produktumsatzerwartung für 2026 sinkt von 145–160 Millionen Euro auf 135–150 Millionen Euro. Grund sind schwächere Trends bei Reiseimpfstoffen. Die Gesamtumsatzprognose bleibt bei 145–160 Millionen Euro.
Um die schwächeren Einnahmen aufzufangen, startet Valneva ein Sparprogramm. Das Ziel: 10 bis 15 Prozent weniger Personal weltweit und 25 bis 35 Prozent niedrigere Betriebskosten im Jahr 2026 gegenüber 2025.
Die Barreserven sind spürbar geschrumpft. Das dürfte ein Grund sein, warum Goldman kaum noch Spielraum für weitere Rückschläge sieht. Zusätzlichen Druck bringt eine technische Marke: Am 2. Juli lief die Sperrfrist für im April ausgegebene Aktien ab, was den Kurs zusätzlich belastet.
Die Pipeline entscheidet
Bullen wie Bären setzen letztlich auf dieselben zwei klinischen Werte. Der gemeinsam mit Pfizer entwickelte Lyme-Impfstoff VLA15 zeigte starke Phase-III-Daten ohne Sicherheitsbedenken. Pfizer hat angekündigt, noch in diesem Jahr eine Zulassung einzureichen.
Der Shigella-Impfstoff S4V2 aus der mittleren Entwicklungsphase soll im Laufe des Jahres 2026 erste Daten liefern. Für beide Katalysatoren fehlt ein festes Datum. Bis konkrete Zulassungsschritte kommen, bleibt die Aktie von Stimmung und charttechnischen Marken abhängig.
Abseits der Kernprogramme baut Valneva sein Frühphasen-Portfolio aus. Kürzlich lizenzierte das Unternehmen eine Impfstofftechnologie gegen ETEC-Bakterien von Forschern der Universität Bergen und NORCE. Diese Bakterien verursachen weltweit Millionen Durchfallerkrankungen – für den Aktienkurs dürfte das Projekt aber kurzfristig kaum Bedeutung haben.
Der Kurs notiert derzeit rund 7 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 2,39 Euro, der RSI von 37,9 signalisiert keine Überverkauft-Situation im klassischen Sinn. Die kurzfristige Richtung dürfte weniger von der Marktstimmung abhängen als von zwei konkreten Ereignissen: Reicht Pfizer die angekündigte Zulassung für den Lyme-Kandidaten tatsächlich ein, und liefern die Shigella-Daten später im Jahr Unterstützung für die optimistische These? Bis eines dieser beiden Ereignisse eintritt, bleibt die Spanne zwischen Goldmans 2,15-Euro-Ziel und Jefferies‘ 15-Dollar-Marke die zentrale Frage rund um die Aktie.
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